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Damit genug übrig bleibt – welchen Anteil dürfen Fixkosten am Gehalt ausmachen?

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
24.02.2015

In vielen Ländern wird das Einkommen offen kommuniziert, die Deutschen halten sich diesbezüglich allerdings oftmals lieber bedeckt. Es gilt das Motto „über Geld spricht man nicht“ und zwar vor allem dann nicht, wenn das Gehalt hoch ist. Nichts desto trotz sind die alljährlichen Einkommensstatistiken und Gehaltsreporte immer wieder ein spannendes und viel diskutiertes Thema, wobei gerade das Durchschnittsgehalt in der Bundesrepublik eine allgemein Größe darstellt – wenngleich diese natürlich zum Teil sehr starke Abweichungen nach oben und unten mit sich bringt.

Das Durchschnittsgehalt

Als Durchschnittsgehalt wird das durchschnittliche Bruttogehalt deutscher Arbeitnehmer im Jahresmittel bezeichnet, welches in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist und 2014 bei rund 41.000 Euro lag. In der Realität erreichen viele Arbeitgeber diese Gehaltsschwelle allerdings lange nicht, andere wiederum verdienen sogar deutlich mehr. Gestiegen sind die Reallöhne in Deutschland deshalb, weil es einerseits Lohnzuwächse zu verzeichnen gab und die geringe Inflation andererseits zu Beginn des Jahres 2014 um 1,35 Prozent gestiegen ist.

Zu unterscheiden sind allerdings die zwei Größen Durchschnittsgehalt und Durchschnittseinkommen. Denn während das Durchschnittsgehalt sich aus dem gesamten Bruttoeinkommen zusammensetzt, so handelt es sich beim Durchschnittseinkommen um den reinen Nettobetrag. Eine weitere Unterscheidung findet außerdem zwischen dem Bruttogehalt, dem Nettogehalt und dem letztendlichen Netto-Netto-Gehalt statt. Folgende Grafik erläutert die Unterschiede:

 

 

Brutto und Netto

1. Das Bruttoeinkommen wird nicht nur durch das Gehalt gebildet, sondern beinhaltet darüber hinaus auch Rentenbezüge oder Lohnersatzleistungen, ebenso zählen Vermögenseinkünfte sowie staatliche und private Transferleistungen hinzu. Hinzu kommen außerdem Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer, dementsprechend fällt der Bruttobetrag also grundsätzlich höher als der Nettobetrag aus. Abgezogen werden vom Bruttogehalt Lohnsteuer, Kirchensteuer, Solidaritätssteuer, Rentenversicherung, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung.

2. Das Nettogehalt wiederum stellt den Betrag dar, der nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben tatsächlich noch vorhanden ist und vom Beschäftigten nach Belieben ausgegeben oder investiert werden kann.

3. 3. Doch auch das Nettogehalt wird in der Regel noch durch einige weitere Werte beeinflusst, darunter sind die sogenannten Fixkosten zu verstehen. Unter sie fallen Beträge, die meist für einen bestimmten Zeitraum konstant abgehen und beispielsweise Verwendung für die Finanzierung des Autos, die Miete oder die wöchentlichen Einkäufe finden. Kosten also, die von der betreffenden Person nach eigenem Empfinden bestimmt werden können, in der Regel aber jeden Monat aufs Neue fällig werden. Nur das, was nach Abzug der Fixkosten noch übrig ist, wird als Netto-Nettobetrag bezeichnet und stellt den Betrag dar, der zur freien Verfügung nutzbar ist.

So setzen sich heutige Fixkosten zusammen

Gerade die Miete wird schon seit einigen Jahren stetig teurer, laut der Wirtschaftswoche wird in deutschen Haushalten daher im Schnitt ein Drittel des Einkommens in die Wohnung gesteckt. Es sind allerdings weniger die hohen Kaltmieten, sondern vielmehr die Energiekosten, die für steigende Preise sorgen. Andererseits ist es laut Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen jedoch auch Fakt, dass die Kosten auch deshalb steigen, weil die Bürger sich schlicht immer größere Wohnungen leisten.

Hinsichtlich der Miete sollte diese niemals mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens betragen, so eine allgemeine Empfehlung von Finanz-Experten. Ist sie doch höher, dann lohnt sich womöglich ein Umzug, denn in einem solchen Fall lebt der Betroffene über seine Verhältnisse. Wer sich diesen Anteil künftig sogar komplett sparen möchte, für den ist vermutlich die Eigentumswohnung eine interessante Alternative – sollte das benötigte Budget vorhanden sein, so sind bei der Wohnungssuche aber dennoch einige Faktoren wichtig, um die Fixkosten niedrig zu halten. Größe, Schnitt oder eine erfolgreiche Finanzierung tragen ebenfalls ihren Teil zu den künftigen Fixkosten bei, sei es in Form einer monatlichen Finanzierung oder durch höhere Strom- und Heizkosten dank großer oder hoher Räume.

In Bezug auf die kompletten Fixkosten wird ein Richtwert von 50 Prozent des Nettogehalts empfohlen, den es nicht zu überschreiten gilt. Das heißt also, dass die Miete sowie alle weiteren Fixkosten – etwa eine Internet- und Telefonflat, die Haftpflichtversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung – im Idealfall weniger als die Hälfte des Nettoeinkommens ausmachen. Nach Möglichkeit sollten es sogar besser nur 30-40 Prozent sein. Sollte diese Rechnung nicht aufgehen und die Kosten liegen doch über 50 Prozent, so sollten dringend einige Kosten eliminiert werden.

 

Wichtige Faktoren, die in die Fixkosten einfließen

1. Lebensmittel
Etwa 15 Prozent des Einkommens sollten für Lebensmittel zurückgelegt werden, ebenso zählen allerdings auch Genussmittel wie Tabak und Alkohol in diese Kategorie. Wie so häufig entscheidet aber auch hier der individuelle Bedarf – wer also leidenschaftlich gerne essen geht, wird voraussichtlich nur selten Großeinkäufe erledigen, muss dafür in der Regel jedoch trotzdem überdurchschnittlich viel bezahlen. Und auch Familien geben normalerweise sehr viel mehr Geld für Nahrungsmittel aus, wobei die Kosten gemeinsam mit dem Alter des Kindes ansteigen.

2. Kleidung
Dieser Punkt wird von den Deutschen weniger wichtig eingeschätzt, mit vergleichsweise geringen 5 Prozent des Monatsbudgets sollten Verbraucher daher auskommen. Allerdings kommt es hier auch immer wieder zu Ausnahmen, beispielsweise dann, wenn die Winterjacke mitten im Dezember kaputtgeht oder ein seriöses Kostüm für das nächste Vorstellungsgespräch benötigt wird.

3. Gesundheit
Die Kosten für Medikamente, Rezepte und Pflegemittel sollten im Schnitt etwa 4 Prozent des Monatsbudgets betragen. Allerdings steigt dieser Wert erfahrungsgemäß mit dem Alter an.

4. Versicherungen
Unabdingbar ist vor allem die Haftpflichtversicherung, um bei einem Schadensfall gegebenenfalls abgesichert zu sein. Sie kostet meist um die 50 Euro im Jahr und ist damit eine verschmerzbare Ausgabe, die auch auf der Monatsabrechnung nicht weiter ins Gewicht fällt. Allerdings macht sich dieser Punkt bemerkbar, wenn weitere Versicherungen hinzukommen, unter anderem Rechtsschutzversicherungen und ähnliches. Hier gilt es abzuwägen, welche Policen wirklich notwendig und welche doch eher überflüssig sind.

5. Altersvorsorge
Gerade in der heutigen Zeit, in der immer wieder die Rede von der sogenannten Altersarmut ist, stellt die Altersvorsorge einen sehr wichtigen Aspekt dar. Da die gesetzliche Rente schon lange nicht mehr als ausreichend angesehen wird, sind zusätzliche Absicherungen in jedem Fall empfehlenswert. Laut der Bildzeitung ist dabei folgende Faustregel empfehlenswert und wurde vom Deutschen Institut für Wirtschaft herausgegeben:

  • Berufseinsteiger: 4–6 %
  • 30-Jährige: 5–8 %
  • über 40-Jährige: 7–10 %.

6. Freizeit und Unterhaltung
Oftmals wird möglichst viel Geld angespart, um davon in den Urlaub zu fahren oder sonstige Freizeitangebote wahrzunehmen. Rund 11 Prozent des Einkommens verwenden die Deutschen daher auf Besuche im Kino und Zoo oder viele weitere Kulturangebote. Gerade bei einer kleinen Familie kann es hier schnell teuer werden – wer das Budget besser zusammenhalten möchte, findet in diesem Bereich meist einiges an Sparpotenzial.

7. Auto und Verkehr
Für viele Menschen stellt das eigene Auto nicht nur eine Wertanlage, sondern auch ein Statussymbol dar und ist dementsprechend gefragt. Wer sich ein eigenes Fahrzeug anschaffen möchte, sollte laut Finanz-Beratungen allerdings bedenken, dass dieses nicht teurer als sechs Nettogehälter sein sollte. Wer also im Jahr auf 30.000 Euro kommt, der könnte sich einen Wagen für rund 15.000 Euro leisten, ohne finanziell in Bedrängnis zu geraten.

8. Sparen und zurücklegen
Am Ende des Monats sollte bestenfalls auch noch genügend Geld übrigbleiben, um sich etwas auf die hohe Kante zu legen. Gerade bei plötzlich auftretenden finanziellen Rückschlägen sind ein paar Rücklagen viel wert. Eine gute Rate ist dabei etwa 10 Prozent des übriggebliebenen Einkommens, sodass immer noch genügend Geld übrig bleibt, um den Monat ohne Abstriche zu verbringen.
Allerdings gilt es zu beachten, dass das Geld sinnig angelegt ist, um wirklich etwas von der Spareinlage haben zu können. Dabei sollten die Rücklagen mit der Nettorendite bedacht sein, denn diese hängt von steuerlichen Abgaben und der Inflation ab und zeigt den realen Kapitalzuwachs an. Wer in Wertpapiere anlegt muss beispielsweise andere Bedingungen berücksichtigen als bei einem Tagesgeldkonto.Folgender Eintrag erläutert die Besteuerung der Nettorendite sowie die Ermittlung ihres Umfangs bei Fremdvermietung und weiteren Anlagen.
Ebenfalls wichtig: das so angesparte Geld sollte keinesfalls für den nächsten Urlaub oder ähnliches genutzt, sondern wirklich für mögliche Notfälle zur Seite gelegt werden.
Bei eventuellen Schulden sollte dieser Teil des Gehalts außerdem noch größer ausfallen, am besten werden daher nochmals weitere 10 Prozent zurückgelegt. Wenn auch noch regelmäßige Zinsen hinzukommen, wird sich das Zurücklegen doppelt lohnen.

Die Fixkosten sind ständigen Schwankungen unterlegen und vor allem unvorhergesehene Ereignisse wie Unfälle, Kündigungen, Umzüge und Erneuerung oder Reparatur von Wohngegenständen sollten immer im Hinterkopf bleiben, wenn die monatlichen Ein- und Ausgaben betrachtet werden. Vor allem im Bereich Miete, Lebensmittel, Gas und Strom können die Kosten stark ansteigen und ein höheres Gewicht in der Verteilung erhalten. Dazu kommt die Altersvorsorge, die immer mehr in den Lebensmittelpunkt rückt, je älter die Gesellschaft wird. Gute Rücklagen helfen bei gestiegenen Fixkosten im späteren Lebensabschnitt aus.

 

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