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Gender-Pay-Gap: Welche Branchen sind besonders stark betroffen?

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
04.03.2021
Tipps & Tricks zum Thema Gehalt, Karriere & Berufsleben
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Zwei Hände, die auf einem Blatt Papier das Symbol für Mannlichkeit und Weiblichkeit mit einem Gleichheitszeichen hoch halten.

Noch immer wird das Einkommen nicht nur von Berufserfahrung und Ausbildung, sondern auch vom eigenen Geschlecht beeinflusst. Anlässlich des Equal Pay Day 2021 hat GEHALT.de insgesamt 143.975 Datensätze unter die Lupe genommen und hiervon ausgehend eine Analyse zur geschlechtsspezifischen Lohnlücke in Deutschland veröffentlicht. Dies geschah in Zusammenarbeit mit der comdirect-Initiative finanz-heldinnen.

Das Ergebnis: Bei Männern beträgt das jährliche Bruttoeinkommen circa 47.600 Euro im Median, während der Wert bei Frauen bei etwa 37.000 Euro liegt. Das entspricht einer unbereinigten Entgeltlücke von rund 22,2 Prozent – hier spielen allerdings noch Faktoren wie Branche, Beruf und Position eine entscheidende Rolle.

Aussagekräftiger ist deshalb die bereinigte Entgeltlücke, bei der Faktoren wie Branche, Firmengröße, Berufserfahrung und Qualifikation herausgerechnet und somit ausschließlich Männer und Frauen verglichen werden, die unter gleichen Voraussetzungen sowie in gleichen Berufen und Positionen arbeiten. Hier ergibt sich dann eine Ungleichheit von noch immer 5,1 Prozent zugunsten der Männer. Je höher die berufliche Position, desto größer ist auch diese Diskrepanz: Bei Fachkräften ist eine bereinigte Entgeltlücke von 5,2 Prozent, bei Führungskräften gar eine von 7,0 Prozent festzustellen. Dieser Trend gilt auch in Hinsicht auf den Bildungsstatus: Lässt sich bei Nicht-Akademiker*innen ein Lohnunterschied von ungefähr 4,8 Prozent beobachten, so sind es bei Akademiker*innen rund 5,6 Prozent.

Grafische Darstellung der bereinigten Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern von 5,08 %

(Un)bereinigter Gender-Pay-Gap nach Position

Position Frauen Männer Absolute 
Lücke
(Unbereinigt)
Unbereinigter
Gender-Pay-Gap in Prozent
Bereinigter
Gender-Pay-Gap in Prozent
Fachkräfte 36.267 € 44.066 € 7.799 € 17,7 5,15
Führungskräfte 76.696 € 95.403 € 18.707 € 19,61 7,04
Alle Beschäftigten 37.028 € 47.618 € 10.589 € 22,24 5,08

Gender-Pay-Gap nach Ausbildung (Fachkräfte)

Abschluss  Frauen Männer Absolute Lücke  (Unbereinigt)      Bereinigter     Gender-Pay-     Gap in Prozent
Akademiker*innen   47.569 € 63.220 € 15.651 € 5,58
Nicht-Akademiker*innen  33.800 € 39.838 € 6.038 € 4,81

Unterbezahlt trotz Systemrelevanz: Große Einkommenslücke im Einzelhandel

Beim Blick auf verschiedene Wirtschaftszweige fällt vor allem der Lebensmitteleinzelhandel ins Auge. In keiner anderen Branche ist der bereinigte Gender-Pay-Gap höher – obwohl beide Geschlechter in gleichem Maße überaus systemrelevante Arbeit leisten, verdienen männliche Beschäftigte über 12 Prozent mehr als ihre Kolleginnen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen Sparten des Einzelhandels: Beim Einzelhandel für Bau & Einrichtung bzw. für Bekleidung & Textil beträgt die bereinigte Einkommenslücke circa 10,4 bzw. 9,8 Prozent. Hoch ist die Diskrepanz zudem für Beschäftigte in der Versicherungsbranche (10,1 Prozent) und in der Rechtsberatung (8,9 Prozent).

Ein fast vollkommenes Lohngleichgewicht gibt es hingegen im Bereich der Biotechnologie, die gegenwärtig auch die lukrativste Branche Deutschlands ist: Die bereinigte Einkommenslücke beträgt hier 0,8 Prozent zugunsten der Männer – in keiner Branche ist dieser Wert geringer. Kleine Gender-Pay-Gaps lassen sich weiterhin für Hotellerie und Gastronomie bzw. die Tourismus- und Freizeitbranche (je 2,3 Prozent) sowie in der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung (1,8 Prozent) feststellen.

Branchenvergleich: kleine bereinigte Gender-Pay-Gaps (Fachkräfte)

Branche Frauen Männer Absolute Lücke  (Unbereinigt)     Bereinigter     Gender-Pay-    Gap in Prozent
Kultur 36.583 € 41.594 € 5.011 € 2,39
Touristik & Freizeit 32.651 € 35.156 € 2.504 € 2,29
Hotels & Gaststätten 27.474 € 29.076 € 1.602 € 2,28
Steuerberatung &           Wirtschaftsprüfung 36.055 € 39.727 € 3.673 € 1,75
Biotechnologie 43.798 € 48.616 € 4.818 € 0,8
Grafische Darstellung der Branchen mit den niedrigsten bereinigten Gender-Pay-Gaps: Biotechnologie (0,8 %), Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung (1,8 %) und Hotels & Gaststätten (2,3 %)

Branchenvergleich: große bereinigte Gender-Pay-Gaps (Fachkräfte)

Branche Frauen Männer Absolute Lücke  (Unbereinigt) Bereinigter Gender-Pay-Gap in Prozent
Einzelhandel / Lebens-   mittel 28.789 € 35.235 € 6.446 € 12,17
Einzelhandel / Bau &       Einrichtung 30.004 € 34.950 € 4.947 € 10,41
Versicherungen 39.290 € 54.963 € 15.673 € 10,1

Einzelhandel /                     Bekleidung & Textil

30.339 € 35.514 € 5.175 € 9,75
Rechtsberatung 33.398 € 50.466 € 17.068 € 8,89
Grafische Darstellung der Branchen mit den höchsten bereinigten Gender-Pay-Gaps: Einzelhandel Lebensmittel (12,2 %), Einzelhandel Bau & Einrichtung (10,4 %) und Versicherungen (10,1 %)

Pflege, Medizin, IT: Entgeltlücken in weiteren ausgewählten Branchen und Berufen

Kaum ein Berufszweig steht momentan mehr im öffentlichen Fokus als die Pflege. Zweifelsohne leisten Pflegefachkräfte beider Geschlechter gerade in der Pandemie unverzichtbare Arbeit und müssen aktuell aufgrund von Überstunden und strikten Hygienemaßnahmen zusätzlichen Stress erdulden. Obwohl Frauen in dieser Branche verhältnismäßig überrepräsentiert sind, verdienen sie trotz gleicher Leistung knapp 4,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen; bei Beschäftigten in Krankenhäusern steigt diese Zahl gar auf 8,3 Prozent. Dieses Problem ist in einigen medizinischen Berufen relevant, bei Fachärzt*innen liegt die bereinigte Einkommenslücke zum Beispiel bei 9,3 Prozent.

Im Gegensatz zum Gesundheitssektor gilt die IT-Branche als klassische Männerdomäne. Das zeigt sich auch beim Blick auf den Lohnzettel, weibliche IT-Fachkräfte verdienen hier mit gleichen Voraussetzungen rund 6,2 Prozent weniger. Etwas geringer ist der Wert bei E-Commerce-Manager*innen (4,5 Prozent) und IT-Leiter*innen (4,2 Prozent). Erwähnenswert ist außerdem die hohe Entgeltlücke in der Automobilindustrie (7,9 Prozent) und im Bankwesen (7,6 Prozent) – zwei Wirtschaftszweige mit besonders hohem Verdienstpotenzial. Ein vergleichsweise geringer geschlechtsspezifischer Lohnunterschied ist indessen im Kulturbereich (2,4 Prozent) sowie bei Journalist*innen (3,0 Prozent) zu beobachten.

Weitere ausgewählte Branchen (Fachkräfte)

Branche Frauen Männer Absolute Lücke  (Unbereinigt)    Bereinigter     Gender-Pay-    Gap in Prozent
Krankenhäuser 38.581 € 52.100 € 9.190 € 8,3
Automobilindustrie 44.732 € 53.667 € 8.935 € 7,94
Bankwesen 49.961 € 58.952 € 8.991 € 7,56
Handwerk 30.604 € 34.550 € 3.946 € 7,26
Soziale Einrichtungen 32.764 € 35.427 € 2.663 € 4,34
Pflege 31.704 € 35.108 € 3.404 € 4,25
Immobilien 36.888 € 41.962 € 5.074 € 2,87
Medien & Presse 39.056 € 42.556 € 3.500 € 2,65

Gender-Pay-Gap nach Berufsgruppen (Fachkräfte)

Berufe Frauen Männer Absolute Lücke  (Unbereinigt) Bereinigter Gender-Pay-Gap in Prozent
Journalist*innen 39.433 € 42.595 € 3.162 € 2,95
Fachärzt*innen 67.779 € 88.610 € 20.831 € 9,25
IT-Fachkräfte 44.745 € 49.508 € 4.763 € 6,16

E-Commerce-

Manager*innen

37.797 € 41.862 € 4.065 € 4,52

Gender-Pay-Gap nach Berufsgruppen (Führungskräfte)

Berufe  Frauen Männer Absolute Lücke  (Unbereinigt)       Bereinigter   Gender-Pay-     Gap in Prozent
Personalleiter*in 87.736 € 104.000 € 16.264 € 2,3
IT-Leiter*in 83.342 € 94.177 € 10.835 € 4,23

Gender-Pay-Gap im regionalen Vergleich: Größte Kluft in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg liegt nicht nur in der absoluten Einkommenstabelle ganz vorne, sondern weist auch die größte Entgeltlücke unter allen Bundesländern auf. Der bereinigte Gender-Pay-Gap beträgt hier 7,8 Prozent; hohe Unterschiede gibt es ebenso in Rheinland-Pfalz (7,2 Prozent) und Sachsen (6,1 Prozent). Der Lohngerechtigkeit am nächsten ist hingegen Mecklenburg-Vorpommern (0,6 Prozent), doch auch hier gilt: Trotz gleicher Arbeit und Qualifikation beziehen Frauen ein geringeres Einkommen als Männer.


Im Jahr 2021 stellen wir in Deutschland noch Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen fest, die allein auf das Geschlecht zurückzuführen sind. Selbst in Branchen und Berufen mit hohem Frauenanteil gibt es zu selten eine gleichberechtigte Bezahlung. Das Ziel unserer Aktivitäten zum Equal Pay Day ist es, mit Wissen und Transparenz einen Beitrag zur Schließung der Lohnlücken zu leisten. Letztlich ist hierbei die Initiative sowohl von Unternehmen als auch von Beschäftigten gefordert.

Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von GEHALT.de

Bereinigter Gender-Pay-Gap nach Region (Fachkräfte)

Bundesland Frauen
(Unbereinigt)
Männer
(Unbereinigt)
Absolute Lücke
(Unbereinigt)
Bereinigter Gender-Pay-Gap in
Prozent
Baden-Württemberg 38.003 € 47.872 € 9.869 € 7,76
Rheinland-Pfalz 35.098 € 43.036 € 7.938 € 7,2
Niedersachsen 33.451 € 40.831 € 4.794 € 6,33
Sachsen 30.146 € 35.661 € 5.515 € 6,1
Sachsen-Anhalt 30.099 € 35.550 € 5.451 € 6,04
Hessen 38.206 € 45.976 € 7.770 € 5,24
NRW 36.554 € 44.186 € 7.632 € 5,02
Thüringen 30.537 € 37.064 € 6.527 € 4,75
Bayern 37.772 € 46.033 € 8.261 € 4,39
Schleswig-Holstein 33.034 € 39.122 € 6.089 € 4,15
Bremen 35.744 € 43.115 € 7.371 € 3,83
Saarland 33.849 € 42.430 € 8.580 € 3,54
Hamburg 39.324 € 46.763 € 7.439 € 3,15
Brandenburg 30.830 € 35.319 € 4.489 € 2,66
Berlin 36.320 € 41.663 € 5.343 € 2,2
Mecklenburg-Vorpommern 29.666 € 33.492 € 3.825 € 0,59
         

Zur Methodik

Die Vergütungsspezialist*innen von Gehalt.de analysierten insgesamt 143.975 Datensätze von Beschäftigten in Deutschland aus den letzten zwölf Monaten. Der Fokus lag dabei auf den Gehaltsdifferenzen zwischen Frauen und Männern in Deutschland. Außerdem wurden Faktoren wie Position, Branche, Ausbildung und Beruf berücksichtigt. Die Gehaltsinformationen werden als Mediangehälter in brutto ausgewiesen und basieren auf einer 40-Stunden-Arbeitswoche.

So lesen Sie die Daten

Der Median beschreibt die Mitte aller Daten: 50 Prozent liegen über dem Wert, 50 Prozent darunter. Der Median ist daher genauer als der Durchschnittswert, der durch Ausreißer verzerrt werden kann.

Unbereinigter Gender-Pay-Gap
Bei der Berechnung der unbereinigten Entgeltlücke werden viele gehaltsrelevante Parameter wie Berufserfahrung und Bildungshintergrund vermischt. Der unbereinigte Wert vergleicht die männlichen und weiblichen Beschäftigten lediglich in ihrer Gesamtheit miteinander. Er ist als Differenz des Jahresgehaltes zwischen Männern und Frauen im Verhältnis zum Gehalt der Männer zu verstehen.

Bereinigter Gender-Pay-Gap
Dieser wird durch den Vergleich zweier geschlechterspezifischer Lohn-Regressionen ermittelt. Mittels der sogenannten Oaxaca-Blinder-Zerlegung wird der Teil der Lücke ermittelt, der nicht auf beobachtete Einflussfaktoren zurückzuführen ist – wie zum Beispiel Branche, Beruf oder Ausbildung. Es handelt sich bei der bereinigten Entgeltlücke also um eine unerklärbare Differenz, die höchstwahrscheinlich auf das Geschlecht zurückzuführen ist.

Über die Kampagne #ohmy_gap

Die finanz-heldinnen, eine Initiative der comdirect, und das Unternehmen Gehalt.de schaffen gemeinsam Aufmerksamkeit für das Thema „Equal Pay“ in Deutschland. Verlängert wird die Kampagne unter dem Motto #ohmy_gap über reichweitenstarke Multiplikator*innen aus Politik, Gesellschaft und besonders betroffenen Berufen & Branchen.

Alle Informationen, Möglichkeiten der eigenen Gehaltsanalyse sowie praktische Tipps zur Schließung der eigenen Rentenlücke gibt es unter: www.finanz-heldinnen.de/ohmygap

 

Über die finanz-heldinnen

Die Initiative finanz-heldinnen wurde im Januar 2018 von Mitarbeiterinnen der comdirect ins Leben gerufen. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, speziell Frauen für Finanzen zu begeistern, und sie mit vielfältigen Wissensformaten auf dem Weg in ihre finanzielle Zukunft zu begleiten.  

Auf ihrer Webseite (www.finanz-heldinnen.de) bietet die Initiative ein breites Informationsangebot. Darüber hinaus sollen Veranstaltungen oder die kostenlose Lern-App ‚finanzcoach‘ Frauen unterstützen, selbst Finanzentscheidungen treffen zu können. Für ihr Engagement erhielt die Initiative  den Internationalen Deutschen PR-Preis in der Kategorie Nachhaltigkeit – Verantwortung – CSR.
 

Weitere Informationen: www.finanz-heldinnen.de

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