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So viel Urlaub erhalten deutsche Beschäftigte 2017

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
23.05.2017
©GEHALT.de

Die zahlreichen Feiertage im Frühjahr bieten sich förmlich dafür an, den einen oder anderen Brückentag zu nehmen und das Wochenende zu verlängern. Bei vielen klopft zum Sommer auch der Jahresurlaub an, aber über wie viel Urlaub verfügen Beschäftigte in Deutschland eigentlich? Wer kann mehrmals im Jahr den Kopf frei machen? In welchen Branchen gibt es Arbeitnehmer, die nur über den Mindestanspruch an Urlaubstagen verfügen?

Unsere Kollegen von Compensation Partner haben anhand von 220.544 Arbeitsverhältnissen ermittelt, über wie viele Urlaubstage Fach- und Führungskräfte in Deutschland verfügen. Die Ergebnisse haben wir für Sie zusammengefasst.

Urlaubstage allgemeine Verteilung

Die Mehrheit (rund 53 Prozent) der deutschen Beschäftigten verfügt über 30 Urlaubstage im Jahr. Auf noch mehr freie Tage im Jahr kommen nur weniger als vier Prozent. Gleitzeittage sind nicht mit berechnet.

24 oder weniger freie Tage erhalten 16 Prozent der Fach- und Führungskräfte in Deutschland. Die Auswertung zeigt weiterhin, 8 Prozent der Beschäftigten erhalten 25 Urlaubstage, weitere 8 Prozent verfügen über 28 Tage.

Anteil der Branchen mit 30 Urlaubstagen

Obwohl mehr als die Hälfte der Beschäftigten 30 Urlaubstage im Jahr hat, zeigt die Auswertung ganz deutlich, welche Branchen hier am meisten vertreten sind. Freuen können sich vor allem Arbeitnehmer aus dem Bankenwesen, der Autoindustrie, dem Maschinenbau, der Chemiebranche sowie der Halbleitertechnik. Hier verfügen jeweils über 80 Prozent der Beschäftigten über 30 Urlaubstage.

Dass vor allem Fach- und Führungskräfte der kapitalstarken Branchen auch die meisten Urlaubstage im Vertrag stehen haben, ist kein Zufall. Insbesondere große Konzerne und Industrien sind über tarifliche Regelungen dazu verpflichtet, den Arbeitnehmern einen angemessenen Teil an Urlaub zu gewähren. Viele Beschäftigte aus tarifgebundenen Unternehmen haben außerdem die Möglichkeit, geleistete Mehrarbeit in Geld oder Freizeit ausgleichen zu lassen und können damit ihr Urlaubskonto auffüllen.

Die Mehrarbeit und die geleisteten Überstunden haben wir vor einiger Zeit in unserem Arbeitszeitmonitor 2017 untersucht.

Top-Branchen

Unabhängig davon, in welchen Branchen Beschäftigte mit 30 Urlaubstagen im Jahr rechnen können, hat Compensation Partner die Top-Branchen ermittelt. Also die Branchen, in denen Arbeitnehmer im Durchschnitt vergleichsweise den meisten Urlaub erhalten. In der Spitze liegen

  • die Autoindustrie,
  • das Bankenwesen,
  • die Halbleiterindustrie,
  • der Maschinenbau
  • sowie die Chemiebranche.

Im Schnitt können Fach- und Führungskräfte dieser Branchen an 29 Tagen im Jahr bezahlten Urlaub machen.

Flop-Branchen

Im Gegensatz dazu befinden sich die Flop-Branchen – die Wirtschaftszweige, in denen Beschäftigte durchschnittlich den geringsten Urlaubsanspruch haben. Den ersten Platz belegen die Rechtsberatung und das Call Center (25 Urlaubstage). Es folgen

  • das Gesundheitswesen
  • das Hotel- und Gaststättengewerbe
  • sowie Steuerberatungen

mit durchschnittlich jeweils 26 Tagen.

Eine geringe Gehaltsstruktur und nur ein geringer Urlaubsanspruch sind typisch für das Dienstleistungsgewerbe, dem viele der aufgeführten Flop-Branchen zugehören. Grund dafür ist einerseits das geringe Kapital, über das die Unternehmen der Wirtschaftszweige verfügen. Es fehlen andererseits jedoch auch starke Gewerkschaften, die sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen können.

Aus diesem Grund sind vor allem auch diese Branchen in der Auswertung vertreten, in der die Verteilung von 24 Urlaubstagen beleuchtet wird.

Fast jeder Vierte aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe verfügt lediglich über 24 Urlaubstage, im Call Center und in der Zeitarbeit ist es jeder Fünfte. 16 Prozent der Beschäftigten im e-Commerce und 15 Prozent der Beschäftigten in der Werbebranche erhalten ebenfalls nur 24 Tage.

Wer alt ist, hat mehr Urlaub?

Unsere Kollegen von Compensation Partner sind außerdem der Frage nachgegangen, ob eine Korrelation zwischen dem Lebensalter und dem Urlaubsanspruch besteht. Das Ergebnis lautet klar: nein. Sowohl junge als auch ältere Beschäftigte verfügen im Schnitt über 27 freie Tage.

Oftmals möchten ältere Beschäftigte allerdings kürzer treten, um sich mehr Erholung zu verschaffen. Statt mehr Urlaubstagen kann das in der Praxis so aussehen, dass sie ihre Stundenanzahl von beispielsweise 40 auf 30 Stunden pro Woche reduzieren.

Bestimmt die Gehaltshöhe die Anzahl der Urlaubstage?

Wenn ein Arbeitnehmer ein höheres Einkommen erhält, hat er mehr finanzielle Möglichkeiten, um in den Urlaub zu fahren, aber hat er auch mehr Zeit?

Ja, im Schnitt erhalten Beschäftigte mit einem höheren Gehalt auch mehr Urlaubstage. Dies hängt damit zusammen, dass mit dem Alter auch die Berufserfahrung steigt. Ältere Beschäftigte haben bereits mehrere Gehaltsgespräche geführt und sind bei der Verhandlung um Gehalt und Urlaubstage häufig geübter.

Der Regionenvergleich

Die Auswertung zeigt, in Baden-Württemberg gibt es die durchschnittlich meisten Urlaubstage (28 Tage), in Berlin und im Raum Jena die wenigsten (27 Tage).

Insbesondere mit Blick auf die gesetzlichen Feiertage entsteht hier ein etwas größeres Ungleichgewicht. Während es im Bundesland Baden-Württemberg elf gesetzliche Feiertage sind, haben Berliner nur neun.

Die Ansässigkeit großer Industrieunternehmen und den damit einhergehenden tariflichen Bedingungen im Süden Deutschlands ermöglicht Beschäftigten einen höheren Urlaubsanspruch. Im Raum Berlin finden sich zahlreiche Werbeagenturen und Unternehmen aus dem Hotel- und Gastronomiegewerbe mit wenigen Urlaubstagen, was sich in der regionalen Analyse bemerkbar macht.

Gut zu wissen:

Wie viel Urlaub steht mir eigentlich zu?

Über das Bundesurlaubsgesetz sind die Mindestanforderungen an den Urlaubsanspruch für Beschäftigte geregelt. Generell hat jeder ein Recht auf Urlaub – auch Bacheloranden/Masteranden, Werkstudenten oder Praktikanten. Der Anspruch variiert je nach Wochenstunden.

Bei einer Fünf-Tage-Woche haben Beschäftigte einen Urlaubsanspruch von 20 freien Tagen, bei einer Sechs-Tage-Woche steigt der Anspruch auf 24 Urlaubstage. Auch wenn es weit verbreitet ist, dass der Urlaubsanspruch bei mindestens 24 Tagen liegt – für die meisten Arbeitnehmer/-innen gilt eine Fünf-Tage-Woche, sodass für sie der gesetzliche Mindestanspruch von 20 Tagen greift.

Wie steht es um Resturlaub?

Theoretisch können Beschäftigte ihre übrig gebliebenen Urlaubstage mit in das nächste Kalenderjahr nehmen. Dies erfolgt jedoch immer auch in Rücksprache mit dem Arbeitgeber. In der Regel müssen Arbeitnehmer den Resturlaub aber bis Ende März des nächsten Jahres nehmen.

Kann ich mehr Urlaub erhalten?

Es gibt die Möglichkeit unbezahlten Urlaub zu erhalten. Ein genereller Anspruch hierauf besteht allerdings nicht und ist auch nur in Sonderfällen möglich. Ausnahmen gibt es für die

  • Betreuung kranker Kinder,
  • Betreuung kranker Familienangehöriger,
  • weitere Sonderregelungen, die im Vertrag festgehalten werden müssen.

Beschäftigte müssen unbezahlten Urlaub schriftlich beantragen und nehmen damit in Kauf, auf einen Teil ihres monatlichen Einkommens zu verzichten. Der Kündigungsschutz bleibt bestehen, jedoch können Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekürzt werden. Die Länge des unbezahlten Urlaubes hängt von der Begründung ab. Sechs Monate sind beispielsweise für die Pflege von Angehörigen nach einer schweren Erkrankung eines Familienmitgliedes angesetzt.

Einige Arbeitgeber ermöglichen übrigens auch den Kauf von Urlaubstagen. Dies ist jedoch Verhandlungssache und wird nicht von jedem Arbeitgeber gestattet. Die Verrechnung findet in der Regel mit einem Abzug vom Gehalt statt.

 

Weiterführende Informationen

Überstunden in Deutschland – der Arbeitszeitmonitor 2017

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