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Familienfreundliche Arbeitsmodelle: So können Eltern Beruf & Familie vereinbaren

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Kategorie: Berufe & Gehälter
30.01.2014
Eine junge Familie geht im Sonnenuntergang spazieren.

Dieser Text wurde im Februar 2021 umfangreich überarbeitet und aktualisert.

Ein Kind zu bekommen bedeutet in vielen Fällen auch eine Veränderung des Berufslebens. Viele werdende Eltern stellen sich bereits vor der Geburt ihres Kindes die Frage, wie sie nach der Elternzeit ihre berufliche Zukunft gestalten können, um weiterhin ausreichend Zeit mit ihrem Kind zu verbringen.

Nach dem traditionellen Rollenbild blieb üblicherweise die Mutter einige Jahre nach der Geburt des Kindes zu Hause, während der Vater weiterhin in vollem Umfang seinem Beruf nachgehen konnte. Ein möglicher Wiedereinstieg der Mutter ins Berufsleben war oft schwierig und ging häufig zwangsläufig mit einer Teilzeitbeschäftigung einher.

Heute ist diese traditionelle Rollenverteilung zwar nach wie vor weit verbreitet, jedoch nicht mehr die Norm. Mehr und mehr Väter entscheiden sich dafür, Elternzeit in Anspruch zu nehmen und nach dem Ende der Elternzeit einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen.

Egal ob Mutter oder Vater – in der Realität ist es häufig schwierig, in einem anspruchsvollen Job in Teilzeit arbeiten zu können, speziell, wenn die Karriere möglichst wenig leiden soll. Vor allem alleinerziehende Elternteile haben in vielen Fällen Schwierigkeiten damit, einen für sie passenden Job zu finden, bei dem sie Zeit für die Kinderbetreuung haben und trotzdem ausreichend Geld verdienen.

Grundsätzlich sollte heute die Art des Berufs bei der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit keine Rolle mehr spielen. Familienfreundliche Arbeitsmodelle sind prinzipiell in jedem Beruf möglich. Wie gut Arbeitsleben und Familie tatsächlich miteinander vereinbar sind, hängt in der Praxis häufig vom Arbeitgeber, von einzelnen Vorgesetzten und der im Betrieb vorherrschenden Unternehmenskultur ab. Noch immer gibt es zahlreiche Arbeitgeber, die ihren Angestellten in puncto Familie kaum entgegenkommen, wohingegen andere sich vorbildlich zeigen und den Beschäftigten unterschiedlichste Modelle und Möglichkeiten bieten, das Familienleben mit mehr Freiheit und Flexibilität anzugehen.

Im Folgenden zeigen wir, welche Arbeitsmodelle es am besten ermöglichen, Beruf und Familie zu vereinbaren, aber auch, in welchen Branchen und Berufen Teilzeitarbeit bereits seit einiger Zeit Standard ist.

Elternzeit, Teilzeit und Erziehung – nicht nur Sache der Mutter

Bis vor einigen Jahren wurde Elternzeit noch hauptsächlich von Müttern in Anspruch genommen, heute machen auch immer mehr Väter von diesem Recht Gebrauch, um sich in den ersten Lebensmonaten oder Lebensjahren ihres Kindes besser in die Betreuung und Erziehung einbringen zu können.* Genau wie Mütter haben auch Väter das Recht auf bis zu drei Jahre Elternzeit. Auch die Frage, wie das Berufsleben nach Ende der Elternzeit weitergeht, spielt somit sowohl für Mütter als auch für Väter eine Rolle.

Daher muss auch Teilzeitarbeit im Zusammenhang mit Kindern heutzutage nicht mehr zwangsläufig bedeuten, dass die Mutter einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht. Auch für Väter ist dies eine realistische Option, um weiterhin genug Zeit für die Betreuung des Kindes zu haben. Wie genau Teilzeit als Konzept zu verstehen ist, zeigen wir im Folgenden.

Teilzeit als Einstiegsmöglichkeit nach der Elternzeit – die rechtliche Situation

Eine Teilzeitbeschäftigung ist dadurch definiert, dass die Arbeitszeit kürzer ist als die vergleichbarer Arbeitnehmer*innen in Vollzeit, eine genaue Stundenanzahl ist dabei nicht festgelegt. Daher ist eine Teilzeitbeschäftigung eine beliebte Möglichkeit für Mütter und Väter, um neben der Arbeit ausreichend Zeit für das Familienleben zu haben. Beispielsweise ist es möglich, nur vormittags zu arbeiten und anschließend Zeit für die Kinderbetreuung zu haben. Die Arbeitszeiten können dann zum Beispiel optimal auf die Arbeitszeiten des anderen Elternteils oder auf die Betreuungszeiten in der Kita abgestimmt werden.

Doch nicht jede*r Arbeitgeber*in ermöglicht seinen Mitarbeiter*innen eine Teilzeitbeschäftigung. Rechtlich gesehen haben Arbeitnehmer*innen nach dem Ende der Elternzeit einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung bei ihrem vorherigen Arbeitgeber. Auch das Recht auf eine Teilzeitbeschäftigung nach der Elternzeit besteht, allerdings müssen hierfür einige Voraussetzungen erfüllt sein: Das Arbeitsverhältnis muss seit mehr als sechs Monaten bestehen und die Probezeit muss bereits beendet sein. Auch muss das Unternehmen mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen und der Antrag auf eine Teilzeitbeschäftigung spätestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn eingereicht werden. Außerdem dürfen keine betrieblichen Gründe gegen eine Reduzierung der Arbeitsstunden sprechen.

Ist eine derartige Teilzeitbeschäftigung beim eigenen Arbeitgeber nicht möglich, stellen unter Umständen die folgenden familienfreundlichen Arbeitsmodelle eine Möglichkeit für Eltern dar.

Familienfreundliche Arbeitsmodelle

Neben einer ‚klassischen‘ Teilzeitbeschäftigung bieten sich die folgenden Arbeitsmodelle für Eltern an, die neben dem Beruf nicht auf ausreichend Zeit für die Familie verzichten möchten. Diese Modelle werden nicht flächendeckend angeboten, doch eine zunehmende Anzahl von Arbeitgebern, denen die Zufriedenheit und Work-Life-Balance ihrer Beschäftigten ein Anliegen ist, ist solchen Ideen gegenüber offen.

Vollzeitnahe Teilzeit

Beim Konzept der Vollzeitnahen Teilzeit liegt die Wochenarbeitszeit bei 30 Stunden oder mehr. Arbeitnehmer*innen können ihre Arbeitsstunden wie bei einer Teilzeitbeschäftigung flexibel gestalten, doch da ihre Stundenanzahl nah an der eines Vollzeitjobs liegt, verzichten sie nicht auf einen allzu großen Teil des Vollzeitgehalts.

Flexible Vollzeit

Flexible Vollzeit definiert die Arbeitszeit in einem Rahmen von 30 bis 40 Wochenstunden, wobei die Arbeitnehmer*innen in Absprache mit dem Arbeitgeber entscheiden, wie viele Stunden sie arbeiten. Mit ausreichend früher Ankündigung können sie ihre Arbeitsstunden nach Möglichkeit flexibel erhöhen oder verringern. Arbeitnehmer*innen mit Kindern können also in den ersten Lebensjahren ihres Kindes weniger arbeiten und ihre Wochenstunden beispielsweise erhöhen, wenn das Kind in den Kindergarten oder in die Schule kommt.

Familienarbeitszeit

Beim Modell der Familienarbeitszeit arbeiten Mütter und Väter jüngerer Kinder jeweils 80 bis 90 Prozent der Arbeitsstunden einer Vollzeitstelle (28 bis 36 Wochenstunden) und erhalten vom Staat eine bestimmte Summe Geld als Lohnersatzleistung. Auf diese Weise können sich beide Elternteile gleichermaßen an Haushalt und Kinderbetreuung beteiligen.

Jobsharing

Jobsharing bezeichnet ein Modell, bei dem sich zwei Mitarbeiter*innen einen Vollzeitjob teilen. Sie arbeiten eng als Team zusammen und stimmen ihre Aufgaben und Arbeitszeiten individuell miteinander ab. So können Eltern neben dem Beruf genug Zeit für ihre Kinder einräumen.

Homeoffice

Homeoffice ermöglicht Arbeitnehmer*innen die Arbeit von Zuhause aus. Eltern sind somit während der Arbeit in der Nähe ihrer Kinder, sparen die Zeit für den Arbeitsweg und können ihre Arbeitszeiten häufig flexibel an die Betreuungszeiten der Kita oder Termine bei Ärzt*innen etc. anpassen. Allerdings ist Homeoffice nicht in jedem Fall ein optimales Arbeitsmodell für Mitarbeiter*innen mit Kindern. Sind die Kinder zu Hause, besteht die Gefahr, mit der Konzentration ständig zwischen Kindern und Arbeit wechseln zu müssen und somit am Ende weder dem eigenen Nachwuchs noch dem Arbeitgeber gerecht werden zu können.

Freiberufliche Arbeit

Freie Mitarbeiter*innen bzw. Freelancer*innen führen Arbeitsaufträge aus, ohne festangestellte Arbeitnehmer*innen des Auftraggebers bzw. der Auftraggeberin zu sein. Im Gegensatz zur Unternehmensgründung erfordert die Arbeit als Freelancer*in kein Eigenkapital und ist mit weniger Risiken verbunden. Außerdem bietet die Tätigkeit als Freelancer*in Eltern Freiheit und Flexibilität, denn durch die Wahl der Aufträge können sie weitestgehend über ihre Arbeitszeiten entscheiden. Allerdings ist freiberufliche Arbeit nicht mit einem gleichbleibenden monatlichen Einkommen verbunden, stattdessen hängt das Gehalt von den erfüllten Aufträgen ab.

Doch obwohl es längst in jedem Beruf üblich sein sollte, kommt nicht jeder Arbeitgeber seinen Angestellten mit diesen oder ähnlichen Modellen entgegen und in einigen Berufen ist dies üblicher als in anderen. In welchen Berufen häufig familienfreundliche Arbeitsmodelle angeboten werden, fassen wir im Folgenden zusammen.

Berufe mit hohem Anteil an Teilzeitkräften

Teilzeitbeschäftigungen sind üblicherweise unter anderem vor allem in folgenden Berufen verbreitet:


Doch nicht für jede Person, die in Teilzeit arbeiten möchte, passen diese Berufe – besonders dann nicht, wenn zuvor viel Zeit in eine ganz andere Ausbildung gesteckt wurde sowie auf Arbeitserfahrung in anderen Jobs und Bereichen zurückgegriffen werden kann. Viele Mütter und Väter wünschen sich, in dem Bereich, in dem sie vor der Geburt ihres Kindes tätig waren, in Teilzeit weiterzuarbeiten – Berufe und Arbeitsbereiche wie die oben genannten, in denen heute Teilzeit bereits weit verbreitet ist, könnten hier eine Vorbildfunktion in puncto Familienfreundlichkeit einnehmen.

Neben der inhaltlichen Komponente ist auch der finanzielle Aspekt bei vielen Teilzeitberufen ein Problem; in Bereichen mit einer hohen Teilzeitdichte ist das Gehaltsniveau oftmals unterdurchschnittlich. Nachvollziehbar dürfte sein, dass eine Teilzeitkraft in Relation zu einer Vollzeitkraft mit vergleichbarer Qualifikation und vergleichbaren Aufgaben absolut ein geringeres Einkommen bezieht; dies bildet schließlich das Verhältnis von gearbeiteten Stunden zu Vergütung ab. Wenn Teilzeitkräfte jedoch grundsätzlich niedriger eingestuft werden, eben weil sie in Teilzeit arbeiten, fehlt vielen das Verständnis. Wie eine Vergeudung von Wissen und Können erscheint zudem, wenn Mütter und Väter quasi zwangsläufig in weniger zu ihrer Qualifikation passenden Berufen landen, weil nur dort eine ausreichend flexible Teilzeitbeschäftigung möglich ist.

Eine Alternative könnte für einen Teil der Mütter und Väter eine freiberufliche Tätigkeit sein. Diese ermöglicht in der Regel eine Beschäftigung im bisherigen Arbeitsbereich und ist üblicherweise mit einer höheren Bezahlung verbunden als Berufe für Quereinsteiger*innen, die kaum Qualifikationen erfordern. Auf diese Weise können Mütter und Väter ohne eine Festanstellung weiterhin Berufserfahrung in ihrem bisherigen Arbeitsbereich sammeln. Auch ein späterer Wiedereinstieg in einen festen Vollzeitjob im jeweiligen Bereich ist auf diese Weise einfacher. Die Arbeit als Freelancer*in ist vor allem in folgenden Berufen verbreitet:


Abschreckend ist bei freiberuflichen Tätigkeiten häufig der Faktor Sicherheit – speziell für Eltern, die eben nicht nur für sich selbst Verantwortung tragen. Hier gilt es, jede Situation individuell zu betrachten: Wie gut ist das eigene Netzwerk, wie groß die Konkurrenz am Arbeitsmarkt, wie gut die Auftragslage? Erst dann kann final beurteilt werden, wie groß das Wagnis Freiberuflichkeit ist und ob es für das eigene Arbeitsleben und die familiäre Situation eine Option darstellt.

Die Arbeit im Homeoffice ist gerade im vergangenen Jahr 2020 im Zuge der Corona-Pandemie üblich geworden und zahlreiche Unternehmen freunden sich mehr und mehr mit diesem Arbeitsmodell an. Aller Voraussicht nach wird Homeoffice auch in Zukunft bei vielen Arbeitgebern und in vielen Berufen eine größere Rolle spielen als zuvor. Wenn dann dauerhaft Kitas und Schulen wieder geöffnet sind und somit die Trennung von Arbeitszeit und Betreuungszeit wieder einfacher wird, dürfte ein Zuwachs an Arbeit im Homeoffice auch ein Zuwachs an Flexibilität für viele Eltern bedeuten.

Fazit: Verbesserungspotenziale seitens der Arbeitgeber

In der Theorie gibt es verschiedene familienfreundliche Arbeitsmodelle, die Arbeitnehmer*innen mit Kindern ermöglichen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, diese werden allerdings bei weitem nicht von allen Arbeitgebern angeboten. Typische Berufe, in denen Arbeitsmodelle wie Teilzeit verbreitet sind, werden häufig schlecht bezahlt und entsprechen oftmals nicht den Qualifikationen der Mütter und Väter, werden also einem großen Teil der Eltern nicht gerecht.

Zahlreiche Studien der vergangenen Jahre zeigen, dass die Bedeutung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Arbeitnehmer*innen immer wichtiger wird. Auch für Väter, deren Blick auf diesen Faktor in der Vergangenheit häufig weniger Beachtung fand, spielt Familienfreundlichkeit eine zunehmend große Rolle. Durch diese gesellschaftlichen Entwicklungen sind auch Arbeitgeber gefordert, die eigenen Einstellungen und Angebote in diesem Bereich zu verändern. Unterschiedlichste Arbeitsmodelle für unterschiedlichste Anforderungen werden zukünftig in mehr und mehr Unternehmen zum Standard gehören und die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitsleben wird perspektivisch wohl keine Frage des Berufs mehr sein.

Unternehmen, die Anforderungen und Bedürfnissen von Eltern nicht ausreichend Beachtung schenken oder sie gar ignorieren, werden dauerhaft darunter leiden – nicht nur, weil eine solche Haltung gesellschaftlichen Entwicklungen entgegensteht und dem Betriebsklima schadet. In Zeiten des Fachkräftemangels kann es sich schlichtweg kein Unternehmen mehr leisten, dauerhaft auf gut ausgebildete Eltern zu verzichten. Denn diese wären mangels passender Arbeitsmodelle gezwungen, sich anderweitig umzuschauen – und die Zahl potenzieller Arbeitgeber, die den Anforderungen an einen familienfreundlichen Arbeitsplatz gerecht werden, wird weiter steigen.

Quellen:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Elternzeit.de

Focus Online

Heimarbeit.de

Karrierebibel.de

Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

Superheldin.io

Workredesigned.com

 

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