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Arbeitszeugnis-Geheimcode

Arbeitszeugnis-Geheimcode - Superlative kennt jeder. Ein Wort, das sich nicht weiter steigern lässt. Fakt ist aber: Wer schon mal einen Stapel Arbeitszeugnisse durchgelesen hat, zweifelt keine Sekunde mehr daran: Es gibt ihn wirklich, den Hyperlativ! Die Steigerung des (eigentlich) nicht mehr steigerbaren, denn die Zeugnissprache strotzt nur so von aufgesetzten Hyperlativen. Woher kommt das?

Nun, der Gesetzgeber gibt eine klare Linie vor: Wahrheitsgetreu und wohlwollend sei das Arbeitszeugnis! Im Arbeitsverhältnis passiert regelmäßig Lobenswertes, aber auch weniger Schönes. Damit der Wahrheitsgrundsatz gewahrt bleibt, muss beides rein! Einerseits den wohlwollenden Ansatz wahren, aber dabei die Wahrheit nicht auf der Strecke lassen. Die Lösung ist einfach und banal zugleich: den Maßstab nach oben schrauben! Genau deswegen wirkt die Sprache eines Arbeitszeugnisses so blumig und gestelzt, genau deswegen ranken sich alle möglichen Mythen um den ihr innewohnenden Arbeitszeugnis-Geheimcode. Dabei sind es nur eine Handvoll Formulierungstechniken, die uns eine Codesprache vorgaukeln. Damit eine Positivskala auch Negatives abbilden kann, wird sie eben so lange ins Positive verschoben, bis der linke Anschlag noch knapp über der Null liegt. Das ist die Grundlage.

Somit hat ein ausgezeichneter Mitarbeiter seine Aufgaben „immer zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ausgeführt. Das ist Note eins! Nach unten geht es durch Weglassung von „immer“, dann durch Abschwächung von der „vollsten“ zur „vollen“ und schließlich nur noch „zu unserer Zufriedenheit“ – das ist dann zwar eher Note vier minus, aber immer noch „wohlwollend“, oder? Beliebt ist auch die nachträgliche Abschwächung: „mit Fleiß und Eifer erledigte er seine Arbeit im vertrauten Aufgabenfeld“ – bedeutet übersetzt: Sobald die Anforderungen stiegen, war er restlos überfordert. Ein weiterer Code ist die doppelte Verneinung.

Auf den reinen Wortsinn reduziert klingt „eine Leistung außerhalb nennenswerter Kritik“ nicht gleich unterdurchschnittlich, in einem Arbeitszeugnis bedeutet es jedoch genau dies! Dann gibt es noch Sachverhalte, die in einem Arbeitszeugnis normalerweise immer erwähnt werden sollten, z. B. Arbeitserfolge und Führungsqualitäten. Wenn sie dann plötzlich ungenannt bleiben … tja, „beredtes Schweigen“ geschieht hier niemals ohne Absicht und bedeutet ebenfalls nichts Gutes. Zum Code zählt auch die Passivierung von Eigenschaften, die eigentlich in der Initiative des Beurteilten lägen: „einem ihm von Untergebenen angetragenen Gespräch ging er nie aus dem Weg“ – eindeutig mangelnde Führungsqualitäten!

Die Kraft der Übertreibung kann aber auch umgekehrt wirken, sobald die Betonung auf unwichtigen Details liegt: vordergründiges Lob, „immer ein offenes Ohr“ für kompetenzferne Sachverhalte zu haben bedeutet schlicht Desinteresse am eigentlichen Aufgabenbereich. Ein weiterer beliebter „Code“ in der Zeugnissprache ist das Einflechten von Widersprüchen: „Er verfolgte seine beruflichen Ziele stets mit großem Eifer und kompromissloser Hingabe“ und an anderer Stelle „Seine Arbeitszeit hielt er stets pünktlich ein“ – hoppla, aber auf keinen Fall ging er zu spät nach Hause, steht da jedenfalls zwischen den Zeilen. Genau hier liest der Personalchef, wenn er ein Arbeitszeugnis vor sich hat. Aber auch nicht zu tief, denn ernsthaft: „echte“ Geheimcodes wären in Arbeitszeugnissen nur eines – nämlich gesetzeswidrig! Deshalb ist ist es gut zu wissen, dass es Arbeitszeugnis-Geheimcodes gibt.

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