Karriere - Ratgeber und Lexikon

Gibt es Mindestlohn für Auszubildende und Praktikanten?

Ab dem 1. Januar 2015 haben grundsätzlich alle in Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen einen Anspruch auf Mindestlohn von 8,50 Euro brutto die Stunde. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel. Einige Gruppen fallen ganz raus und bis zum 31. Dezember 2016 läuft eine Übergangsfrist. Erst dann muss der volle Mindestlohn gezahlt werden.

Erhalten Praktikanten einen Mindestlohn?

Flächendeckender Mindestlohn, das hört sich so an, als werden alle Beschäftigten gleich behandelt. Der Mindestlohn wird zwar in den meisten Branchen gezahlt, für Praktikanten gelten allerdings Sonderregeln, was zur Folge hat, dass nicht alle Praktikanten einen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde erhalten.

Zu den Ausnahmen vom Mindestlohn gehören:

➤ Pflichtpraktika, die im Rahmen von Studium, Ausbildung und Schule durchgeführt werden

➤ Freiwillige Praktika bis zu drei Monaten, begleitend zur Ausbildung und Studium

➤ Freiwillige Praktika über eine Zeitraum von drei Monaten, welche der Orientierung bei der Studien- und Berufswahl gelten

➤ Praktika, die während eines dualen Studiums, bei ausbildungsintegrierten Studiengängen, und bei praxisintegrierten Studiengängen verpflichtend sind

Vom Mindestlohn ausgenommen sind generell alle unter 18 Jährigen, die noch keinen Berufsabschluss haben. Hierdurch soll verhindert werden, dass wegen einer gut bezahlten Praktikumsstelle auf eine Ausbildung verzichtet wird.

Trotz der Ausnahmen profitieren viele Praktikanten von dem gesetzlichen Mindestlohn. Hierzu gehören:

➤ Ein Praktikum außerhalb einer Ausbildung oder eines Studiums mit abgeschlossener Berufsausbildung oder einem Studienabschluss

➤ freiwillige Praktika, die begleitend zum Studium oder Ausbildung absolivert werden und länger als drei Monate dauern

➤ freiwillige Praktika, welche der Orientierung bei der Studien- und Berufswahl dienen und länger als drei Monate dauern

Hier stellt sich die Fragen, ob die Unternehmen sich die gleiche Anzahl von Praktikanten leisten können, wenn sie auf einmal 8,50 Euro die Stunde zahlen müssen. Es ist davon auszugehen, dass manche Unternehmen von dem Mindestlohn mehr betroffen sind, als andere. Große Konzerne haben in der Regel weniger Probleme, als kleine- und mittelständische Unternehmen. Für ein kleines Unternehmen ist es schon ein großer Unterschied, wenn ein Praktikant pro Monat 1.380 Euro anstatt 450 Euro verdient. Kulturelle Einrichtungen werden oft aus Fördermitteln und Spenden finanziert und haben daher weniger finanzielle Mittel, sodass auch hier der Mindestlohn zu Schwierigkeiten führen kann.

Wurden schon Praktikanten entlassen?

Es sind schon einige Fälle bekannt geworden, bei denen Unternehmen ihre Praktikanten nicht mehr bezahlen konnten und sie daher entlassen mussten. Vielleicht ist das aber auch eine etwas vorschnelle Reaktion auf den Mindestlohn. Der Mindestlohn muss nur gezahlt werden, wenn das Praktikum länger als drei Monate durchgeführt wird, sodass viele Unternehmen ihre Praktikanten nun auch nicht länger beschäftigen. So können sie den Mindestlohn umgehen und müssen keine 8,50 Euro zahlen. Einige Unternehmen reduzieren auch die Anzahl der Praktikumsstellen, da sie die erhöhten Kosten nicht tragen können oder wollen. Das hat allerdings auch den Nachteil, dass die Unternehmen weniger Nachwuchskräfte akquirieren und ans Unternehmen binden.

Qualitätsrahmen für Praktika

Zusätzlich legt das Gesetz zum ersten Mal einen Qualitätsrahmen für Praktika fest, in dem geregelt ist, das Praktikanten einen Vertrag erhalten, in dem die Ziele des Praktikums klar definiert sind. Außerdem haben Praktikanten nach dem neuen Gesetzt einen Anspruch auf ein Zeugnis.

Auszubildende erhalten keinen Mindestlohn

Das Mindestlohngesetz gilt nicht für Auszubildende, da der Zweck der Ausbildung nicht das Geldverdienen, sondern dem Erlernen eines Berufs gilt. Die Höhe der Vergütung für eine Ausbildung kann frei von dem Ausbilder und dem Auszubildenden bestimmt werden, es gibt allerdings Empfehlungen von der Berufskammer.

Weiterführende Infos zum Thema:

Welche Berufe profitieren vom neuen Mindestlohngesetz?

Wie Arbeitgeber beim Mindestlohn tricksen

Welche Branchen sind vom Mindestlohn betroffen?

Wie wird kontrolliert, dass die Unternehmen wirklich den Mindestlohn zahlen?

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