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Was spricht gegen Mindestlohn?

Nach eine langem Hin und Her ist in Deutschland seit dem 01. Januar 2015 der Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt worden. Durch das gesetzliche Mindestlohngesetz möchte die Bundesregierung verhindern, dass Beschäftigte mit einer Vollzeit-Arbeitsstelle nicht von ihrem Gehalt leben können. Bei einer 38-Stunden-Woche und einem Mindestlohn von 8,50 Euro erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Gehalt von ca. 1.400 Euro pro Monat. Das Mindestlohngesetz soll verhindern, dass Menschen trotz Vollzeitbeschäftigung ihre Lebenshaltungskosten, wie zum Beispiel Strom, Miete, Versicherungen und Kleidung nicht mehr decken können. Es gibt nur eine wenige Übergangsregelungen, ansonsten sind keine Ausnahmen möglich und der Mindestlohn ist zwingend. Beschäftigte können nicht auf den Mindestlohn verzichten und sich freiwillig mit einem niedrigeren Lohn zufriedengeben. Der Mindestlohn gilt auch für Ausländer, die in Deutschland arbeiten.

Nachteile des Mindestlohn

Es ist nicht garantiert, dass der Mindestlohn wirklich die Armut bekämpft. Unter Umständen müssen Familien oder Alleinerziehende trotzdem staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Viele Menschen haben die Befürchtung, dass der Mindestlohn sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken kann, beispielsweise durch die Auslagerung ins Ausland und Entlassungen im Niedriglohn-Sektor. Aufgrund der Einschränkung der Tarifautonomie könnten die Gewerkschaften bedeutungslos werden und einige Dienstleistungen (z.B. Taxifahren und der Besuch Frisör) werden werden teurer.

Ausnahmen vom Mindestlohn

Auf Basis der allgemeingültigen Branchenmindestlöhne darf der gesetzliche Mindestlohn bis Ende 2016 unterschritten werden. Zu den Branchen, in denen weniger als 8,50 Euro gezahlt wird gehören die Leiharbeit, Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau, die Fleischverarbeitung, Textil- und Bekleidungsindustrie, Friseurhandwerk und Großwäschereien. Ab dem Jahr 2017 müssen aber auch diese Branchen den Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro zahlen, selbst wenn die Mindestlohn-Kommission die Untergrenze für den Lohn in der Zwischenzeit erhöht hat. Für die nächsten drei Jahre dürfen auch die Zeitungszusteller in einem festgelegten Rahmen einen niedrigeren Stundenlohn erhalten. Ab dem Jahr 2015 erhalten Zeitungsausträger mindestens 6,38 Euro pro Stunde kommen, ab dem Jahr 2016 auf 7,23 Euro, 2017 erhalten sie einen Mindestlohn von 8,50. Saisonarbeiter in der Landwirtschaft erhalten zwar den Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunden, allerdings können die Arbeitgeber die Kosten für deren Verpflegung und Unterkunft anrechnen.

Was gilt für Praktikanten?

Für Pflichtpraktika, die im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium absolviert werden, gibt es keinen Mindestlohn. Personen, die ein freiwilliges Praktikum machen, das nicht länger als drei Monate dauert, und der beruflichen Orientierung dient, haben keinen Anspruch auf Mindestlohn.

Gefährdet der Mindestlohn Arbeitsplätze?

Im Osten haben mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer weniger als den Mindestlohn verdient. Im Westen sind es 15 Prozent. In den letzten Jahren haben rund fünf Millionen Arbeitskräfte weniger als 8,50 Euro verdient, hierbei handelte es sich überwiegend um Minijobber, Beschäftigte ohne Ausbildung sowie Personen, die nicht in ihrem gelernten Beruf arbeiten. Der überwiegende Anteil sind Frauen, die in der Regel in Kleinstbetrieben mit weniger als vier Mitarbeitern angestellt. Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro muss jeder dritte Kleinstbetrieb seinen Beschäftigten mehr zahlen. Zum Niedriglohnsektor zählen vor allem Dienstleistungsbranchen wie das Friseurhandwerk, der Einzelhandel, Pflegebetriebe, Gaststätten, Reinigungsservice-Firmen sowie die Landwirtschaft und private Haushaltshilfen. Industrieunternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, zahlen dagegen nur selten derart niedrige Gehälter. Die betroffenen Arbeitgeber sind der Auffassung, der gesetzliche Mindestlohn würde erhebliche Lohnkostensteigerungen nach sich ziehen und Arbeitsplätze gefährden. Der Einzelhandel sieht das genauso und ist der Meinung, die Folge des Mindestlohngesetzes sind Personalabbau und Arbeitslosigkeit.

Weiterführende Infos zum Thema:

Welche Berufe profitieren vom neuen Mindestlohngesetz?

Wie Arbeitgeber beim Mindestlohn tricksen

Welche Branchen sind vom Mindestlohn betroffen?

Wie wird kontrolliert, dass die Unternehmen wirklich den Mindestlohn zahlen?

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