Karriere - Ratgeber und Lexikon

Wer profitiert vom Mindestlohn?

Der gesetzliche Mindestlohn wurde am 01.01.2015 eingeführt und kommt den Arbeitnehmern zu Gute, die bisher kaum oder gar nicht von ihrem Gehalt leben konnten. Sehr schlecht bezahlt wurden bislang Beschäftigte in der Gastronomie, Friseure, Call-Center-Mitarbeiter und Angestellte im Einzelhandel und anderen Dienstleistungsbereichen. Besonders in diesen Branchen werden Löhne gezahlt, durch welche die Existenz nicht gesichert ist. In einigen Friseursalons wurden vor einigen Jahren Stundenlöhne von 2,00 bis fünf Euro gezahlt.

Laut verschiedenen Studien gab es 2012 zwischen 5,2 und 6,6 Millionen Beschäftigte, die für einen Stundenlohn von weniger als 8,50 Euro arbeiteten. In Ostdeutschland ist der Anteil der Minijobber besonders hoch.

Profitieren Taxifahrer vom Mindestlohn?

Wenn Unternehmen höhere Löhne zahlen müssen, besteht die Gefahr, dass das für manchen Firmen zu teuer wird und Mitarbeiter entlassen werden müssen. Viele angestellte Taxifahrer beispielsweise werden nach Erfolg, den gefahrenen Kilometern und der Anzahl der beförderten Kunden bezahlt. Der gesetzliche Mindestlohn bedeutet für die Besitzer der Wagen, dass Sie unabhängig von der Leistung, 8,50 Euro pro Stunde zahlen müssen. Laut dem Taxi- und Mietwagenverband hätte das zur Folge, dass rund 200.000 Taxifahrer in Deutschland entlassen werden müssen. Hilfreich wäre in diesem Fall ein Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Taxiverband. Wenn dieser schnell abgeschlossen wird, gilt eine Übergangsfrist mit einer stufenweisen Anhebung der Gehälter bis Anfang 2017. Während dieser Zeit können die Taxiverbände mit den Kommunen höhere Fahrpreise verhandeln. Bisher ist es den Verantwortlichen des Taxi- und Mietwagenverbandes aber noch nicht gelungen, genügend Mitglieder für die Aufnahme von Tarifverhandlungen zu gewinnen.

Probleme gibt es auch bei den Zeitungsverlegern

Rund 160.000 Zeitungszusteller verteilen bundesweit Zeitschriften und Zeitungen. In der Regel werden Sie pro Stück und bezogen auf die Größe des Zustellbezirkes bezahlt. Laut dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger ist die Umstellung auf den Mindestlohn unmöglich, weil das zusätzliche Kosten in Höhe von 200 Millionen bedeuten würde. Einen Tarifvertrag abzuschließen, lehnt der Verband bisher ab. Der Mindestlohn wird bei den Zeitungszustellern bis 2017 schrittweise eingeführt, sodass die meisten Zustellern momentan noch nicht von dem Mindestlohn profitieren.

Wird der Mindestlohn auch bei Tarifverträgen gezahlt?

Aber profitieren alle Geringverdiener durch das Mindestlohngesetz? Der Mindestlohn gilt schließlich nur für die Branchen, die bis jetzt über keine tariflichen Regelungen verfügen. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass sich an den niedrigen Tariflöhnen nichts ändern wird. Die Niedriglohnschwelle in Westdeutschland lag laut den OECD-Standards bei 9,50 Euro und in Ostdeutschland bei 6,87 Euro.

Für welchen Branchen gilt der Mindestlohn?

Generell sollen alle Angestellten ab Januar 2015 einen Stundenlohn von mindestens 8,50 Euro erhalten. In Branchen, für die spezielle Tarifverträge existieren, werden bis zum Jahr 2017 Übergangslösungen eingesetzt. In den Genuss dieses Mindestlohns kommen rund vier Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Bereichen

➤ Fleischindustrie

➤ Friseurgewerbe

➤ Leiharbeit

Gebäudereiniger

➤ Wachdienste

Altenpflege

Die Textil- und Bekleidungsindustrie und die Land- und Forstwirtschaft haben Ausnahmeregelungen beantragt und auch für Zeitungszusteller ist eine stufenweise Einführung des Mindestlohns vorgesehen.

Profitiert jeder vom gesetzliche Mindestlohn?

Der Mindestlohn gilt für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Bundesrepublik über 18 Jahre – unabhängig ob der Beschäftigte für ein ausländisches oder ein deutsches Unternehmen arbeitet. Übernimmt eine Speditionsfirma in Polen Aufträge in Deutschland, erhält der polnische Arbeitnehmer den Mindestlohn. Grundlage für den Mindestlohn ist die Beschäftigung in der Bundesrepublik.

Wer profitiert nicht vom Mindestlohn?

Angestellte, die keinen Berufsabschluss haben und jünger als 18 Jahre alt sind, erhalten keinen gesetzlichen Mindestlohn und auch für Ausbildungsverträge gibt es keine Untergrenze. Für Langzeitarbeitslose hingegen existieren Sonderregelungen. Um die Chancen für ihre Einstellung zu verbessern, kann in den ersten sechs Monaten der Stundenlohn auch unterhalb des Mindestlohnes liegen. Diese Regelung betrifft in der Bundesrepublik mehr als eine Million Langzeitarbeitslose.

Weiterführende Infos zum Thema:

Welche Berufe profitieren vom neuen Mindestlohngesetz?

Wie Arbeitgeber beim Mindestlohn tricksen

Welche Branchen sind vom Mindestlohn betroffen?

Wie wird kontrolliert, dass die Unternehmen wirklich den Mindestlohn zahlen?

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