Karriere - Ratgeber und Lexikon

Wie hoch ist der gesetzliche Mindestlohn?

Erstmals gilt in Deutschland ab dem 1. Januar 2015 ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro von dem rund 3,7 Millionen Menschen profitieren. Mit dem Mindestlohngesetz wird eine angemessene Lohnuntergrenze für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gewährleistet. Sind in einzelnen Branchen aber Vereinbarungen getroffen worden, die unterhalb der 8,50 Euro liegen, können diese noch bis Ende 2016 fortbestehen.

Warum gesetzlicher Mindestlohn?

Mindestlöhne stellen sicher, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können und keine weitere Unterstützung vom Staat benötigen. Existenz sichernde Einkommen sind ein Zeichen des Respekt für getane Arbeit. Durch den Mindestlohn werden faire Wettbewerbe geschaffen, denn ein Lohndumping verschafft Unternehmen unfairen Wettbewerbsvorteile, die zulasten der eigenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führt. Das Mindestlohngesetz stoppt die Abwärtsspirale der Gehälter, unter der in erster Linie Beschäftigte mit einem Studium oder einer Ausbildung leiden.
Ein Mindestlohn fördert Gleichberechtigung, Frauen sind besonders oft von Niedriglöhnen betroffen. Mindestlöhne wirken sich positiv auf die Nachfrage aus, was wiederum einen positiven Effekt für die Konjunktur hat. In 21 von 28 EU-Staaten wird bereits ein Mindestlohn gezahlt, in Europa ist die Notwendigkeit des Mindestlohnes unumstritten - bisher hinkte Deutschland dem europäischen Standard allerdings hinterher.

Fast ein Fünftel arbeitet für weniger als 8,50 Euro

Laut einer Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation arbeiteten im Jahr 2012 ca. 6,6 Millionen Beschäftigte für einen Stundenlohn, der weniger als 8,50 Euro betrug. Der Anteil der Niedriglöhner ist in Ostdeutschland und unter Minijobbern besonders groß. Rund 1,7 Millionen Beschäftigte haben sogar einen Stundenlohn von unter fünf Euro erhalten.

Ein Mindestlohn, viele Ausnahmen

Der Mindestlohn gilt nicht für Jugendliche unter 18 Jahren. Hierdurch soll vermieden werden, dass sich junge Leute einen Job suchen anstatt eine Ausbildung zu absolvieren. Auszubildende erhalten keinen Mindestlohn. Arbeitslose, die nach mindestens zwölfmonatiger Arbeitslosigkeit eine neue Arbeitsstelle erhalten, haben in den ersten sechs Monaten ebenfalls keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Hierdurch sollen Arbeitgeber eine Anreiz erhalten, Arbeitslose einzustellen. Die Regierung wird aber noch prüfen, ob diese Ausnahme die Chancen von Langzeitarbeitslosen auch wirklich erhöht. Pflichtpraktika und freiwillige Praktika von bis zu drei Monaten sind während Ausbildung oder Studium von der Mindestlohnregelung ausgenommen. Nach Abschluss der Ausbildung oder des Studiums gilt der Mindestlohn grundsätzlich aber auch für Praktikanten, es sei denn, sie möchten in einem anderen als dem bis dahin erlernten Beruf ihre beruflichen Kenntnisse vertiefen.

Gesetzlicher Mindestlohn schon 2017 erhöht

Das Bundeskabinett hat die Mitglieder der Mindestlohn-Kommission berufen, die erstmals zum 1. Januar 2017 über eine mögliche Erhöhung des Mindestlohn beraten. Dabei orientiert sie sich an den tariflichen Entgeltanpassungen. Sie wird dann alle zwei Jahre prüfen, in welchen Schritten der Mindestlohn künftig angehoben wird. Den Vorsitz der Kommission übernimmt Dr. Henning Voscherau.

8,50 Minus Inflation

Wachdienste, Wäschereien, aber auch Branchen wie zum Beispiel die Leiharbeit sollen mehr Zeit bekommen, das Lohnniveau anzuheben. In diesen Bereich gelten bisher niedrigere Mindestlöhne als 8,50 Euro pro Stunde. Auch Tarifverträge, die bisher Lohnuntergrenzen eingezogen haben, sollen erst mal gültig bleiben. In vollem Umfang wird der Mindestlohn bundesweit erst ab dem Jahr 2017 gelten. Das aber ist erst in mehr als drei Jahren und dann werden die 8,50 Euro deutlich weniger wert sein als heute. Das allgemeine Preisniveau steigt in der Zwischenzeit natürlich an und die Kaufkraft wird wiederum gemindert. Bei einer Inflationsrate von ca. zwei Prozent, wie sie die Europäische Zentralbank in Europa anstrebt, entsprechen die 8,50 Euro im Jahr 2017 dann einer heutigen Kaufkraft von etwa 7,85 Euro.

Weiterführende Infos zum Thema:

Welche Berufe profitieren vom neuen Mindestlohngesetz?

Wie Arbeitgeber beim Mindestlohn tricksen

Welche Branchen sind vom Mindestlohn betroffen?

Wie wird kontrolliert, dass die Unternehmen wirklich den Mindestlohn zahlen?

Verdienen Sie genug?

Vergleichen Sie jetzt kostenlos und anonym Ihr Gehalt.

Jetzt Gehalt vergleichen
Gehalt.detrust-pilot trustsiegel
Wir verwenden Cookies, damit Sie den besten Service genießen können. Details ansehen