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Die Gehaltseinflüsse der Landeshauptstädte

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Kategorie: Berufe & Gehälter
14.08.2018
Länderanalyse 2018

Jeden Tag und pünktlich zur Rushhour sehen wir das gleiche Bild: Ausgelastete Straßen und volle Bahnsteige. Denn tagtäglich nehmen 18,4 Millionen Menschen in Deutschland teils lange Wege in Kauf, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Und es werden immer mehr: Der Anteil der Pendlerinnen und Pendler lag 2017 laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung bei 59,4 Prozent – und hat damit im letzten Jahr einen Rekordwert erreicht. Der Weg führt meistens in größere Städte, in vielen Fällen in die Landeshauptstädte.

Doch ist die starke Anziehungskraft berechtigt? Und wie hoch beziehungsweise wie niedrig wäre das Lohnniveau eines Bundeslands, wenn beispielsweise die jeweilige Landeshauptstadt nicht mit berechnet werden würde?

Genau diese Auswertung ist Kernbestandteil unserer aktuellen Analyse – hierfür wurden 204.562 Daten von Beschäftigten in allen Bundesländern untersucht, die Stadtstaaten ausgenommen. Dabei konnten wir ermitteln, inwiefern das Gehaltsniveau eines Bundeslands variiert, wenn die Gehälter der jeweiligen Landeshauptstadt unbeachtet bleiben.

Stuttgart: Baden-Württembergs „Joker“

Am stärksten ist der Einfluss der Stadt Stuttgart – sie zieht das Lohnniveau um 19 Prozent nach oben. So liegt das durchschnittliche Einkommen in Baden-Württemberg bei 49.800 Euro – ohne Stuttgart beträgt es nur noch 41.800 Euro.

Unsere Auswertung zum Gehaltsatlas 2018 belegt außerdem: Stuttgart ist die Landeshauptstadt in Deutschland, in der die höchsten Löhne gezahlt werden. Beschäftigte beziehen hier ein Einkommen, das 27,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt.

Allerdings trügt der Schein hier ein wenig, denn die Lebenshaltungskosten in Stuttgart sind verhältnismäßig hoch. Laut einer Studie von FINANCESCOUT24 gehört Stuttgart – nach München – zu den teuersten Städten in Deutschland. Daher ist das Pendeln aus dem Umland nach Stuttgart besonders lukrativ – nicht umsonst ist dabei meist die Rede von einem sogenannten „Speckgürtel“.

In Stuttgart sind es vor allem die großen Konzerne aus dem Maschinenbau, die den Lohndurchschnitt für die Stadt nach oben treiben.


Philip Bierbach, Geschäftsführer von GEHALT.de

Bundesland Mit Hauptstadt Ohne Hauptstadt Differenz Einfluss
Baden-
Württemberg 
49.827 € 41.880 € 7.947 € 19%
Bayern  48.188 € 41.263 € 6.925 € 17%
Niedersachsen  41.314 € 35.554 € 5.760 € 16%
NRW  45.815 € 40.954 € 4.861 € 12%
Rheinland-Pfalz  44.529 € 40.698 € 3.831 € 9%
Sachsen  34.825 € 32.022 € 2.803 € 9%
Schleswig-
Holstein 
39.765 € 36.881 € 2.884 € 8%
Sachsen-Anhalt  34.132 € 31.741 € 2.391 € 8%
Brandenburg 34.495 € 32.475 € 2.020 € 6%
Saarland  43.057 € 40.943 € 2.114 € 5%
Hessen  51.054 € 48.930 € 2.124 € 4%
Mecklenburg-
Vorpommern
33.286 € 32.108 € 1.178 € 4%
Thüringen 35.387 € 34.363 € 1.024 € 3%

Starker Einfluss von Düsseldorf und München

Einen ähnlich starken Einfluss der Landeshauptstadt beobachten wir in Bayern: Inklusive der Hauptstadt München beträgt das Durchschnittsgehalt im Bundesland Bayern 48.100 Euro – ohne die Landeshauptstadt liegt es lediglich bei 39.200 Euro. Die Diskrepanz beträgt 17 Prozent. Kaum verwunderlich, denn laut einer Analyse von Simon-Kucher & Partners sind 14 DAX-Unternehmen in München ansässig. Sie ziehen das Lohnniveau der Stadt immens nach oben. Knapp dahinter befindet sich Niedersachsen mit Hannover und einer Abweichung von 16 Prozent.

Niedrige Gehälter in Mecklenburg-Vorpommern

Anders sieht es in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen aus. Dort wirken die Landeshauptstädte kaum auf das Gehaltsniveau der Region ein: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Thüringen verdienen durchschnittlich 35.300 Euro jährlich. Ohne Erfurt liegt das Durchschnittsgehalt im Bundesland bei lediglich 34.300 Euro. Somit fällt das Lohnniveau nur um drei Prozent.

In Mecklenburg-Vorpommern verdienen Beschäftigte durchschnittlich 33.200 Euro. Laut der Analyse hat Schwerin ebenfalls keinen großen Einfluss auf das Gehalt, denn der Mittelwert sinkt ohne die Landeshauptstadt nur um rund 1.100 Euro.

Frankfurt schlägt Wiesbaden

Hessen ist hingegen das Bundesland mit den höchsten Gehältern für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt hier bei circa 51.000 Euro. Allerdings ist die Differenz mit 2.100 Euro im Jahr ohne die Landeshauptstadt Wiesbaden nur sehr gering.

In Hessen ist nicht Wiesbaden ausschlaggebend für das hohe Gehaltsniveau, sondern das wirtschaftsstarke Rhein-Main-Gebiet mit der Finanzhochburg Frankfurt.


Philip Bierbach, Geschäftsführer von GEHALT.de

Lohnt sich der Job in der Stadt?

Neben den teils höheren Gehältern in den Städten sprechen noch weitere Gründe für das Pendeln. Einerseits sind in einigen Städten die Lebenshaltungskosten zu hoch geworden. Daher nehmen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lange Fahrtzeiten auf sich, weil sie sich beispielsweise die Miete in der direkten Umgebung nicht mehr leisten können.

Ein Szenario aus München: Hier kostet laut Angaben von Statista ein Quadratmeter Wohnfläche 17,66 Euro. So sind beispielweise die Strecken aus Augsburg (rund 64 Kilometer) oder Ingolstadt (rund 82 Kilometer) nach München zu gängigen Pendlerrouten geworden. Kaum erschwinglicher sind die Mietpreise in Frankfurt am Main (14,03 Euro) und Stuttgart (13,77 Euro).

Laut einer Umfrage von Zeit Online nannten rund zwölf Prozent die Wohnkosten als Motivation für längere Fahrtwege. Der am häufigsten genannte Beweggrund (43 Prozent) sei der Mangel an geeigneten Jobs in ihrer Nähe. Weitere 5,5 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nannten ein höheres Einkommen als Grund.

Die Auswertung zeigt, dass starke regionale Unterschiede innerhalb der Bundesrepublik vorliegen. Ob sich der Fahrweg aus finanzieller Sicht lohnt, muss daher immer individuell entschieden werden. Allerdings bestimmen Faktoren wie zum Beispiel der Familienstand ebenfalls, ob das Zurücklegen von zahlreichen Kilometern jeden Tag lohnenswert ist. Und auch gesundheitliche Aspekte dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden, denn dauerhafter Stress und zu wenig Freizeit lassen sich nicht durch ein höheres Einkommen ausgleichen.

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