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Ost-West-Gehaltsvergleich 2019

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
01.10.2019
Gehaltsvergleich Ost und West 2019

Rund 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung herrscht in den neuen Bundesländern nach wie vor Unbehagen. Laut häufiger Medienberichte fühle sich der „Osten“ abgehängt und isoliert. Einer der wiederkehrenden Gründe für dieses Empfinden ist das ungleiche Einkommensniveau. Während im Westen höhere Löhne gezahlt werden, müssen sich Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern mit deutlich weniger zufrieden geben. Doch wie groß sind die Unterschiede? Und in welchen Regionen können Beschäftigte im Osten der Republik dennoch gut verdienen?

In unserer aktuellen Analyse widmen wir uns den Gehältern in den neuen und alten Bundesländern. Hierfür haben wir 188.532 Datensätze untersucht und diese nach Regionen, Berufen und Branchen ausgewertet.

Die Lohnlücke zwischen Ost und West schließt sich langsam

Die gute Nachricht zuerst: Laut unserer diesjährigen Erhebung können wir erkennen, dass die Lohnlücke zwischen den neuen und den alten Bundesländern immer kleiner wird – und zwar seit einigen Jahren schon. Noch im Januar ermittelten wir in unserem Gehaltsatlas 2019 einen Unterschied zwischen den Gehältern im Osten und Westen in Höhe von 23,9 Prozent. In unserer aktuellen Auswertung liegt er bei 23,3 Prozent. Im Jahr 2017 betrug die Diskrepanz rund 25 Prozent. Das bedeutet also, der Osten holt auf – wenn auch nur langsam. Dies gilt für die konjunkturelle Entwicklung allgemein, allen voran in Potsdam und Brandenburg.

„Seit einigen Jahren erleben wir im Osten Deutschlands eine Annäherung an das Niveau der alten Bundesländer – ganz vorne mit dabei ist die Bundeshauptstadt Berlin. Allerdings ist der Weg noch weit und weitere wirtschaftsstrukturelle Maßnahmen sind nötig, um den Aufwärtstrend aufrecht zu erhalten“

Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von GEHALT.de

Ländervergleich: Berlin ist Spitzenreiter im Osten

Kommen wir nun zu den detaillierten Ergebnissen. Hier wird deutlich, dass der Weg zur Lohngleichheit noch lang ist. Der Unterschied zwischen den einzelnen Bundesländern ist trotz der Annäherung noch sehr groß. Wenn wir uns beispielsweise die Gehaltszahlen aus allen einzelnen Bundesländern anschauen, kommen wir zum folgenden Bild:

Das höchste Einkommen erzielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Hessen. Sie verdienen hier rund 54.200 Euro. Das geringste Gehalt bekommen dagegen Beschäftigte in Mecklenburg-Vorpommern. Sie erhalten ein jährliches Einkommen in Höhe von rund 34.300 Euro. Sachsen-Anhalt (36.901 Euro), Sachsen (37.556 Euro), Brandenburg (38.282 Euro) und Thüringen (38.466 Euro) liegen nur knapp davor. Berlin liegt mit einem Durchschnittsgehalt von rund 44.500 Euro im Mittelfeld noch vor Schleswig-Holstein (40.426 Euro) und Niedersachsen (43.207 Euro).

Tabelle: Gehälter nach Bundesländern

Bundesland Durchschnittliches Einkommen
Hessen 54.181 €
Baden-Württemberg 50.538 €
Hamburg 49.646 €
Bayern 49.523 €
NRW 47.601 €
Rheinland-Pfalz 46.366 €
Bremen 45.750 €
Saarland 45.387 €
Berlin 44.508 €
Niedersachsen 43.207 €
Schleswig-Holstein 40.426 €
Thüringen 38.466 €
Brandenburg 38.282 €
Sachsen 37.556 €
Sachsen-Anhalt 36.901 €
Mecklenburg-Vorpommern 34.305 €

Tabelle: Landeshauptstädte im Vergleich

Stadt Durchschnittliches Einkommen
Stuttgart 53.413 €
München 53.242 €
Düsseldorf 50.374 €
Wiesbaden 49.476 €
Mainz 44.982 €
Hannover 44.383 €
Saarbrücken 42.713 €
Kiel 40.060 €
Dresden 36.893 €
Magdeburg 36.294 €
Erfurt 36.122 €
Potsdam 36.037 €
Schwerin 33.512 €

Top-Branchen in den neuen Bundesländern

Bei der genaueren Betrachtung einzelner Branchen wird deutlich, dass die Löhne im Osten alles andere als gering sein müssen. So erhalten beispielsweise Beschäftigte in Sachsen-Anhalt im Softwaresegment durchschnittlich über 60.000 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern verdienen Arbeitnehmer dagegen im Anlagenbau am besten. Hier liegt das Durchschnittseinkommen bei rund 55.000 Euro. Dem gegenüber stehen wiederum Branchen, die nicht sehr lukrativ sind. Dazu gehören beispielsweise der Bereich Tourismus und Freizeit: In Brandenburg verdienen Beschäftigte hier knapp unter 30.000 Euro. In Sachsen beziehen Arbeitnehmer im Einzelhandel mit 28.362 Euro am wenigsten.

Beispiel: Tischler in Cottbus verdienen nur 25.000 Euro jährlich

Um ein weiteres Beispiel der sehr unterschiedlichen Gehälter zwischen den neuen und alten Bundesländern zu zeigen, haben wir den Beruf des Tischlers gewählt. Dieser bezieht in Berlin circa 31.400 Euro. Es folgen Dresden mit 28.700 Euro, Magdeburg (28.200 Euro) und Erfurt (28.100 Euro). Am wenigsten erhalten Tischler in Cottbus mit 25.000 Euro im Jahr. Zum Vergleich: In Stuttgart beträgt das durchschnittliche Einkommen eines Tischlers rund 41.500 Euro. In Mainz erhalten Tischler rund 35.000 Euro. Auch auf der Berufsebene zeigt sich, dass Berlin die lukrativste Stadt im Osten der Republik ist. Sie ist dennoch ein ganzes Stück vom Lohnniveau des Westens entfernt.

Gehalt für Tischler

Stadt Durchschnittliches Einkommen
Stuttgart 41.491 €
Mainz 34.942 €
Berlin 31.417 €
Kiel 31.118 €
Dresden 28.658 €
Magdeburg  28.193 €
Erfurt 28.060 €
Potsdam 27.993 €
Rostock 27.647 €
Leipzig 27.488 €
Halle 27.006 €
Chemnitz 26.414 €
Schwerin 26.032 €
Frankfurt an der Oder 25.284 €
Cottbus 24.984 €

Werte sind größtenteils unbereinigt

Um die Gehaltsdifferenz zwischen dem Osten und dem Westen der Bundesrepublik genauer darzustellen, benötigt es weiterer Bereinigungen. So werden wir das Gefälle in Zukunft auch anhand der Kombination von Firmengrößen, der Berufserfahrung oder des Bildungshintergrundes betrachten müssen. Alle gehaltsrelevanten Parameter ausgeklammert geben uns am Ende den bereinigten Wert, der deutlich geringer ausfallen müsste.

In dieser hier vorliegenden Betrachtung blicken wir ausschließlich auf Fachkräfte je nach Region. Um ein vollständiges Bild der Einkommensunterschiede zwischen Ost und West zu erhalten, werden wir auch unter anderem die Kosten für Miete, Verpflegung und Versicherungen in den jeweiligen Regionen berücksichtigen.

Die Ergebnisse werden wir im nächsten Gehaltsatlas 2020 veröffentlichen.

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