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Arbeitszeitmonitor 2018: Wie viel Überstunden macht Deutschland?

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
26.06.2018
Arbeitszeitmonitor 2018: Wie viel Überstunden macht Deutschland?

Fast alle Beschäftigten sind in ihrer Berufslaufbahn schon in eine Situation gekommen, in der sie länger im Büro bleiben mussten als geplant. Ob vor großen Veranstaltungen, einem Produkt-Launch, durch viele Aufträge oder ein überzogenes Meeting; Überstunden stehen in geschäftigen Zeiten in vielen Branchen an der Tagesordnung.

Aber wie viele Überstunden machen die Deutschen eigentlich im Durchschnitt? Und überlassen Führungskräfte die ganze Restarbeit den unteren Etagen oder sind sie es letztendlich, die das Büro hinter sich abschließen? Die Vergütungsexperten von Compensation Partner haben auf Basis von 226.452 Daten die geleisteten Überstunden von Fach- und Führungskräften untersucht und die Ergebnisse nach Alter, Geschlecht, Branche, Position und Region sortiert. Die komplette Studie mit allen Ergebnissen können Sie hier herunterladen: Arbeitszeitmonitor 2018.

Nicht mehr als fünf Überstunden pro Woche

Fachkräfte leisten während ihrer gesamten Berufslaufbahn insgesamt 6.562 Überstunden. Bei den Führungskräften sind es mit 15.430 Überstunden sogar mehr als das Doppelte. Die durchschnittliche Anzahl der geleisteten Überstunden hält sich aber im Rahmen. Der Großteil aller Beschäftigten, die Überstunden leisten müssen (37,3 Prozent), verrichten maximal fünf pro Woche. Nur 13 Prozent müssen sechs bis zehn Arbeitsstunden dranhängen und fast zwei Prozent arbeiten sogar 16 bis 20 Stunden länger als vereinbart.

Anzahl der Überstunden

Anteil aller Beschäftigten

Keine Überstunden

46,8%

1-5

37,3%

6-10

13,0%

11-15

3,1%

16-20

1,8%

21-25

0,3%

26-30

0,3%

>30

0,03%

Die Zahl der Überstunden steigt mit dem Alter: Berufseinsteiger unter 20 Jahren machen im Durchschnitt 1,8 Überstunden und in ihren Zwanzigern leisten Beschäftigte rund 2,5 Überstunden wöchentlich. Ab dem 30. Lebensjahr erhöht sich der Wert auf 3,1 Stunden pro Woche und stagniert in diesem Bereich. Alte Hasen im Alter von über 50 Jahren leisten rund 3,5 Überstunden wöchentlich.

Überstundenausgleich bei Männern und Frauen

Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten macht Überstunden: Insgesamt 54 Prozent müssen länger als vereinbart arbeiten. Ob sie diese Zeit ausgeglichen bekommen ist von verschiedenen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel der Branche, der Höhe des Gehalts oder dem Alter. Laut unser Auswertung, kriegen Männer die Überstunden öfter ausgeglichen als Frauen: 46 Prozent der männlichen Beschäftigten erhalten einen Überstundenausgleich, während es bei den weiblichen Angestellten nur 39 Prozent sind.

Anzahl der
Überstunden

Überstunden
ausgeglichen

Überstunden nicht
ausgeglichen

1-5

55%

45%

6-10

51%

49%

11-15

46%

64%

16-20

35%

65%

21-25

33%

67%

26-30

30%

70%

>30

37%

63%

Je mehr Überstunden, desto geringer die Aussicht auf Ausgleich

Beschäftigte, die mehr als zehn Überstunden pro Woche machen, kriegen sie in den meisten Fällen nicht ausgezahlt. Knapp mehr als die Hälfte der Angestellten, die maximal fünf Überstunden verrichten, bekommen diese auch vergütet. Anders sieht es bei denen aus, die 26 bis 30 Stunden länger arbeiten müssen: Hier werden 70 Prozent der geleisteten Überstunden nicht ausgeglichen.

Überstunden nach Branche und Region

Unternehmensberater arbeiten am meisten: Mit 5,11 Überstunden leisten sie unter allen untersuchten Berufen die meisten Überstunden. „Die Unternehmensberatung ist geprägt von großer Arbeitsbelastung – jedoch auch durch guten Karrierechancen und einem überdurchschnittlichem Einkommen, das Überstunden kompensieren soll“, sagt Tim Böger, Geschäftsführer von Compensation Partner. Eine Erklärung für die vielen Überstunden in der Unternehmensberatung sind Geschäftsreisen. Der Beruf verlangt es unter anderem, direkt beim Kunden vor Ort zu sein und das viele Reisen übt sich sehr stark auf das Zeitkonto aus. Auf den weiteren Plätzen folgen die Branchen Konsum- und Gebrauchsgüter (4,33 Überstunden), Logistik und Transport (4,23 Überstunden) sowie Hotels und Gaststätten (4,07 Überstunden).

 

Überstunden nach Branche und Ausgleich

Branche

Ø Überstunden

Überstunden
ausgeglichen

Überstunden nicht
ausgeglichen

Unternehmensberatung

5,11

26%

74%

Konsum- und
Gebrauchsgüter

4,33

36%

64%

Logistik, Transport,
Verkehr

4,23

40%

60%

Hotel und Gaststätten

4,07

45%

55%

Bau

4,06

37%

63%

Messebetreiber

3,91

51%

49%

Lebensmittel bzw.
Nahrung, Genuss

3,89

39%

61%

Computer
(Herstellung Hardware)

3,88

28%

72%

Pharmazie

3,76

44%

56%

Anlagenbau

3,69

45%

55%

Werbung und PR

3,50

26%

74%

Im Regionenvergleich zeigt sich, dass die Beschäftigten in den östlichen Bundesländern Deutschlands durchschnittlich mehr Überstunden leisten müssen als die westlichen. In den Regionen rund um Nürnberg, Würzburg und Teilen von Thüringen ist die durchschnittlich geleistete Anzahl an Überstunden mit 5,4 am geringsten.

Überstunden und Mehrarbeit

Das Wort „Überstunden“ ist bis heute nicht rechtlich definiert und wird daher in Verträgen und Gesetzen uneinheitlich verwendet. Pauschal wird der Begriff „Mehrarbeit“ verwendet, jedoch unterscheiden sich diese Begriffe:

  • Mehrarbeit beschreibt die Überschreitung der üblichen Höchstarbeitszeit am Tag von acht Stunden. Jegliche Arbeit, die über diese Zeit hinausgeht, wird als Mehrarbeit bezeichnet. Ob diese vom Arbeitgeber vergütet wird, steht im Arbeitsvertrag. Beispiel: Die reguläre Arbeitszeit für Vollbeschäftigte liegt bei 40 Stunden und jede Arbeitsstunde, die darüber hinausgeht, wird als Mehrarbeit bezeichnet.
  • Überstunden beschreiben die Überschreitung der im Vertrag geregelten Arbeitszeit. Grundsätzlich wird von Arbeitnehmern erwartet, dass sie Überstunden in einem zumutbaren Umfang leisten. Zum Beispiel: Ein Angestellter arbeitet laut seinem Vertrag 30 Stunden pro Woche. Aufgrund von Sonderaufgaben kommen an einem Samstag drei Stunden dazu. Diese drei Stunden zählen dann als Überstunden.

Möglichkeiten zum Ausgleich

Überstunden können auf zwei Weisen ausgeglichen werden – entweder in Form einer finanziellen Abgeltung oder eines Freizeitausgleichs. Ersteres wird nach dem Modell „Grundgehalt plus Mehrarbeitszuschlag“ ausbezahlt – Angestellte erhalten demnach ihr reguläres Gehalt und den Zuschlag für die geleisteten Überstunden.

Eine weitere Möglichkeit ist es, einen sogenannten Freizeitausgleich zu nehmen. Die geleisteten Überstunden werden von der täglichen Arbeitszeit abgezogen, sodass Angestellte mehr Freizeit haben. Dies ist in körperlich anstrengenden Berufen, wie zum Beispiel in der Pflegebranche, eine sehr beliebte Variante, um Überstunden auszugleichen.

Probleme beim Ausgleich

Ob nun Überstunden finanziell oder durch Freizeit ausgeglichen werden – in beiden Fällen ergeben sich Probleme, wenn zu viele anfallen.

Falls ein Unternehmen insolvent wird, haben Beschäftigte keine Möglichkeit mehr, ihre geleisteten Überstunden zurückerstattet zu bekommen. Bei einer drohenden Insolvenz sollten Angestellte ihre Bedenken offen mit dem Arbeitgeber kommunizieren und notfalls weitere Überstunden vermeiden, bis die bisherigen abgegolten worden sind.

Das Problem beim Freizeitausgleich ist eine längerfristige Unterbrechung der Arbeit. Dies ist insbesondere in der Behandlung von Patienten problematisch: Hier muss die Pflege teilweise kontinuierlich aufrechterhalten werden, um die Pflegebedürftigen nicht zu gefährden. In Berufen, in denen dies der Fall ist, kann ein „Überstundenkonto“ helfen, auf dem die Überstunden über Monate oder sogar Jahre gesammelt werden. Am Ende winkt eine lange Auszeit vom Beruf, ganz ohne Gehaltsverzicht.

Sind Überstunden Pflicht?

Generell gilt immer das, was im Arbeitsvertrag festgelegt wurde. Ist dort die Leistung einer gewissen Anzahl von Überstunden erwähnt, so muss der Arbeitnehmer diese auch erbringen. Ist dies nicht der Fall, ist der Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet, über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus zu arbeiten. In diesem Fall wird an den Teamgeist und Hilfsbereitschaft der Arbeitnehmer appelliert. Diese sollten jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt gelten, da zu viele Überstunden zum Burn-out und anderen gesundheitlichen Beschwerden führen können, wie eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt. Beschäftigte mit überlangen Arbeitszeiten leiden signifikant häufiger an körperlicher Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, Schlafstörungen sowie Rücken- und Kreuzschmerzen. Wenn regelmäßig viele Überstunden anfallen und sie nicht ausgeglichen werden, ist ein Gespräch mit dem Chef nötig.

Die komplette Studie können Sie hier herunterladen: Arbeitszeitmonitor 2018

 

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