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Die Gehälter und Perspektiven in der Pflegebranche

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Kategorie: Branchen & Verdienstmöglichkeiten
09.05.2018
Gehälter in der Pflegebranche

Sich um kranke, bedürftige oder alte Menschen zu kümmern ist eine wichtige, aber genauso anstrengende und fordernde Aufgabe. In deutschen Altenheimen, Krankenhäusern oder sozialen Einrichtungen widmen sich Beschäftigte jeden Tag der Pflege derer, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Sie tragen eine große Verantwortung und leisten körperlich schwere Arbeit – und gehören trotzdem zu den Geringverdienern.

In einer Auswertung haben wir das Jahreseinkommen verschiedener Pflegeberufe unter die Lupe genommen. Untersucht wurden Gehaltsdaten von Alten- sowie Heilerziehungspflegern, Pflegehelfern und Heimleitern. Die Daten wurden zudem nach verschiedenen Parametern ausgewertet. Das Ergebnis verdeutlicht, was in Politik und Presse bereits stark diskutiert wird: Die Gehaltshöhe und die große Verantwortung der Pflegedienstleistenden stehen in keinem Verhältnis zueinander. Dies führt zu einem der vielen Probleme dieser Branche: dem Fachkräftemangel.

Kaum Luft nach oben für Pflegekräfte

Wer eine Ausbildung als Altenpfleger abschließt, startet in den ersten Job mit einem durchschnittlichen Einkommen von rund 29.600 Euro (brutto). Ein Gehalt, das auch nach neun Jahren Berufserfahrung nicht viel höher wird – dann nämlich liegt es bei durchschnittlich 33.000 Euro jährlich. Noch drastischer zeigt sich die Gehaltsentwicklung bei Pflegehelfern: Sie verdienen ein Einstiegsgehalt von durchschnittlich 24.500 Euro und erhalten mit über neun Jahren Berufserfahrung gerade einmal 3.000 Euro mehr im Jahr.

Auch höhere Ausbildungswege bieten Pflegekräften kaum attraktivere Gehälter. Beschäftigte mit Bachelorabschluss beziehen ein Einstiegsgehalt von 30.900 Euro – das nach neun Jahren Berufserfahrung um circa 5.200 Euro steigt. Somit wirkt sich ein Studium in diesem Bereich finanziell nur schwach aus.

Gehälter für Altenpfleger

Altenpfleger/-in mit Berufsausbildung Q1 Mittelwert Median Q3
< 3 Jahre Berufserfahrung (BE) 25.326 € 28.787 € 29.642 € 32.879 €
3 - 6 Jahre BE 25.386 € 29.979 € 30.074 € 34.446 €
6 - 9 Jahre BE 26.406 € 30.033 € 31.445 € 34.755 €
> 9 Jahre BE 27.079 € 31.298 € 33.028 € 37.407 €

 

mit akademischen Abschluss Q1 Mittelwert Median Q3
< 3 Jahre Berufserfahrung (BE) 26.638 € 30.400 € 30.884 € 33.600 €
3 - 6 Jahre BE 27.782 € 31.200 € 32.092 € 35.111 €
6 - 9 Jahre BE 28.512 € 31.205 € 32.005 € 36.044 €
> 9 Jahre BE 29.407 € 32.684 € 35.260 € 38.357 €

Höhere Gehälter für Heilerziehungspfleger und Heimleiter

In der Heilerziehungspflege, also der Pflege von Menschen mit Behinderung, verdienen Berufseinsteiger mit 31.400 Euro etwas mehr. Nach neun Jahren Berufserfahrung kann das Einkommen dann mit 40.300 Euro zumindest die 40.000 Euro-Grenze überschreiten. Damit verdienen sie höhere Gehälter als studierte Altenpfleger mit Bachelorabschluss.

Für Positionen mit Personalverantwortung werden höhere Gehälter gezahlt: Heimleiter erhalten das höchste Einkommen in unserer Auswertung. In ihren ersten Jahren im Job verdienen sie im Durchschnitt 51.000 Euro und erreichen nach neun Jahren Berufserfahrung ein Gehalt von 68.700 Euro. Im Vergleich zu anderen Geschäftsführern ist ihr Einkommen jedoch deutlich geringer: Chefs in der Lebensmittelindustrie erhalten beispielsweise 138.800 Euro im Jahr. Geschäftsführer in mittelständischen Unternehmen der Elektrotechnik beziehen wiederrum ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 177.000 Euro.

Arbeit in der Pflegebranche macht krank

Doch nicht nur der niedrige Lohn, sondern auch die schwierigen Arbeitsbedingungen tragen ihren Teil zu dem akuten Fachkräftemangel bei. Denn laut einer Befragung des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen fürchten sich Beschäftigte in der Alten- wie auch in der Krankenpflege häufig um ihre Gesundheit. 35,8 Prozent der Altenpflegerinnen und Altenpfleger halten es demnach für unwahrscheinlich, dass sie ihre Arbeit auch in den nächsten zwei Jahren noch ausüben können. In der Krankenpflege gab jeder Vierte diese Einschätzung ab. Beide Berufsgruppen liegen damit deutlich über dem Durchschnitt des gesamten Arbeitsmarktes (21,5 Prozent).

Gehälter für Heimleiter/-innen mit Personalverantwortung

Heimleiter/-in mit akademischen Abschluss Q1 Mittelwert Median Q3
< 3 Jahre Berufserfahrung (BE) 46.634 € 48.679 € 50.969 € 57.514 €
3 - 6 Jahre BE 44.040 € 50.753 € 55.706 € 61.407 €
6 - 9 Jahre BE 48.925 € 53.606 € 60.321 € 74.615 €
> 9 Jahre BE 55.362 € 64.668 € 68.671 € 83.649 €

Richten es Fachkräfte aus dem Ausland?

Aufgrund des Personalmangels sind in vielen Bereichen der Pflege schon Fachkräfte aus osteuropäischen Ländern im Einsatz. Bekannt sind Fälle, in denen Beschäftigte von schlechten Arbeitsbedingungen, Überforderung und Ausbeutung berichten. Und da es immer mehr Pflegedienste und -heime gibt, wird der steigende Mangel weiterhin mit Frauen aus Osteuropa gedeckt. Diese sind in den wenigsten Fällen examinierte Altenpflegerinnen oder Krankenschwestern. Aufgrund dessen ist auch ein Zuwachs illegaler Pflegedienste zu beobachten.

Allerdings sieht Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in diesen ausländischen Fachkräften eine wichtige Perspektive. Die Abschlüsse von Pflegern und Ärzten aus dem Ausland sollen schneller anerkannt werden, um die aktuell 36.000 freien Stellen auf diese Weise zu besetzen. Ob das allein als Lösung von Problemen wie Lohndumping und schlechten Arbeitsbedingungen betrachtet werden kann, ist fraglich.

Bessere Rahmenbedingungen gegen den Personalmangel

Aktuell sind allgemeingültige Tarifverträge für die Branche im Gespräch. Laut Spahn soll sich durch verbesserte Bezahlungen und optimierte Rahmenbedingen die Situation in der Pflege entspannen. Gemeinsam mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ist im kommenden Jahr eine Allgemeinverbindlichkeit von Tariflöhnen geplant.

Darüber hinaus liegt sehr viel Potential in der Gesundheitsförderung für Beschäftigte, wie beispielsweise der Lösungsansatz des Bundesgesundheitsministeriums darlegt. Die Verantwortung tragen hier Arbeitgeber, Führungskräfte, Sozialpartner und die Pflegekräfte selber. Das Angebot kann beispielsweise eine Ernährungsberatung für die Schichtarbeit oder ein Seminar für Stressbewältigung und Entspannung umfassen.

Dabei muss die Politik die Rahmenbedingungen in der Pflege festlegen, sodass die verrichtete Arbeit fair bezahlt wird und gesundheitliche Belange angemessen berücksichtigt werden. Denn um zukünftig eine menschenwürdige Pflege zu garantieren, braucht es vor allem gesunde und zufriedene Pflegekräfte.

Wer hat an der Befragung teilgenommen?

GEHALT.de hat 2.487 Datensätze von Beschäftigten aus der Pflegebranche untersucht und diese nach den Parametern Berufserfahrung, Ausbildung und Personalverantwortung analysiert. Alle Gehaltsangaben sind Bruttojahresgehälter und stammen aus den vergangenen 12 Monaten.

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