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Interview mit Simone Janson: Von Fach- zur Führungskraft

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Kategorie: Ausbildung & Berufseinstieg
13.01.2020
Simone Janson

Simone Janson ist Verlegerin, Podcasterin, gibt eLearning-Kurse heraus und zählt laut Blogger-Relevanz-Index und Wikipedia zu einer der 20 wichtigsten Bloggerinnen Deutschlands mit der eingetragenen Marke Best of HR – Berufebilder.de®. Außerdem berät sie Unternehmen wie Samsung, Otto-Group oder staatliche Institutionen der Schweiz in HR-Kommunikation. Zuletzt hat Sie das Buch „Erstmals Chef. Vom Mitarbeiter zur Führungskraft“ herausgebracht. Weitere Informationen finden Sie hier.

GEHALT.de: Welche ersten Schritte sollten Beschäftigte unternehmen, wenn sie eine Führungsposition anstreben?

Simone Janson: Sie sollten sich schon lange im Vorfeld kontinuierlich als potentielle Führungskraft empfehlen – steter Tropfen höhlt hier den Stein. Dazu gehören z.B. gute Strategien und Konzepte zu entwickeln, strukturiert zu arbeiten, Prioritäten zu setzen und auch die eigene Leistung in ausreichendem Maße zu kommunizieren.
Natürlich kommt es auf fachlich hervorragende Leistungen und persönliche Fähigkeiten an, aber auch das richtige Auftreten ist ein wichtiger Punkt, der leider zu gerne unterschätzt wird. Dazu gehören z.B. auch eigene, manchmal kontroverse Standpunkte zu vertreten, Vorschläge und Ideen einzubringen, mit denen man sich auch durchaus angreifbar macht.

Welche Rolle spielt die Berufserfahrung bei diesem Prozess?

Berufserfahrung ist natürlich ein wichtiges Kriterium bei der Beförderung, aber es ist auch wichtig, welche Arbeit jemand erledigt hat. Immer wieder bekomme ich mit, dass Mitarbeiter glauben, es ginge alleine um Leistung und wer nur hart genug arbeitet, wird auch befördert. Tatsache aber ist: Von vielen Aufgaben, die ein fleißiger Mitarbeiter erledigt, bekommen Chefs gar nichts mit. Emsige Arbeitsbienen werden zwar gelobt, sind in ihrer jetzigen Position aber doch unerhört praktisch.

Daher ist es wichtig, dass Mitarbeiter mit Führungsanspruch vor allem Aufgaben übernehmen, die von den Vorgesetzten als relevant eingestuft werden und dass sie auch immer mal wieder auf ihre Arbeit hinweisen – z.B. bei Präsentationen und in Meetings.

Welche Eigenschaften machen eine gute, moderne Führungskraft aus?

In unserem Buch “Führung fit für die Zukunft” behandeln diverse Führungs-Experten die Anforderungen an moderne Führungskräfte. Denn diese sind gerade dabei, sich radikal zu wandeln.

Konnten Chefs früher oft paternalistisch “durchregieren”, so ist Führung im digitalen Zeitalter deutlich komplexer geworden. Denn niemand kann heute mehr alleine die vielfältigen Zusammenhänge überblicken, die für optimale Entscheidungen notwendig sind, es braucht die Zusammenarbeit von Teams. Wo früher schnell Entscheidungen gefällt wurden, müssen jetzt Meinungen eingeholt, diskutiert und abgestimmt werden. Das ist nur ungleich mühsamer, sondern verlangt Führungskräften auch viel ab: Verzicht auf persönliche Eitelkeiten, Kontrollverlust, die Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten und die Fähigkeit, Mitarbeiter überhaupt miteinzubeziehen – während man die Prozesse gleichzeitig souverän lenkt.

Das alles setzt eine gewisse Fähigkeit zur Selbstreflektion und eine gewisse Reife voraus, die bei vielen Führungskräften noch nicht vollumfänglich ausgeprägt ist. Anspruch und Wirklichkeit klaffen daher oft auseinander.

Was erwartet Beschäftigte in einer Führungsposition? Was sind die grundlegenden Unterschiede zwischen dem Tätigkeitsfeld einer Fach- und einer Führungskraft?

Die Führungskarriere gilt als prestigeträchtiger, daher wird sie von vielen angestrebt. Doch nicht jedem liegt es, Personalverantwortung zu übernehmen, politische Allianzen zu schmieden oder ein strategisches Meeting nach dem nächsten zu absolvieren, manch einer ist glücklicher, wenn er Ideen entwickeln oder Projekte steuern kann. Diese individuellen Stärken sind aber gerade ambitionierten Mitarbeitern oft nicht klar.

Dazu kommt, dass man mit dem Aufstieg zur Führungskraft eben oft nicht mehr gut Freund mit seinen Kollegen sein kann. Man wird dann eben nicht mehr zum Geburtstag eingeladen oder kann nach der Arbeit noch in die Kneipe mitgehen, wenn über den Chef gelästert wird. Wenn man z.B. noch neu in der Stadt ist und nur Kontakt mit Kollegen hat, kann das sehr belastend sein.

Zwar wird momentan medienwirksam ein eher lockeres Führungsverständnis mit flachen Hierarchien und Firmenevents, auf denen man seinen Chef beim Sumoringen besiegen kann, propagiert. Allerdings gehören zur Führung eben nicht nur wohlklingende Reden, sondern auch, dass man Verantwortung übernimmt und auch unpopuläre Entscheidungen fällt. Diese Diskrepanz ist dann oft schwierig in der Umsetzung.

Wie lässt sich Führungs- und Sozialkompetenz erlernen?

Zum einen Lebens- und Arbeitserfahrung. Zum anderen aber auch durch die Beschäftigung mit neusten wissenschaftlichen Methoden.

Beispiel Führung von Teams: Die beginnt nämlich bereits bei der Auswahl von Mitarbeitern, die gut zusammenarbeiten können. In der Personalbranche wird daher momentan sehr stark darüber diskutiert, wie sich die optimale Zusammensetzung von Teams durch eignungsdiagnostische Methoden erreichen lässt. In vielen Unternehmen finden solche Ansätze leider noch viel zu selten Anwendung. Theorie und Praxis sollten hier Hand in Hand gehen, leider ist das oft nicht der Fall.

Haben Sie weitere Tipps für Beschäftigte, die an einer Führungsposition interessiert sind, mitgeben würden?

Führen heißt auch, Verantwortung zu übernehmen und zu den eigenen Fehlern zu stehen. Wer sich bei jeder unwichtigen Entscheidung  und persönlichen Unsicherheit bei Chef oder Chefin absichert, disqualifiziert sich praktisch für Führungsaufgaben.

Wichtig daher: Wer führen will, sollte so oft wie möglich selbst entscheiden, natürlich nur wenn entsprechende Kompetenzen zugestanden werden. Wichtig ist daher, Eigeninitiative zu zeigen und selbst so viele Entscheidungen wie möglich zu  treffen, sofern der eigene Arbeitsbereich es zulässt. Aber: Wer hin und wieder Grenzen austestet, lernt dazu.

Wichtig ist aber am Ende des Tages auch, die Konsequenzen zu tragen, wenn man mit seiner Entscheidung daneben lag.

Sehen Sie einen Masterabschluss als Grundvoraussetzung für eine Führungsposition?

Formal mag es helfen, einen Master zu haben, um gleich in einer besseren Einstiegsposition zu starten, zumal heute auch mehr und mehr Ausbildungsberufe akademisiert werden, was ich durchaus kritisch sehe. Wichtiger als der rein formale Abschluss ist jedoch, was jemand im Studium gelernt hat und wie er das in der Praxis umsetzen kann.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass es sehr viele Unternehmer, Manager und sogar Minister gibt, die gar keinen Hochschulabschluss haben. Was die Fähigkeiten anbelangt, habe ich die Erfahrung gemacht, dass Führungskräfte, die sich von ganz unten hochgearbeitet haben, oft besser sind als jemand, der frisch von der Uni kommt – weil sie sich auch wissen, wie die Basis tickt und nicht nur über theoretisches Wissen verfügen.

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