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Interview: Wie verläuft die Jobsuche während Corona?

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Kategorie: Karriere & Ratgeber
06.04.2020
Tipps & Tricks zum Thema Gehalt, Karriere & Berufsleben
findest du im Stepstone Magazin
Porträtfoto der HR-Managerin Helena Panitzki

Die Corona-Pandemie hat nicht nur das persönliche und gesellschaftliche Leben erfasst, sondern auch den Arbeitsmarkt. Obwohl sich die Krise noch nicht in den aktuellen Zahlen niederschlägt, rechnen Experten mit einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in den kommenden Wochen. Zwar mussten viele Unternehmen ihre Stellenangebote deutlich reduzieren oder gegebenenfalls ganz einstellen, jedoch ist es auch in der aktuellen Situation nicht unmöglich, einen Job zu finden. Doch wie läuft der Bewerbungsprozess derzeitig ab? Und was hat sich geändert?

Wir führen ein Interview mit unserer HR-Managerin Helena Panitzki. Sie ist seit 2017 bei Gehalt.de tätig und für Recruitment zuständig.

Helena, wie hat sich der Alltag von Recruiter*innen durch die Corona-Pandemie verändert?

Der Alltag hat sich insofern verändert, dass viele ihre Arbeit aus dem Homeoffice machen. Die Bewerbungsgespräche finden jetzt in vielen Unternehmen mittels Video Calls statt und der Kontakt zu den Kolleg*innen und Bewerber*innen ist digital. Die Kommunikation, die sonst „über den Tisch“ oder „an der Kaffeemaschine“ läuft, überträgt sich jetzt in die virtuelle Welt.

Wie ist deiner Einschätzung nach gerade die Situation auf dem Arbeitsmarkt?

Einerseits denke ich, dass alle langsam aus der Situation der ersten Schockstarre herauskommen. Andererseits haben sich viele Unternehmen gerade für einen Einstellungsstopp entschieden. Allgemein beobachten wir, dass das Thema Sicherheit einen neuen Stellenwert bekommt: Viele Freelancer zeigen sich an einer Festanstellung interessiert. Ich vermute, dass sich nach der Krise einige Menschen beruflich weiterentwickeln oder umorientieren wollen. Der ein oder die andere nutzt die Lage vielleicht auch, um die aktuelle Jobsituation zu bewerten und betrachtet diese aus einer völlig anderen Perspektive.

Wie sieht denn ein typisches Bewerbungsgespräch in der digitalen Variante aus?

Hinsichtlich des Ablaufs hat sich eigentlich kaum etwas verändert – nur dahingehend, dass jetzt alles über Video Calls stattfindet und wir den Kandidat*innen ausnahmsweise keinen Kaffee anbieten können. ;-)

Hast du ein paar Faustregeln für einen gelungenen Video-Call?

Am wichtigsten: Testet vorher die Technik, damit zum vereinbarten Termin alles reibungslos klappt. Also vor dem Gespräch die Stabilität der Internetverbindung überprüfen sowie Webcam und Mikrofon testen.

Außerdem sollte eine ruhige Umgebung für das Gespräch ausgewählt werden. Am besten zeigt ihr Personaler*innen keine unaufgeräumten Zimmer oder dreckige Küchenzeilen. Ich empfehle eine neutrale Wand oder ein Bücherregal.

Wichtig ist auch eine Position, in der Bewerber*innen frontal in die Kamera schauen können. Hier bietet sich der Platz am Tisch an. Man kann seinen Laptop auch entsprechend erhöhen, um eine ideale Kameraperspektive hinzubekommen. Nicht zu nah, aber auch nicht zu weit weg. Die optimale Ansicht reicht von über den Haaren bis zu den Schultern.

Auch die Lichtverhältnisse sind bei Webcam-Interviews wichtig. Tageslicht ist hier immer am besten geeignet. Also einfach den Schreibtisch vor das Fenster schieben – das ist oftmals einfacher, als sich mit künstlichem Licht aufwändig und perfekt auszuleuchten.

Ansonsten ist alles ähnlich, wie beim Face-to-Face Interview – nur anstatt in die Augen, direkt in die Kamera schauen. Adäquate Kleidung, eine gesunde Portion Selbstbewusstsein und eine gute Ausdrucksweise dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Habt ihr selbst während der Krise schon eine Person eingestellt – ohne persönliches Kennenlernen?

Nein, bisher nicht. Es gibt allerdings jetzt Beschäftigte bei Gehalt.de, die ihren Vertrag schon vor einiger Zeit unterschrieben haben und die jetzt im Homeoffice eingearbeitet werden. Das ist eine spannende Herausforderung, aber bisher klappt es sehr gut. Natürlich erfordert eine virtuelle Einarbeitung aber auch deutlich mehr Betreuung, da der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin natürlich nicht nur fachlich, sondern auch sozial integriert werden muss. Besonders wichtig ist dann, den Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin ein zweites Mal in alle Prozesse und Maßnahmen einzugliedern, wenn wir alle ins Büro zurückkommen. 

Sollten sich Jobsuchende trotz der aktuellen Situation bewerben?

Ja, Jobsuchende können sich natürlich jetzt bewerben – allerdings sollten sie vorher klären, ob die Firma aktuell überhaupt neue Beschäftigte einstellt. Lieber also vorher schlau machen, bevor es an die Bewerbung geht. Der Arbeitsmarkt wird sich nach der Krise neu sortieren – darin sehe ich auch viele Chancen.

 

Vielen Dank für das Interview!

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