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Systemrelevante Berufe in der Corona-Krise: Wie hoch sind die Gehälter?

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
21.03.2020
Internist verschränkt Arme hinter dem Rücken und hält Stethoskop

Innerhalb weniger Tage hat sich der Alltag in Deutschland von Grund auf verändert. Kinos, Restaurants und andere öffentliche Orte sind geschlossen. Viele Beschäftigte können nur noch in Kurzarbeit oder gar nicht mehr arbeiten oder müssen ihrer Tätigkeit im Homeoffice nachgehen. Trotzdem gibt es Berufe, auf die unsere Gesellschaft nicht verzichten kann: Pflege- oder Supermarktpersonal erfüllen jeden Tag ihre Aufgaben und halten damit unser System am Laufen. Doch wie viel verdienen Beschäftigte hier überhaupt?

Wir haben rund 12.400 Datensätze erhoben und die Einkommen in ausgewählten systemrelevanten Berufen unter die Lupe genommen. Bei allen Angaben im Text handelt es sich um Jahresbruttogehälter im Median.

Hier finden Sie einen Überblick zu den Berufsgruppen, die vom Land Nordrhein-Westfalen als systemrelevant eingestuft wurden: 

Energie

  • Strom, Gas, Kraftstoffversorgung (inklusive Logistik)
  •  Einrichtungen zur Entstörung und Aufrechterhaltung der Netze

 

Wasser und Entsorgung

  • Wasserversorgung
  • Einrichtungen zur Entstörung und Aufrechterhaltung der Netze

 

Ernährung und Hygiene

  • Produktion, Groß-und Einzelhandel (inklusive Zulieferung, Logistik)

 

Informationstechnik und Telekommunikation

  • Einrichtungen zur Entstörung und Aufrechterhaltung der Netze

 

Gesundheit

  • Krankenhäuser, Rettungsdienst, Pflege, niedergelassener Bereich, Medizinproduktehersteller, Arzneimittelhersteller, Apotheken, Labore

 

Finanz-und Wirtschaftswesen

  • insbesondere Kreditversorgung der Unternehmen, Bargeldversorgung, Sozialtransfers
  • Personal der Bundesagentur für Arbeit und Jobcenter zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes (insbesondere Auszahlung des Kurzarbeitergeldes)

 

Transport und Verkehr

  • Betrieb für kritische Infrastrukturen, öffentlicher Personennah- und Personenfern- und Güterverkehr
  • Personal der Deutschen Bahn und nicht bundeseigenen Eisenbahnen zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes
  • Personal zur Aufrechterhaltung des Flug- und Schiffsverkehrs

 

Medien

  • insbesondere Nachrichten- und Informationswesen sowie Risiko-und Krisenkommunikation

 

Staatliche Verwaltung

  • Kernaufgaben der öffentlichen Verwaltung und Justiz, Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Justizvollzug, Veterinärwesen, Lebensmittelkontrolle, Asyl- und Flüchtlingswesen einschließlich Abschiebungshaft, Verfassungsschutz, aufsichtliche Aufgaben sowie Hochschulen und sonstige wissenschaftliche Einrichtungen, soweit sie für den Betrieb von sicherheitsrelevanten Einrichtungen oder unverzichtbaren Aufgaben zuständig sind
  • Gesetzgebung/Parlament

 

Schulen, Kinder- und Jugendhilfe, Behindertenhilfe

  • Schulen, Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege, stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung

Personal in der Gesundheitsversorgung

Den Krankenhäusern vielerorts droht der Ausnahmezustand. Das Personal bereitet sich auf die Pandemie vor und schafft zusätzlichen Platz für zahlreiche Patientinnen und Patienten. Aber auch die Versorgung bei anderen Krankheiten oder die Sorge um ältere und behinderte Menschen muss nach wie vor gewährleistet werden. Hier ist die Arbeit in der Krankenpflege besonders von Bedeutung. Die Einkommen von Beschäftigten in diesem Bereich liegen bei rund 38.600 Euro im Jahr. Die Gehälter von Heilerziehungspfleger*innen (35.900 Euro) und Altenpfleger*innen (32.900 Euro) sind niedriger. Ähnliche Einkommen erhalten Arzthelfer*innen (31.000 Euro).

Deutlich darüber liegen die Gehälter von Ober- sowie Chefärztinnen und -ärzten. Sie beziehen zwischen 120.000 und 140.000 Euro im Jahr. Fachärztinnen und -ärzte erhalten rund 80.400 Euro.

Im Hinblick auf die Corona-Pandemie sind wir immens auf das medizinische Personal angewiesen – und noch nie war der Fachkräftenotstand in der Pflegebranche und im Gesundheitswesen deutlicher.

Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de

 Berufe Q1 Median Q3
 Altenpfleger/-in 29.320 € 32.932 € 37.674 €
 Krankenpfleger/-in 33.181 € 38.554 € 45.076 €
 Heilerziehungspfleger/ -in 31.183 € 35.852 € 41.333 €
 Arzthelfer/-in 26.730 € 31.030 € 36.773 €
 Fachärztin bzw. -arzt 65.575 € 80.378 € 98.607 €
 Oberärztin bzw. -arzt 99.019 € 121.083 € 141.356 €
 Chefärztin bzw. -arzt 119.371 € 142.557 € 201.425 €

Erzieherinnen und Erzieher sichern die Notbetreuung

Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten sind aktuell geschlossen, dennoch muss die Aufsicht von Kindern gesichert werden, deren Eltern systemrelevante Berufe ausüben. Hier werden Erzieher*innen nach wie vor gebraucht. Diese verdienen rund 36.300 Euro im Jahr. Im Öffentlichen Dienst werden Mitarbeiter des Sozial- und Erziehungsdienst nach Tarif (TVöD-SuE) bezahlt.

 Beruf Q1 Median Q3
 Erzieher/-in 32.115 € 36.325 € 41.907 €

Supermärkte bleiben geöffnet

Die Bevölkerung muss weiterhin ihren Bedarf an Lebensmitteln decken. Dieser ist nach wie vor in Deutschland gesichert – Hamsterkäufe zu tätigen ist nicht notwendig und schadet den Mitmenschen. In den Lebensmittelgeschäften stehen die Beschäftigten umso mehr unter Druck. Dazu zählen zum Beispiel Einzelhandelsverkäufer*innen: Sie erhalten in der Lebensmittelbranche rund 28.100 Euro im Jahr. Kassierer*innen beziehen mit 26.800 Euro noch weniger.

Beschäftigte im Einzelhandel gehören zu den Geringverdienern und arbeiten oft nah an der Mindestlohngrenze – obwohl sie einer hohen Belastung ausgesetzt sind. 

Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de

 Berufe Q1 Median Q3
 Kassierer/-in 22.629 € 26.824 € 32.656 €
 Einzelhandelskauffrau bzw. -mann 
 (in der Lebensmittelbranche)
24.097 € 28.126 € 33.554 €

Medizinische Versorgung durch Apotheken

Neben der Verpflegung durch Lebensmittel muss natürlich auch die medizinische Versorgung gesichert werden. Daher bleiben auch die Apotheken geöffnet. Apotheker*innen erhalten hier rund 54.200 Euro im Jahr.

Unterstützung erhalten sie von pharmazeutisch-technischen Assistent*innen (PTAs). Sie sind beispielsweise für die Kundenberatung, die Herstellung bestimmter Medikamente und Verwaltungsaufgaben zuständig. Ihr jährliches Einkommen beträgt 35.300 Euro. Erheblich weniger beziehen pharmazeutische kaufmännische Angestellte (28.700 Euro). Sie sind hauptsächlich im kaufmännisch-organisatorischen Bereich der Apotheke beschäftigt. Dazu zählen Warenwirtschaft, der Einkauf und die Lagerung von Arzneimitteln und anderen Waren.

 Berufe Q1 Median Q3
 Apotheker/-in 48.196 € 54.170 € 65.033 €
 Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) 25.691 € 28.698 € 33.359 €
 Pharmazeutisch-technische Assistenz (PTA) 30.801 € 35.280 € 41.163 €

Niedrige Gehälter in der Logistik

Damit Supermärkte noch Lebensmittel verkaufen können, muss die Warenlieferung gewährleistet sein. Das passiert beispielsweise durch Berufskraftfahrer*innen, die die Ware von A nach B bringen. Hierfür erhalten sie jährlich 29.600 Euro.

Auch Paketzusteller*innen erfüllen aktuell eine wichtige Aufgabe. In der Paketversandfirma DHL werden Gehälter nach Tarifen gezahlt:  Sie werden laut Tarifvertrag in der Entgeltstufe 3 geführt und Beschäftigte bekommen zum Einstieg seit Oktober 2019 knapp 2.300 Euro monatlich – umgerechnet 27.600 Euro im Jahr. Hier finden Sie die Bezahlungsgrundsätze der Deutschen Post AG.

 Beruf Q1 Median Q3
 Berufskraftfahrer/-in 26.317 € 29.616 € 31.541 €

So bleibt die Bevölkerung informiert

Wir sind aufgrund der Corona-Krise sehr auf Online-Nachrichtenportale wie SPIEGEL Online oder Tagesschau.de angewiesen. Zu diesem Zweck hat das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfahlen zusätzlich den Beruf „Journalist“ als weiteren systemrelevanten Beruf hinzugezogen. Wer in der jetzigen Lage in einer Online-Redaktion beschäftigt ist, erfüllt eine wichtige Schlüsselfunktion. Das Gehalt dieser Beschäftigten beträgt rund 40.400 Euro.

 Berufe Q1 Median Q3
 Online-Redakteur/-in 34.267 € 40.411 € 48.579 €

Weitere systemrelevante Berufe

Auch Beschäftigte in der Polizei, in Müllabfuhr, der Feuerwehr oder für Grenzkontrollen sowie Sicherheitskräfte müssen weiterhin den Dienst antreten. Diese werden teils nach Tarifen bezahlt. In den Besoldungstabellen lassen sich die Gehälter nachschlagen. Wie zum Beispiel hier für Polizist*innen.

Unsere Gehaltsanalyse beinhaltet nur eine Auswahl und nicht alle systemrelevanten Berufe. 

Die Notwendigkeit der systemrelevanten Berufe muss sich in Zukunft stärker im Gehalt, in den Arbeitsbedingungen und in Rentenzahlungen widerspiegeln. Auf die Corona-Krise sollte unbedingt eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung für diese Beschäftigten folgen.

Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de

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