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Überstunden in Deutschland – der Arbeitszeitmonitor 2017

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
16.05.2017
©GEHALT.de

Wer macht in Deutschland die meisten Überstunden? Sitzen Topverdiener wirklich länger am Arbeitsplatz oder sind es vor allem junge Beschäftigte, die als letzte im Büro das Licht ausmachen? Unsere Vergütungsanalysten von Compensation Partner haben in ihrem „Arbeitszeitmonitor 2017“ anhand von 220.544 Arbeitsverhältnissen die geleistete Mehrarbeit untersucht. Die Analyse ist nach den Parametern Branche, Gehaltshöhe, Region und Alter aufgeschlüsselt. Wir haben die Ergebnisse für Sie zusammengefasst.

Insgesamt ...

… machen 59 Prozent der deutschen Beschäftigten regelmäßig Überstunden. Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ist relativ ausgeglichen. Rund 48 Prozent der weiblichen und 52 Prozent der männlichen Arbeitnehmer leisten Mehrarbeit.

Wie viele Überstunden sind üblich?

Wer nur täglich eine halbe Stunde mehr Zeit auf der Arbeit investiert, hat am Ende der Woche bereits mehr als zwei Stunden auf seinem Überstundenkonto angesammelt. Rund 41 Prozent der Beschäftigten machen bis zu fünf Überstunden pro Woche.

Laut Untersuchung sind es fünf Prozent, die wöchentlich mehr als 10 Stunden länger im Job bleiben.

Wer macht wie viele Überstunden?

Wer macht denn eigentlich wie viele Überstunden? Unsere Kollegen von Compensation Partner haben verschiedene Parameter separat betrachtet.

Das Alter: Wer älter ist, bleibt länger

Mit dem Alter steigt auch die Anzahl der Überstunden kontinuierlich an. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter 20 Jahren bleiben knapp zwei Stunden pro Woche länger auf der Arbeit. Beschäftigte zwischen 20 und 40 Jahren leisten wöchentlich durchschnittlich drei Stunden zusätzlich.

Das höchste Überstundenkonto haben über 60-Jährige mit durchschnittlich 3,6 Stunden pro Woche. Dass ältere Beschäftigte oft länger bleiben, hängt vor allem mit ihrer Position zusammen. Mit dem Alter steigt in der Regel der Verantwortungsbereich, auch finden unsere Vergütungsanalysten mehr Führungskräfte in den höheren Alterskategorien. Berufseinsteiger zwischen 18 und 30 Jahren haben im Umkehrschluss weniger Verantwortung.

Branche: Unternehmensberater bleiben am längsten

Im Branchenvergleich haben unsere Kollegen festgestellt: Die meisten Überstunden machen Unternehmensberater. Im Schnitt bleiben sie pro Woche fünf Stunden länger am Arbeitsplatz. Dass insbesondere Unternehmensberater ein so großes Überstundenkonto ansammeln, liegt an den vielen Geschäftsreisen. Unternehmensberater arbeiten in der Regel direkt beim Kunden vor Ort. Sie besuchen mehrere Kunden täglich oder deutschlandweit in der Woche. Vorbereitende Tätigkeiten im Zug oder Flugzeug, die Fahrtzeiten sowie Übernachtungen können sich da schnell aufsummieren. Tatsächlich bekommen auch nur rund 34 Prozent der Unternehmensberater ihre Überstunden in Geld oder Freizeit ausgeglichen. Oftmals sind die geleisteten Überstunden mit dem Grundgehalt und Bonuszahlungen abgegolten.

Mehr als vier Überstunden in der Woche machen auch Beschäftigte aus den Wirtschaftszweigen Konsum- und Gebrauchsgüter, Bau, dem Logistik- und Verkehrswesen sowie in der Kosmetikbranche. Insbesondere im Dienstleistungssektor ist Mehrarbeit bei den Beschäftigten nicht selten. Der zahlende Kunde hat hier oftmals die höhere Priorität vor dem Feierabend.

Der Regionenvergleich: In Berlin und Leipzig wird länger gearbeitet

Die meisten Überstunden leisten Beschäftigte in den neuen Bundesländern. Insbesondere in der Landeshauptstadt und in der Region um Leipzig bleiben Beschäftigte länger. Sie liegen im Schnitt bei rund sechs zusätzliche Stunden pro Woche.

Die wenigste Mehrarbeit machen dagegen Arbeitnehmer in den Regionen rund um Nürnberg, Würzburg sowie in den südlichen Teilen von Thüringen. Durchschnittlich arbeiten jedoch auch hier die Beschäftigten fünf Stunden mehr.

Die Gehaltshöhe: Je höher das Gehalt, desto mehr Überstunden

Die Auswertung hat ergeben, Beschäftigte mit einem höheren Gehalt leisten auch mehr Überstunden. Mit steigendem Gehalt wächst die Zahl der Mehrarbeit. Wer weniger als 30.000 Euro jährlich verdient, macht durchschnittlich zwei Überstunden pro Woche. Beschäftigte, die ein Jahreseinkommen von 75.000 Euro erhalten, kommen auf rund fünf Stunden Mehrarbeit. Ein Spitzengehalt von 120.000 Euro jährlich bedeutet rund zehn Überstunden in der Woche. Einen Ausgleich erhalten auf diesem Gehaltsniveau nur 3,5 Prozent der Beschäftigten.

Ein Drittel der Beschäftigten mit rund 55.000 Euro Jahreseinkommen erhält einen Überstundenausgleich. Von den Geringverdienern mit einem Einkommen unter 20.000 Euro erhalten rund 20 Prozent einen Überstundenausgleich, mit einem Gehalt zwischen 20. und 30.000 Euro können sich 26 Prozent auf einen Ausgleich freuen.

Die Kollegen von Compensation Partner haben ihre Ergebnisse in einer Infografik festgehalten.

 

Der Arbeitszeitmonitor 2017

Muss ich Überstunden machen?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Wer in einem festen Arbeitsverhältnis steht, kann sich in seinem Vertrag über die getroffene Vereinbarung im Hinblick auf Mehrarbeit informieren. Oftmals sind anfallende Überstunden mit dem Gehalt abgegolten, in tarifgebundenen Unternehmen werden Überstunden größtenteils in Freizeit oder Geld ausgeglichen. Hier kann es unter Umständen sogar zu Schwierigkeiten kommen, wenn zu viele Überstunden auf dem Stundenkonto auflaufen.

Individuell ist in diesem Zusammenhang auch die Regelung des Arbeitgebers zur Zeiterfassung. Wer auf Vertrauensbasis arbeitet, kann seine Überstunden nur schwierig nachweisen.

Wenn nach Absprache und in dringenden Einzelfällen der Vorgesetzte auf Ihre Mehrarbeit angewiesen ist, sollte dies kein Problem darstellen. Sollten allerdings regelmäßig Überstunden anfallen, ist ein Gespräch mit Ihrem Chef sinnvoll.

Die gesamte Studie "Arbeitszeitmonitor 2017" steht Ihnen kostenfrei zum Download zur Verfügung.

 

 

Weiterführende Informationen

Lohnungleichheit: Die Entgeltlücke 2017 in Deutschland

Länderanalyse 2017: Bundesländer und der Gehaltseinfluss ihrer Hauptstädte

 

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