News
Hier finden Sie von Markttrends, Experteninterviews bis hin zu Studien alles rund um die Themen Gehalt, Ausbildung und Beruf.
Zur Newsübersicht

Verdienen Studierte immer mehr als Nicht-Studierte?

(0)
Danke für Ihre Bewertung!
Kategorie: Ausbildung & Berufseinstieg
07.03.2013

Tatsächlich scheint sich der gegenteilige Trend abzuzeichnen. So verdienen etwa gut ausgebildete Handwerker schon nach wenigen Berufsjahren mehr, als ein Absolvent eines Studiums für Geisteswissenschaften. Die betrieblichen Strukturen sorgen oft dafür, dass ein Studienabsolvent keine Stelle bekommt. Als Einsteiger überqualifiziert, als Anwärter auf einen Beruf, für den er ausgebildet wäre zu unerfahren.

Dem gegenüber steht der Ruf der Bundesregierung nach einer Stärkung der geistigen und akademischen Elite. Es sollen mehr junge Menschen Abitur und einen Hochschulabschluss machen. Die Praxis zeigt jedoch, dass ein mittlerer Bildungsabschluss mit anschließender Berufsausbildung wesentlich bessere und auch mehr gesicherte finanzielle Perspektiven bietet. Auch scheint sich eine Tendenz zum Verwischen zwischen akademischen und nicht-akademischen Bildungsabschlüssen zu zeigen. Der Meistertitel, etwa im Handwerk, wurde kürzlich dem akademischen Grad Bachelor gleichgestellt. Dies wirft natürlich für viele Arbeitnehmer die Frage auf, warum denn ein Fachstudium absolviert werden muss, wenn die Absolvierung eines Meisterlehrgangs im Prinzip die gleiche Qualifikation bringt. In vielen Handwerksberufen kann der Meisterlehrgang sehr kurz nach der Gesellenprüfung oder sogar in unmittelbarem Anschluss daran durchlaufen werden. Das spart im Vergleich zum Fachstudium deutlich Zeit.

Akademikermangel aus gesundem Menschenverstand:

Die wirtschaftliche und soziale Struktur in der Bundesrepublik sorgt dafür, dass immer mehr junge Menschen lieber ihre Ziele niedriger stecken, als sich zwar akademisch ausbilden zu lassen, dann aber einer ungewissen Zukunft entgegenblicken zu müssen. Welche Auswirkungen diese Struktur hat, soll am Beispiel einer Arztpraxis verdeutlicht werden.

Kaum ein anderer Studiengang bietet mehr Herausforderung als die Medizin. Eine junge Frau, nennen wir sie Christine (16), denkt darüber nach Ärztin mit einer eigenen Praxis zu werden. Sie betrachtet die Verteilung der Arztpraxen in ihrer Umgebung und stellt fest, dass im ländlichen Bereich ein großer Mangel herrscht. Grundsätzlich eine motivierende Situation, doch sind auf dem Land die meisten Menschen gesetzlich versichert. Die Kassenleistungen sind inzwischen deutlich begrenzt, manche notwendigen Behandlungen werden gar nicht mehr bezahlt. Sind die zugeteilten Punkte vor Quartalsende erschöpft, arbeitet Christine umsonst. Nach Gesprächen mit den Eltern, Bekannten und auch dem Arbeitsamt beschließt Christine schließlich, die Schule mit der Mittleren Reife zu beenden und lieber medizinische Fachangestellte (früher: Arzthelferin) zu werden. Hier bieten sich ihr Fortbildungsmöglichkeiten, der Umgang mit Menschen und selbstverantwortliches Arbeiten ist ihr hier in einem gesicherten Arbeitsverhältnis möglich. Durch Weiterbildung und eine gute Stelle kann sie annähernd das gleiche Einkommen erzielen, wie ein Arzt auf dem Land.

Bundesrepublik erzeugt viele „Christines“:

Natürlich sollte eine Berufswahl zuerst nach den eigenen Interessen erfolgen. Doch wirtschaftliche Sicherheit ist ebenfalls ein wichtiges Argument. Aus finanzieller Sicht bildet ein Studium in vielen Bereichen keinen Anreiz mehr. Absolventen aus dem Bereich Ingenieurswesen im Handwerk zum Beispiel, müssen oft entweder mit Stellen vorlieb nehmen, für die sie viel zu gut ausgebildet sind, oder mit langer Wartezeit auf einen Beruf rechnen. So haben sie die Wahl, zwischen Unterbezahlung oder Arbeitslosigkeit.

Die Zeiten, da Hochschulbildung glänzende finanzielle Aussichten eröffnete für die ein Studium unabdingbar war, sind lange vorbei. Das Resultat: Fachkräfte und Akademikermangel mit wachsender Tendenz. Es bleibt abzuwarten, ob die Bundesregierung in den nächsten Jahren Bildung wieder attraktiver macht.

(0)
Danke für Ihre Bewertung!
Zur Newsübersicht
Wir verwenden Cookies, damit Sie den besten Service genießen können. Details ansehen