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Branchenindex 2018: Tapetenwechsel gefällig?

Kategorie: Karriere & Ratgeber
12.02.2018
Branchenindex 2018

Gründe für Frustration am Arbeitsplatz gibt es viele: Unterforderung, anstrengende Chefs oder ein niedriges Einkommen. Summieren sich die Probleme, wird es Zeit für einen beruflichen Neustart. Denn wenn der Gang ins Büro immer mühseliger wird und sich eventuell schon gesundheitliche Probleme andeuten, sollten Sie die notwendigen Konsequenzen ziehen.

Laut einer Umfrage aus dem letzten Jahr sind zwei Drittel (63,1 Prozent) der Deutschen unzufrieden mit ihrem Job und mehr als jeder Dritte (39,6 Prozent) fühlt sich in seinem Berufsalltag nicht richtig gefordert. Ein Großteil dieser Beschäftigten hat sicherlich schon einmal mit dem Gedanken gespielt, sich beruflich neu zu orientieren. Dabei muss jedoch keineswegs alles umgekrempelt werden, oft kann schon der Wechsel in eine neue Branche für frischen Wind und bestenfalls sogar für ein höheres Einkommen sorgen. Die eigentliche Jobfunktion muss sich dabei gar nicht verändern. Und vielleicht wartet in einer anderen Branche schon der Traumjob?

Denn Personalleiter, Geschäftsführer oder Netzwerkadministratoren gibt es in fast jeder Branche – allerdings beziehen diese nicht überall das gleiche Einkommen, denn Gehälter stehen auch immer in einer Abhängigkeit zu der Branche, aus der sie stammen. Um diese Gehaltsunterschiede näher zu beleuchten, haben die Analysten von Compensation Partner 143.541 Daten untersucht. Diese stammen ausschließlich von Beschäftigten aus branchenübergreifenden Berufen. Dieser Index soll Ihnen einen Überblick vermitteln, in welchen Branchen über- beziehungsweise unterdurchschnittlich hohe Gehälter gezahlt werden.

Die Maschinenbaubranche lockt mit hohen Gehältern

Besonders glücklich dürfen sich Beschäftigte aus der Maschinenbaubranche schätzen. Ihre Gehälter liegen circa 25 Prozent über dem Durchschnitt. Wer also in diesem Bereich einen Job ergattert, kann höchstwahrscheinlich mit einer signifikanten Gehaltserhöhung rechnen. Das ist vor allem der Autoindustrie zu verdanken – diese ist besonders kapitalstark und die Arbeitgeber sind daher in der Lage ihre Angestellten großzügig zu entlohnen. In der Studie „Zukunftsperspektive deutscher Maschinenbau“, die in einer Kooperation von VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) und McKinsey & Company entstanden ist, wird der Maschinen- und Anlagenbau zurecht als das „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ beschrieben.

Auch die Bereiche Software und Halbleiter sind sehr lukrativ für Arbeitnehmer. In diesen Branchen zahlen Unternehmen Gehälter mit einem Plus von 24,1 Prozent (Software) und 23,3 Prozent (Halbleiter). Spezialisten für Investitionsgüter und Experten aus der Biotechnologie dürfen sich ebenfalls über rund 22 Prozent mehr Einkommen als der Durchschnitt freuen.

Wer sich bei einem Branchenwechsel von der Lebensmittelindustrie in den Immobiliensektor oder in die Branche Werbung und PR ein höheres Gehalt erhofft, wird leider enttäuscht. In beiden Bereichen liegen die Gehälter im marktüblichen Durchschnitt. Das Entgelt bewegt sich hier zwischen +0,18 und -0,5 Prozent.

Schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne in Call Centern

Auf den unteren Rängen befinden sich das Lohnniveau der Dienstleistungsbranche (-15,5 Prozent) und die Gehälter in Krankenhäusern (-16,83 Prozent). Am niedrigsten werden jedoch Angestellte in Call Centern vergütet. Der Wert liegt hier bei -34,18 Prozent. In diesem Bereich ist nicht nur die Bezahlung am niedrigsten, sondern auch die Arbeitsbedingungen fallen im Vergleich zu anderen Branchen besonders negativ auf.

Der Depressionsatlas 2015 von der Techniker Krankenkasse gibt beispielsweise an, dass die häufigsten Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund einer Depression in der Tätigkeitsgruppe „Berufe im Dialogmarketing“ vorzufinden sind. Dazu zählen vor allem Berufe, die in Call Centern sowie Service- und Kundenhotlines vertreten sind. Beschäftigte klagen zudem über Überwachung, Kontrolle und extremen Druck am Arbeitsplatz. Medien wie Zeit Online oder Spiegel Online sprechen vom „Arbeiten in der Großraumhölle“ und von einem „Leben in der Warteschleife“. Die Branche scheint demnach ihrem schlechten Ruf gerecht zu werden.

Der Branchenindex 2018

Branche Gehaltsniveau im Vergleich zum Branchendurchschnitt Unterschied
Maschinenbau 127,1% 27,10%
Software 124,1% 24,09%
Halbleiter 123,3% 23,26%
Forschungsinstitute 101,1% 1,00%
Lebensmittel-, Nahrungs-, und Genussindustrie 100,2% 0,18%
Werbung und PR  100,1% 0,13%
Sonstige Dienstleistungen 84,5% -15,50%
Hotel und Gaststätten  84,1% -15,91%
Krankenhäuser 83,2% -16,83%
Zeitarbeitsunternehmen 78,1% -21,90%
Call-Center 65,8% -34,18%

Branchenwechsel – ja oder nein?

Im Hinblick auf die großen Lohndifferenzen in unserem Branchenindex erscheint ein Sprung ins kalte Wasser durchaus lohnenswert. Allerdings sollten aufgrund kurzweiliger Erlebnisse keine voreiligen Entscheidungen gefällt werden. Frust, Wut oder andere negative Emotionen können zwar als wichtige Impulse dienen, sind aber auf längere Sicht weder ausreichend noch zielführend für die eigene Karriere.

Zunächst sollten Sie versuchen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Analysieren Sie Ihr Umfeld und identifizieren Sie die Gründe, die die Verursacher ihrer Situation sind. Dabei ist vor allem Ihre Eigeninitiative gefragt. Denn wenn Sie passiv agieren und sich mit den Gegebenheiten abfinden, werden die gewünschten Veränderungen nicht eintreten.

Sollten Sie sich dann doch konkret dazu entschließen einen vollkommen neuen Weg einzuschlagen, müssen Sie sich vorerst einigen Fragen stellen. Wie stehen beispielsweise Ihre Chancen in der gewünschten Branche? Verfügen Sie über ausreichende Erfahrungen in diesem Fachbereich? Denn leider ist es äußerst schwierig, ohne jegliche Vorkenntnisse erfolgreich ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Der Schlüssel zum Erfolg: Ihr Netzwerk, gute Soft Skills und Leidenschaft

Damit der Bewerbungsmarathon nicht zum Glücksspiel wird, können Sie Kontakte zu Menschen knüpfen, die in der jeweiligen Branche beschäftigt sind. In vielen Branchen kann ein Netzwerk aus Businesskontakten den Einstieg erleichtern und Ihre Chancen um ein Vielfaches erhöhen. Eignen Sie sich zudem den entsprechenden Branchenjargon an. Wenn Sie dann mit den Menschen aus dieser Branche kommunizieren beziehungsweise denen Ihren Lebenslauf zukommen lassen, wirkt sich hierbei ein passender Jargon sehr positiv aus. Zudem können Sie auch ihre Soft Skills branchenübergreifend einsetzen. Diese sollten besonders stark hervorgehoben werden – denn soziale Kompetenzen sind in fast jeder Branche gefragt.

Sie sollten sich auf jeden Fall im Voraus informieren, welche Anforderungen in ihrer Traumbranche im Fokus stehen. Dabei muss nicht immer mit Arbeitserfahrung argumentiert werden – vielleicht gehen Sie einem Hobby nach, das Ihre Kompetenzen unter Beweis stellt? Zudem können Bewerber punkten, indem sie zeigen, wie stark motiviert sie für den jeweiligen Job sind. Außerdem macht es einen positiven Eindruck, wenn Sie offen für Weiterbildungsmaßnahmen sind. So sind Eigeninitiative, Leidenschaft und Motivation bei einem Quereinstieg das A und O.

Unterschätzen Sie trotzdem nicht, vor welchen Herausforderungen Sie bei und auch noch nach einem Branchenwechsel stehen werden. Versuchen Sie in einer ähnlichen Jobfunktion zu bleiben, lassen Sie ihre Kontakte spielen und stellen Sie unter Beweis, dass sich Ihre Qualifikationen optimal auf die neue Branche übertragen lassen. Dann sollte Ihrem Traumjob nichts mehr im Wege stehen.

Den vollständigen Branchenindex 2018 können Sie hier einsehen.

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