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Doppelverdiener-Familien – Ohne zwei Gehälter nichts mehr möglich?

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Kategorie: Karriere & Ratgeber
20.03.2014

Die Zahl der doppelverdienenden Familien vergrößert sich immer mehr. Können Alleinverdiener keine Familie mehr ernähren oder was sind die Gründe dafür, dass beide Elternteile arbeiten gehen? Familien Doppelverdiener

Trend Richtung Doppelverdiener steigt an

Wie eine Studie des Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos belegt, halten 67 Prozent der Bevölkerung das Modell der Doppelverdiener für ideal. Horst Opaschowski ist Zukunftsforscher und hält es für wahrscheinlich, dass bis 2030 rund achtzig Prozent Doppelverdiener sind, wenn dieser Trend anhält. Zudem ist er der Ansicht, dass immer weniger Frauen und Männer bereit sein werden, für die Kinder zuhause zu bleiben.

Im Jahre 2008 fanden es noch ungefähr siebzig Prozent der Bundesbürger besser, wenn nur ein Elternteil arbeiten geht und der andere die Kindererziehung übernimmt. Mittlerweile hat sich diese Überzeugung verändert, denn diese Meinung teilen nur noch 52 Prozent der Bevölkerung. Obwohl es den Menschen besser geht als je zuvor, haben viele Verlustängste, Angst vor einer zu niedrigen Rente und sorgen sich um Einbußen beim Einkommen. Ebenso sehen viele unsicher in die Zukunft und glauben, eine Familiengründung nur dann wagen zu können, wenn beide weiter arbeiten.

War es früher einfacher, als Alleinverdiener eine Familie zu ernähren?

Oft hört man die Ansicht, dass es früher noch möglich war, als Alleinverdiener eine Familie zu ernähren und diese Option heute nicht mehr bestehe. Allgemein gilt die Meinung: Die Kosten sind gestiegen, während die Gehälter nicht mitgewachsen sind. Tatsächlich musste aber ein Arbeiter in den sechziger Jahren rund neunzehn Minuten arbeiten, um sich einen Laib Brot kaufen zu können. Heute sind dafür nur noch zehn Minuten notwendig. Für Rindfleisch ist heute nur eine halbe Stunde Arbeit nötig, während früher zwei Stunden gearbeitet werden musste, um sich einen Sonntagsbraten zu gönnen. Wer sich damals einen Fernseher leisten wollte, musste rund 42 Tage dafür arbeiten. Heute kann man sich nach nur vier Tagen ein hochmodernes Fernsehgerät leisten.

Es gibt sicherlich Familien, die jeden Cent drei Mal umdrehen müssen, wenn sie von einem Gehalt leben und die sich bestimmt keinen Luxus wie Markenkleidung, Urlaub und neuste Smartphones leisten können. Dennoch war es früher auch nicht viel anders als heute: Wollte sich die Familie mehr gönnen, musste die Frau mitarbeiten.

Höhere Ansprüche bedürfen höheres Gehalt

Bleiben wir beim Vergleich früher-heute, stellt man schnell fest, dass sich die Ansprüche erhöht haben. Früher:

  • besaß eine Familie nur ein Auto
  • gab es nur ein Fernsehgerät, das im Wohnzimmer aufgestellt wurde
  • war der Sonntagsbraten ein Festmahl
  • trugen jüngere Kinder die Kleidung der älteren auf
  • wurden Socken und andere Kleidungsstücke geflickt
  • fand der Urlaub entweder Zuhause statt oder auf einem günstigen Campingplatz
  • gab es ein Telefon im Haus
  • bestand die Kücheneinrichtung nicht aus unzähligen Küchengeräten

Heute sieht es nun so aus:

  • stehen mindestens zwei Wagen in der Garage
  • befinden sich Fernsehgeräte häufig nicht nur im Wohnzimmer, sondern zusätzlich im Schlafzimmer, in den Kinderzimmern und in der Küche
  • ist es normal, dass täglich Fleisch auf den Teller kommt oder teures Fast Food gegessen wird
  • müssen kaum noch jüngere Kinder die Kleidung der älteren Geschwister auftragen
  • werden kaputte Socken oder andere Kleidungsstücke entsorgt
  • muss der Urlaub im Hotel und möglichst weit weg stattfinden
  • besitzt jedes Familienmitglied ein Handy und einen PC
  • wird jeder Handgriff bei der Küchenarbeit durch ein Gerät ersetzt

Wer sich früher teure Markenkleidung und einen alljährigen Urlaub leisten wollte, kam auch damals schon nicht mit einem Gehalt aus. Die ältere Generation konnte zudem besser mit Geld haushalten. Heute verführt die Kreditkarte zum schnellen Kauf und viele Menschen verlieren die Übersicht über ihre Ausgaben.

Kosten senken und dennoch gut leben

Für viele ist es ganz normal, täglich einen Latte Macchiato to Go auf dem Weg zur Arbeit zu trinken, mit der Kreditkarte zu bezahlen und viel Geld für „Schönheitsbehandlungen“ auszugeben. Mal eben beim Italiener Essen bestellen oder mit Freunden essen zu gehen ist selbstverständlich geworden. Es werden Dinge gekauft, die dann doch nicht gebraucht werden. Es wird in die Ferne gereist, weil man sich dort die Glücksgefühle und Zufriedenheit erhofft, die im Alltag scheinbar nicht erreicht werden.
Die Lebenshaltungskosten scheinen immens hoch zu sein – wenn man all diese Dinge als Notwendigkeit ansieht. Würde man sich die Mühe machen, bei jeder Shoppingtour zu überlegen, ob die Anschaffung wirklich nötig ist oder nicht, bliebe viel im Laden liegen und das Portemonnaie wäre voller. Es macht auch nicht glücklicher, wenn das dreißigste Paar Schuhe in den Schuhschrank gestellt wird oder das zwanzigste Küchengerät auf der Arbeitsplatte thront.

Es ist möglich, sparsamer und dennoch genussvoll zu leben. Oder besser: Wenn nicht alles als selbstverständlich hingenommen wird, kommt der Genuss sogar mehr zum Tragen. Es wird sich mehr über eine Markenjeans gefreut, wenn dieser Kauf eine Ausnahme darstellt und der Besuch in einer bekannten Fast-Food-Kette wird als etwas Besonderes angesehen, wenn er eher selten stattfindet. Als Fazit könnte man sagen: Es ist auch heute noch möglich, als Alleinverdiener eine Familie zu ernähren, wenn sich auf das Wesentliche im Leben besinnt wird und Luxus weiterhin als Luxus angesehen wird.

Weiterführende Infos zum Thema:

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