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Skurrile Bewerbungsgespräche – und wie Sie richtig reagieren

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Kategorie: Karriere & Ratgeber
04.10.2018
Skurrile Bewerbungsgespräche

Würden Sie im Bewerbungsgespräch ein Lied auf Französisch anstimmen oder offen über Ihr Gefühlsleben plaudern? Nein? Diese Frage kommt nicht von ungefähr, denn einige Personaler fühlen mit unangenehmen Tests den Bewerbern gehörig auf den Zahn. In einer Umfrage haben unsere User nun ihre Erfahrungen mit uns geteilt. Hier finden Sie die absurdesten Fragen, die skurrilsten Erlebnisse und ein paar wichtige Tipps für Ihr nächstes Bewerbungsgespräch.

HR-Profis oder Geschäftsführer prüfen häufig mit gezielten und fiesen Fragen die Eignung des Bewerbers für eine ausgeschriebene Stelle. Vielen Kandidaten ist allerdings nicht klar, wie sie reagieren sollen oder warum solche Fragen überhaupt gestellt werden. Daher haben wir mithilfe einer Umfrage unter 509 Nutzerinnen und Nutzern die Erfahrungen aus Bewerbersicht gesammelt und die jeweiligen Hintergründe beleuchtet. Unter den Befragten waren 64 Prozent männlich und 36 Prozent weiblich.

„Welchen Belag hätten Sie, wenn Sie eine Pizza wären?“

Bestimmte – auf den ersten Blick ungewöhnliche – Fragen stellen Personaler häufig, um die Bewerberin oder den Bewerber persönlich besser einschätzen zu können.

Zu diesen Fragen zählt zum Beispiel „Mit welcher Rolle im Sportverein assoziieren Sie Ihre Führungsposition?“ Diese ist als reine Einschätzung der persönlichen Stärken und Schwächen des Anwärters zu verstehen. Andere kreative Ideen von Personalern sind auch „Welchen Belag hätten Sie, wenn Sie eine Pizza wären?“ oder „Wenn Sie eine Frucht wären, welche wären Sie?“

Durch ausgefallene Fragen testen HR-Profis die analytischen Fähigkeiten, die Kreativität oder die Schlagfertigkeit des Bewerbers. Philip Bierbach, Geschäftsführer von GEHALT.de

Psychologische Tricks sind beliebt

Einige psychologische Tricks treiben dem Bewerber wortwörtlich den Schweiß auf die Stirn – und sind bei HR-Profis besonders beliebt. Damit wollen Personaler die Anwärter in eine unangenehme Situation führen und ihre Reaktion auf die Probe stellen. Das können Fragestellungen wie „Warum bewerben Sie sich nicht bei unseren Wettbewerbern?“ oder „Wie viele Rechtschreibfehler sind in Ihrer Bewerbung?“ sein.

Hier finden Sie eine kommentierte Übersicht der skurrilsten Fragen:

„Sind Sie wirklich der Meinung, dass eine Frau in der Rechtsabteilung eines großen Unternehmens etwas zu suchen hat?“
Diese Frage hat nichts mehr mit Provokation zu tun. Bei derartigem und offensivem Sexismus ist es souverän, der Firma sofort den Rücken zu kehren und eventuell Anzeige wegen Diskriminierung zu erstatten.

„Haben Sie öfters Mordgedanken?“
Abgesehen von der Verunsicherung des Bewerbers ist diese scherzhaft gemeinte Frage mit Sicherheit nicht ernst zu nehmen.

„Können Sie mir diesen 08/15 Kugelschreiber verkaufen?“
Hier ist Spontanität und gutes Verhandlungsgeschick gefragt. Vor allem wenn Verkäufer angeheuert werden sollen, ist diese Frage inhaltlich berechtigt.

„Singen Sie mal ein Lied auf Französisch!“
Viele Personalberater testen die Grenzen ihrer Bewerber aus. In solchen Situationen ist es nicht verkehrt, professionell zu bleiben und die Anfrage dankend abzulehnen.

„Was finden Sie in diesem Raum besonders harmonisch?“
Außer bei einem Bewerbungsgespräch für eine Stelle als Innenarchitekt hat diese Frage im regulären Vorstellungsgespräch nichts zu suchen.

Fauxpas auf Bewerberseite

Unangenehme Situationen können natürlich auch durch das Fehlverhalten des Bewerbers entstehen. In der Hektik den Kugelschreiber durch den Raum schleudern oder direkt vom Flughafen zum Termin hetzen – es kann einiges schief laufen. Der am häufigsten genannte Grund (32 Prozent) dafür ist laut Umfrage eine unzureichende Vorbereitung auf das Gespräch und fehlende Fachkenntnisse. Andere Gründe sind ein unprofessioneller Umgangston mit den Personalern (27 Prozent), mangelnde Konzentration (18 Prozent) und unaufgeforderte Kritik am Unternehmen (11 Prozent).

Rund 70 Prozent haben sich schon einmal unwohl gefühlt

Fast 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich schon einmal in einem Bewerbungsgespräch unwohl gefühlt. Grund hierfür waren in 60 Prozent der Fälle Respektlosigkeit oder Unhöflichkeit. Außerdem gaben circa fünf Prozent Sexismus als Ursache an.

In den häufigsten Fällen (76 Prozent) haben Betroffene die Situation so hingenommen und das Gespräch zu Ende geführt. 15 Prozent brachen hingegen das Gespräch vorzeitig ab und sieben Prozent beschwerten sich erst im Nachhinein.

Warum haben Sie sich unwohl gefühlt?                              Anteil in Prozent
Respektlosigkeit oder Unhöflichkeit 55%
Aufgrund von Beleidigung 8%
Aufgrund von Diskriminierung 8%
Aufgrund von Sexismus 5%
Schlechte Vorbereitung auf den Bewerber 4%
Sonstige 13%
Wie haben Sie in einer unangenehmen Situation reagiert? Anteil in Prozent
Ich habe es hingenommen und das Gespräch zu Ende geführt. 76%
Ich habe das Gespräch vorzeitig abgebrochen. 15%
Ich habe mich im Nachhinein beschwert. 7%
Sonstiges 2%

Wie bereiten sich Bewerber richtig vor?

Eine gute Vorbereitung ist das A und O, denn nur so können Bewerberinnen und Bewerber gut parieren und Selbstsicherheit ausstrahlen. Je mehr die Kandidaten über das jeweilige Unternehmen und die ausgeschriebene Stelle wissen, desto besser.

Zudem hilft es, sich vorher Sätze zurecht zu legen und an der Selbstpräsentation zu feilen. Wer seine Stärken und Schwächen sowie alle Details der eigenen Bewerbung genau kennt, liegt klar im Vorteil. Bewerber können zusätzlich als Vorbereitung die eigene Körpersprache vor dem Spiegel oder mithilfe einer Videoaufnahme optimieren. Außerdem sind Familie und Freunde ein geeignetes Testpublikum und können hilfreiches Feedback geben.

Im Internet nach möglichst vielen Fangfragen zu suchen und sich für alle eine jeweils passende Antwort zurecht zulegen, ist wenig zielführend. Die Auswahl ist schlichtweg zu groß und die Recherche kostet übermäßigen Aufwand. Bewerberinnen und Bewerber verlieren dadurch viel Zeit, die an einer anderen Stelle besser genutzt werden kann.

Lassen Sie stattdessen von einem Freund zehn bis zwanzig Fragen auswählen. Stellen Sie dann eine Interviewsituation nach und versuchen Sie, spontan auf diese zu antworten. Dadurch sammeln Sie Selbstbewusstsein und erlangen ein besseres Gefühl dafür, was im Bewerbungsgespräch auf Sie zukommt.

Sollte Ihnen ein zeitversetztes Webinterview oder ein Telefoninterview bevor stehen, haben wir ebenfalls ein paar hilfreiche Tipps.

Unerlaubte Fragen

Allerdings müssen sich Bewerberinnen und Bewerber nicht alles gefallen lassen. Persönliche Fragen können auch schnell in Diskriminierungen abrutschen und dürfen in Bewerbungsgesprächen nicht gestellt werden. Das wird in dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) festgehalten. Dieses schützt die Jobsuchende oder den Jobsuchenden vor Benachteiligungen – beispielweise durch ihre oder seine Rasse, Geschlecht, Alter oder Sexualität. Fragen oder Feststellungen wie „Seit wann sind Sie Deutsche?“ oder „Sie sehen ja gar nicht so ausländisch aus, wie Ihr Name klingt“ sind daher verboten.

 Bei einer unangebrachten oder diskriminierenden Frage sollten Bewerber einen kühlen Kopf bewahren und das Bewerbungsgespräch im Notfall professionell abbrechen. Philip Bierbach, Geschäftsführer von GEHALT.de

Überschreiten Personaler diese Grenze in einem Gespräch, sollten Bewerberinnen und Bewerber die nötigen Konsequenzen ziehen.

Weitere skurrile Fragen der Personaler

  1. "Warum tragen Sie einen Bart?"
  2.  "Hätten Sie gerne Sex mit mir auf dem Besprechungstisch?“
  3.  "Würden Sie einen Tank befüllen, selbst, wenn er bereits voll wäre?"
  4. "Können Sie Ihre Arbeitsweise in einem Song beschreiben?"
  5. "Was halten Sie vom Ergebnis des Eurovision Song Contests?"
  6. "Welcher Charakter wären Sie bei "Lost"?"
  7. "Wenn Sie ein Küchengerät wären, welches wären Sie?"
  8. "Wie braten Sie ein Schnitzel?"
  9. "Wie viele Klavierstimmer gibt es in Chicago?"
  10. Wie viele Smarties passen in einen VW-Bus?

Fauxpas seitens der Bewerberinnen und Bewerber

  1. „Ich habe den Chef mit Vornamen angesprochen.“
  2. „Ich hab mit dem Kugelschreiber gespielt. Dabei ist er weggeflogen.“
  3. „Ich habe aufgestoßen.“
  4. „Das Handy war nicht auf lautlos und ein Anruf kam – ausgerechnet, als es um das Thema Höflichkeit im Umgang mit Kunden ging.“
  5. „Haben Sie noch Fragen?“ – „Ja, eine. Wie schlage ich mich denn bisher?“
  6. „Als meinem Mitbewerber Fragen gestellt wurden, habe ich zum Fenster herausgeschaut. Diese Frage wurde an mich weitergegeben und ich habe sie nicht gehört.“
  7. Ich habe die Frage gestellt: „Und wie kamen Sie eigentlich hier her?“
  8. Ich sagte: „Wie Sie schon zwei Mal gefragt haben, noch einmal, ich habe nur geringe Kenntnisse auf dem Gebiet.“
  9. „Ich war im Urlaub und hatte nichts Gutes zum Anziehen.“
  10. „Ich habe die Frage „Wo sieht sich das Unternehmen in fünf Jahren?“ gestellt. Hat dem Geschäftsführer nicht gefallen.
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