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Unser Einkommen – wofür arbeiten wir eigentlich?

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
10.01.2014

Stress, Burn Out, gekippte Work-Life-Balance und das alles, damit das Einkommen stimmt. Da kommt besonders nach Urlaubstagen die Frage auf: Wozu arbeite ich eigentlich? Ein Generationsvergleich macht allerdings deutlich, dass der Stress häufig hausgemacht ist. Stress bei der Arbeit ist ein Phänomen unserer Zeit, genauso wie Rückenerkrankungen und psychische Krankheiten, die immer mehr zunehmen. Warum bewegen wir uns täglich in einem Hamsterrad und mahlen jeden Tag dieselben Mühlen, die uns gar nicht gut tun?

 

Wofür wir arbeiten

 

 

Arbeiten wir härter als unsere Eltern?

 

Um überleben zu können, muss Geld da sein und das muss verdient werden. Arbeit als Überlebenszweck – so könnte man annehmen. Doch ist das wirklich so? Vergleicht man einmal, wie lange die Generation unserer Eltern für Lebensmittel oder andere Dinge arbeiten mussten mit der Arbeitszeit heute, wird deutlich, dass unsere Eltern trotz heutigem „Teuro“ mehr leisten mussten. Wissenschaftler vom Institut der deutschen Wirtschaft wollten es genauer wissen und verglichen die Preise und Gehälter von heute mit denen der sechziger Jahre:

➤ Damals lag der Netto-Stundenlohn bei umgerechnet 1,30 Euro; 2012 bei rund 16 Euro

➤ Heute muss für ein Fernsehgerät etwa vier Tage gearbeitet werden. In den sechziger Jahren brauchten die Menschen sechs Wochen, um sich ein Röhrenfernseher leisten zu können.

➤ 27 Tage mussten geackert werden, um sich eine Waschmaschine kaufen zu können. Heute ist solch ein Gerät nach nur drei Arbeitstagen erwirtschaftet.

➤ Die Grundnahrungsmittel (Eier, Brot, Butter, Milch) sind heute in einer halben Stunde verdient. Lediglich Benzin und Strom ist heute teurer geworden und die Preise für eine Tankfüllung sind besonders nach der Wiedervereinigung angestiegen.

Bei den obigen Vergleichen fragt man sich, warum wir uns heute gestresster fühlen und das Gefühl haben, das Einkommen reiche vorne und hinten nicht. Eigentlich müssten wir uns doch glücklich schätzen, dass wir uns beinahe mit Leichtigkeit nicht nur Grundnahrungsmittel leisten können, sondern ebenso Güter, die damals noch als Luxus galten. Warum sind wir also gestresst und selten zufrieden? Oder erwarten wir heute einfach mehr vom Leben? Sind wir vielleicht zu verwöhnt und merken gar nicht mehr, wie gut es uns geht?

Heute sind die Ansprüche höher

Während in den achtziger ein Zweitauto noch als Luxus galt, besitzt heute jedes Familienmitglied einen eigenen Wagen. Reisen in ferne Länder war damals für Arbeiterfamilien kaum möglich. Heute muss selbst der Teenager schon ein Auslandsjahr machen, da er sonst als Außenseiter gilt. Je weiter man reist, desto höher das Ansehen? Vor einigen Jahren war es noch nicht üblich, nach Australien zum Work & Travel zu fliegen. Heute wird der Kontinent mit jungen Leuten überschwemmt, die eigentlich lieber traveln und weniger worken möchten. Höher, weiter, mehr – ist das die Devise der heutigen Zeit? Sind wir deshalb nie mit unserem Einkommen zufrieden und müssen viele Arbeitsstunden absolvieren, damit wir mithalten können?

Allerdings gehören wir Deutsche gar nicht zu den Vielarbeitern Europas. Deutsche und Niederländer sind diejenigen mit den wenigsten Arbeitsstunden jährlich. Dafür sind Deutsche sehr produktiv und können in kurzer Zeit viel schaffen. Wie Tourismus- und Freizeitforscher aus Österreich herausfanden, tappte der moderne Mensch in die „Konsum-Technik-Falle“ und macht sich mit seinem Drang nach Effizienz den Stress selbst. Wir fahren mehr in Urlaub als die Menschen vor hundert Jahren und arbeiten auch weniger und dennoch entsteht das Gefühl, viel zu wenig freie Zeit genießen zu können. In der knappen Freizeit wird dann noch online geshoppt und E-Mails gelesen und beantwortet - ist es da noch verwunderlich, dass die Work-Life-Balance gestört ist?

Bleibt die Generation Y vom Stress verschont?

Die jungen Leute, die nach 1980 geboren wurden, haben ihre Prioritäten anders gesetzt. Mit ihrer Einstellung könnte es sein, dass sie vom Stress verschont bleiben. Das Statussymbol ist kleiner geworden: Das Smartphone hat das Auto abgelöst. Mobil sein bedeutet für die Generation Y, ständig im World Wide Web unterwegs sein zu können. Unterhaltungen von Angesicht zu Angesicht sind out. In ist, wer sich mit Freunden trifft und während dieser Zeit fast ausschließlich mit anderen Menschen über das Smartphone kommuniziert. Aber nur privat, denn beruflich möchte diese Generation am Wochenende und in der Freizeit nicht erreichbar sein. Dies machen sie auch ihren Chefs klar und mit dem modernen Schlagwort „Work-Life-Balance“ scheinen sie damit auch durchzukommen.

Das Leben soll entschleunigt werden, lautet die Devise der Generation Y. Karriere machen und die Führungsetage erklimmen sind nicht die Dinge, auf die junge Menschen Wert legen. Vielmehr möchten sie sich bei ihrer Arbeit selbstverwirklichen dürfen und Erfüllung in ihrer Tätigkeit finden. Die Frage nach den Inhalten der Aufgaben gehört heute zu Bewerbungsgesprächen wie selbstverständlich dazu. Die Generation Y möchte wissen, warum sie etwas tun soll. Kann sie denn Sinn in der Arbeit nicht entdecken, wird die Arbeitsstelle uninteressant, auch wenn ein hohes Einkommen lockt. Macht diese Generation alles richtig? Schließlich lässt sie sich nicht mehr verheizen und folglich müsste sie gesünder sein. Sie sorgt für eine ausgeglichene Work-Life-Balance und Therapeuten dürften zukünftig wenig zu tun haben. Oder sind die jungen Menschen Traumtänzer, die zwar eine Vorstellung ihres Lebens haben, aber ihre Träume ohne eigene Anstrengung erreichen wollen? Wofür arbeiten wir? Generation Y möchte weg von der Leistungsgesellschaft, aber was ist mit Konsum? Wer nach 1980 geboren wurde, ist in der Regel wohlbehütet aufgewachsen und musste auf wenig verzichten. Kann diese Generation auf materielle Güter verzichten, weil sie lieber für weniger Gehalt arbeiten würden, um einer Sinn erfüllten Aufgabe nachgehen zu können? Und: Stehen die jungen Menschen nicht noch mehr unter Stress, weil sich für sie tausend Möglichkeiten und Chancen eröffnen? Wer die Wahl hat, hat die Qual und diese Qualen mussten die Menschen in den sechziger Jahren nicht erleiden.

Geht es uns allen viel zu gut?

Verglichen mit der Nachkriegsgeneration geht es uns sehr gut. Wir haben die Möglichkeit zur Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung – zumindest manche unter uns. Was ist mit einem Arbeiter, der alleine für seine vierköpfige Familie sorgen muss? Kann er sich, angesichts der gestiegenen Miet- und Strompreise, eine Arbeit aussuchen, sie ihm sinnvoll erscheint? Er wird wohl eher möglichst viele Überstunden machen, damit er seiner Familie eine Wohnung in angenehmer Umgebung bieten kann und sich vielleicht auch ab und zu mehr als Grundlebensmittel leisten zu können. Ein Stundenlohn von 16 Euro wird für viele Beschäftigte unerreichbar sein. Warum gibt es sonst die Debatte um einen Mindestlohn von 8,50 Euro? Der Vergleich der Wissenschaftler hinkt ein wenig. Viele Bürger Deutschlands haben es auch heute noch schwer, ihr Geld zu verdienen, um lediglich über die Runden zu kommen. Fernreisen sind möglich, wenn beide Ehepartner arbeiten gehen. Ansonsten wird sich der Nachwuchs kein Auslandsjahr leisten können oder tatsächlich mehr Work als Travel machen müssen.

Die Generation Y hat allgemein gesehen gute Ideen und es ist nicht falsch sich zu überlegen, was im Leben oberste Priorität hat. Wer auf die finanzielle Unterstützung der Eltern bauen kann, hat alle Zeit der Welt, um nach der eigenen Berufung zu suchen. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung wird allerdings weiterhin jeden Monat gut rechnen müssen, um alle laufenden Kosten bezahlen zu können. Und wer sich für Luxusgüter krumm macht, der dürfte wohl kaum zu bedauern sein.

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