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Auf große Verantwortung folgt großes Gehalt – die Chefgehälter 2017

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Kategorie: Berufe & Gehälter
02.08.2017
©GEHALT.de

Geschäftsführer stehen an der Spitze des Unternehmens und haben das Sagen über die Arbeitsabläufe und den Kurs der Firma. Sie müssen nicht nur eine große Anzahl an Abläufen in der Firma überwachen, sondern haben auch die entscheidende Stimme in der Gehaltsverhandlung. Aber wie viel verdienen eigentlich Geschäftsführer? Wir haben uns 24 Branchen angeschaut und und sind dieser Frage auf den Grund gegangen. 

Die Top-Branchen für Führungspositionen

Die lukrativste Branche für Geschäftsführer ist das Bankenwesen. Im Median wird hier ein Gehalt von 186.642 Euro jährlich gezahlt. Grund hierfür sind unter anderem die hohen Boni, die Banken-Chefs bei erfolgreichen Geschäftsabschlüssen erzielen. Doch Bonuszahlungen, Firmenwagen oder Aktienanteile erhalten fast alle Geschäftsführer.

Es folgt die Chemie/Verfahrenstechnik mit einem Gehalt von 183.999 Euro und die Autoindustrie mit 175.570. Letztere trägt unter anderem dazu bei, dass der Süden Deutschlands so eine hohe Vergütung nachweisen kann. Näheres dazu in unserem Gehaltsatlas 2016.

Luft nach oben

Laut Auswertung erhalten Geschäftsführer in der Pharmabranche 173.290 Euro. Die Telekommunikationsbranche ist auf Platz fünf und kommt auf einen Wert von 161.120 Euro. Es folgen Branchen, die sich auf Technik und Produktion beschränken, wie der Maschinenbau mit 157.298 Euro, die Medizintechnik mit 155.298 Euro und die E-Technik mit 150.734 Euro. In der Mitte des Rankings finden sich zunehmend Branchen aus dem digitalen Bereich. Davon steht das IT-Systemhaus mit 141.928 Euro noch am besten da. Chefpositionen in der Computerbranche erhalten im Median 139.245 Euro und im Softwarebereich 126.645 Euro.

Eine Übersicht zeigt die Chefgehälter 2017

Chefgehälter 2017

Weniger Lohn im Einzelhandel

Die Schlusslichter der Auswertung sind Bau, Immobilien, Gesundheitswesen und Einzelhandel. Ein Geschäftsführer im Gesundheitswesen verdient mit 90.509 Euro sogar nur halb so viel wie in der Bankenbranche. Der Einzelhandel liegt mit dem Gesundheitswesen unter dem sechsstelligen Gehalt und kommt auf ein jährliches Einkommen von 82.476 Euro. Viele dieser Branchen sind bereits in unserem Branchenranking 2017 im unteren Bereich der Auswertung gelandet. Diese Bereiche setzten oft geringere Qualifikationen voraus. Es gibt daher einen Überfluss an Jobinteressenten, wodurch Unternehmen leichtes Spiel haben und die Löhne auf einem niedrigen Niveau halten können.

Aber wer darf eigentlich über die Lohnstruktur entscheiden? Ist das immer der Geschäftsführer? Und was macht dann ein Gesellschafter?

Wo liegt der Unterschied zwischen Geschäftsführer und Gesellschafter?

Ein Unternehmen gehört den Gesellschaftern, wird aber vom Geschäftsführer geführt. Auch wenn das Unternehmen eigentlich den Gesellschaftern gehört, haben sie keine Führungsposition und halten sich aus jeglichen geschäftlichen Abläufen heraus. Hier ein kurzer Überblick, was die beiden Positionen unterscheidet.

Der Geschäftsführer

Mit Ausnahme von Einzelunternehmen braucht jedes Unternehmen einen Geschäftsführer. Er vertritt die Interessen der Firma nach innen und nach außen, muss aber nicht zwingend auch Gesellschafter sein. In der Firma hat er die Führungsposition und übernimmt die Pflichten, die im Gesellschaftsvertrag und im Geschäftsführervertrag festgelegt sind.

Die Gesellschafter

Ein Gesellschafter besitzt Anteile an einer Firma. Das heißt, er investiert privates Geld und ist sowohl am Gewinn als auch Verlust der Firma beteiligt. Wie hoch diese Beteiligung sein soll, hängt vom Vertrag und der Rechtsform des Unternehmens ab. Im Unterschied zum Geschäftsführer ist der „Gesellschafter“ kein Beruf, daher erhält er kein festes, unabhängiges Gehalt.

Inhabergeführt

In manchen Fällen besitzt der Geschäftsführer auch die Mehrheit aller Gesellschaftsanteile und ist damit auch Gesellschaftsführer. Solche Betriebe nennt man „inhabergeführt“. In solchen Fällen gibt es immer noch Abstimmungen in der Gesellschaft über den Verlauf der Firma, jedoch ist die Stimme des Gesellschaftsführers entscheidend.

Wer bestimmt das Gehalt des Geschäftsführers?

Geschäftsführer können ihr eigenes Gehalt im Normalfall nicht selbst festlegen. Sofern es nicht anders festgesetzt ist, entscheidet die jeweilige Gesellschaftsversammlung über die Höhe ihrer Vergütung. Trotzdem können sie in manchen Fällen ihr Gehalt mitbestimmen, wenn sie zum Beispiel selbst Teil der Gesellschaftsversammlung sind und ihre Stimme abgeben. Bei inhabergeführten Betrieben müssen Gesellschaftsführer selbst entscheiden, wie viel sie sich selbst vom Kuchen abschneiden, damit die anderen Mitarbeiter auch eine gerechte Portion bekommen.

Wie lassen sich Chefs bezahlen?

Obwohl Geschäftsführer oft großes Mitspracherecht bei ihren Gehältern haben, heißt das nicht, dass jeder nur das maximale Gehalt heraushandeln will. Es kommt immer auf die jeweilige Situation ab. Geschäftsführer, die sich ihr eigenes Start-up Unternehmen aufgebaut haben, sind eher dazu geneigt sich selber weniger auszahlen zu lassen, damit die übrigen Mitarbeiter gehalten werden können.

Verantwortungsbewusstsein der Führungsebene

Dies kommt aber nicht nur in Kleinunternehmen vor, der ehemalige Konzernchef von Nintendo, Satoru Iwata, hat laut Medienberichten nach einem finanziell besonders schlechten Jahr sein Gehalt für fünf Monate um die Hälfte gekürzt. Es kommt also oft auch auf die Gesinnung des Chefs an und inwiefern er sich dem Unternehmen verbunden und verantwortlich fühlt.

Sind die hohen Chefgehälter gerechtfertigt?

Es ist unumstritten, dass Geschäftsführer mehr verdienen sollten, als ihre Angestellten. Aber wo zieht man die Obergrenze und ab wann ist ein Gehalt nicht mehr verhältnismäßig? Hier eine kurze Auflistung was für und gegen hohe Chefgehälter spricht:

PRO

  • Geschäftsführer tragen eine enorme Verantwortung. Sie sind zum Teil fürsehr kostspielige Projekte verantwortlich. Bei Fehlern kann das Unternehmen große Summen verlieren. Dadurch stehen sie konstant unter einem großen Leistungsdruck.
  • Wenn sie einen Fehler machen, können sie direkt gekündigt werden. Im Gegensatz zu normalen Angestellten stehen Geschäftsführer einer GmbH nicht unter dem Kündigungsschutz.

CONTRA

  • Das Gehalt steht oft in keinem Verhältnis zu den Leistungen. Einfache Angestellte arbeiten in Schichtsystemen und verrichten harte körperliche Arbeit, erhalten jedoch vergleichsweise sehr viel weniger.
  • Obwohl Geschäftsführer nicht unter dem Deckmantel des Kündigungsschutzes stehen, erhalten sie dennoch eine große Abfindung, die sie finanziell absichert.
  • Es ist ein Unterschied, ob ein Chef das 10- oder 40-fache seiner Angestellten verdient, jedoch muss der Lohn im Verhältnis zur geleisteten Arbeit und Verantwortung stehen.

Eine Möglichkeit ist die Kopplung des Verdienstes an den Erfolg des Unternehmens – unabhängig von Bonuszahlungen. Auf diese Weise würden Geschäftsführer, je nach geleisteter Arbeit, einen Zuschuss oder Schnitt bekommen. Dies würde einen zusätzlichen Anreiz schaffen, gute Arbeit zu leisten. Jedoch müsste auch hier ein Mindest- und Höchstgehalt festgelegt werden und dies geht in den meisten Fällen gegen die Unternehmensphilosophie.

Der Weg zum Chefsessel

Um einmal selbst Geschäftsführer zu werden, muss der Startpunkt sehr früh gesetzt werden. Wer bereits über eine längere Zeit Berufserfahrung sammeln konnte und nun am Scheideweg steht, kann bereits in einem Bewerbungsgespräch die Absichten klar machen. Das kann zum Beispiel mit einer Frage, ob der Aufstieg zur Firmenleitung von der offenen Stelle aus möglich ist, deutlich gemacht werden.

Häufig wird ein Zeitraum festgelegt, in dem die Zusammenarbeit und die wirtschaftliche Situation des Unternehmens geprüft werden. Wenn ein anderer Vorgesetzter die Firma für längere Zeit verlassen muss, kann die Suche nach einer Vertretung aber auch eine günstige Gelegenheit bieten.
Alternative: Der direkte Weg ist, sich selbst zum Chef zu machen, ist der Weg in die Selbstständigkeit. Beschäftigte, die sich verselbständigen entscheiden selbst über Arbeitszeit, -art und Gehalt. Zwar ist die angestrebte Position hier bereits erreicht, aber der Weg zu einem Geschäftsführer kann hier fast noch beschwerlicher sein, da das neugegründete Unternehmen erst aufgebaut werden muss.

 

Weiterführende Informationen

Branchenranking 2017: So beeinflusst die Branche das Gehalt

Wenn der Mitarbeiter besser als sein Chef ist

So viel Urlaub erhalten deutsche Beschäftigte 2017

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