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Frauenpower in der Chefetage: Quoten, Gehälter und Branchen

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
20.02.2018
Frauen in Chefposition

14/1 – damit ist in diesem Falle nicht eine Disziplin des Poolbillards gemeint, sondern das Verhältnis von Männern zu Frauen in den Vorständen deutscher, börsenorientierter Unternehmen. Das folgt aus den Zahlen einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

Und auch in unserer aktuellen Auswertung zu den Gehältern von Geschäftsführerinnen wird deutlich, wie selten Frauen in den Chefetagen tatsächlich vertreten sind. 921 Daten standen unseren Analysten für ihre Auswertung zur Verfügung – eine verhältnismäßig geringe Datenmenge. In der Regel arbeiten wir mit mehreren Tausend Gehaltsdaten je Analyse.

Bei dieser Auswertung haben wir uns die Frage gestellt, wie viel Frauen -wenn sie eine Chefposition innehaben- eigentlich verdienen. Die Daten stammen aus zehn Branchen, die bei der Auswertung ebenfalls analysiert wurden. Zudem wurde die Unternehmensgröße berücksichtigt. Aus diesen Daten geht ein Median hervor, der bei 94.900 Euro liegt.

Hohe Gehälter locken in der Bekleidungs- und Textilindustrie

Das höchste Gehalt ermittelten wir in der Bekleidungs- und Textilbranche – hier liegt das Jahreseinkommen bei circa 175.700 Euro. Auch die Lebensmittelindustrie lässt sich nicht lumpen und zahlt ihren Geschäftsführerinnen mit 141.500 Euro im Jahr ein relativ hohes Entgelt. Die Branchen Unternehmensberatung, Pharmazie und Finanzdienstleistungen werden ihrem Image gerecht. Hier werden ebenfalls großzügige Gehälter ausgezahlt, die bei einer weiblichen Geschäftsführung zwischen 128.000 und 136.000 Euro liegen.

Geringes Einkommen für Frauen in Kulturinstitutionen

Als Arbeitgeber im Kulturbereich fungieren öffentliche Einrichtungen wie beispielsweise Theater, Museen und Orchester, die jedoch über weniger Kapital verfügen als zum Beispiel die Pharmaindustrie. Im Kultursektor liegen die Jahresgehälter für Frauen in der Chefetage bei circa 65.400 Euro im Jahr. In der gleichen Position bekommt eine weibliche Beschäftigte im Einzelhandel knapp 1.000 Euro mehr. Für Frauen aus Bildungsinstitutionen (73.800 Euro) und sozialen Einrichtungen (76.300 Euro) liegen etwas höhere Gehälter vor. Im Gesundheitswesen ermittelten wir einen jährlichen Median von 82.800 Euro.

Höhere Gehälter in größeren Unternehmen

In kleinen Unternehmen verdient eine weibliche Geschäftsführung circa 84.700 Euro. Mit der Unternehmensgröße steigt jedoch auch das Gehalt, denn in mittelgroßen Unternehmen ist das Einkommen mit rund 138.600 Euro um knapp 54.000 Euro höher. In größeren Unternehmen mit über 1.001 Mitarbeiterin locken sogar 194.200 Euro im Jahr. Größere Unternehmen zahlen häufig höhere Gehälter, da diese meist einen höheren Umsatz erzielen. In diesen sind aber besonders selten Frauen in den Chefetagen vorzufinden.

Was sind die Gründe?

Doch warum gibt es so wenige Geschäftsführerinnen in Deutschland? Einer der Gründe ist, dass nur wenige Frauen in Deutschland den Schritt in die Selbständigkeit wagen: Der Anteil an Gründerinnen von deutschen Startups lag im letzten Jahr gerade einmal bei 14,6 Prozent. Dies geht aus dem Deutschen Startup Monitor 2017 des Bundesverbands Deutscher Startups e.V. hervor. Damit bleibt Deutschland immer noch unter dem europäischen Durchschnitt von 14,7 Prozent. Zum Vergleich: Die Gründerinnen-Quote in Schweden weist stolze 33,3 Prozent auf.

Vor allem Unternehmen aus dem IT-Bereich strotzen nicht gerade vor Frauenpower. Selbst dem US-Riesen Google werden eine unfaire Bezahlung und eine zu geringe Anzahl an weiblichen Beschäftigten vorgeworfen. Neben einer Klage vom zuständigen Arbeitsministerium gingen im vergangenen Jahr auch Beschwerden von Ex-Mitarbeiterinnen ein, die Google unterschiedliche Gehälter und Beförderungschancen zwischen männlichen und weiblichen Beschäftigten unterstellen.

Frauen reagieren auf die Unternehmenskultur

Hinsichtlich der Ursachen dieser Verteilung könnten die Meinungen nicht unterschiedlicher sein. „Frauen wollen lieber Kinder bekommen und nur ihrem Halbtagsjob nachgehen“ heißt es von der einen und „Unternehmen wollen keine Frauen in der Chefetage“ von der anderen Seite. Die Fraunhofer Gesellschaft erklärte anhand einer Studie aus dem Jahr 2012 beide Standpunkte für falsch. Letztendlicher Grund für die wenigen Frauen sei die Unternehmenskultur.

Der Wille seitens der Unternehmen, die Chefpositionen mit Frauen zu besetzen, sei demnach gegeben. Allerdings würden die Firmen einen entscheidenden Fehler begehen und das „konservative Mittelmanagement“ übersehen. Dadurch werden gute Ideen blockiert und Frauen reagieren mit ihrem Desinteresse auf die Atmosphäre im jeweiligen Unternehmen.

Der Streit um die Quoten

Mittlerweile wirkt auch die Politik auf die Situation in den Chefetagen ein. Dank der Frauenquote, die 2015 in Kraft trat, konnte sich der Frauenanteil in Aufsichtsräten tatsächlich die 30 Prozent-Marke erreichen. In Unternehmensvorständen ist jedoch kaum eine Veränderung zu beobachten. Laut des Managerinnen-Barometers des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gäbe es für Frauen in Banken und Versicherungen kaum Chancen, in die Vorstandsebenen vorzudringen. Die Politik zieht daher gesetzliche Quoten für Vorstände privater Unternehmen in Erwägung, was der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) für verfassungswidrig hält. Zudem ist Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, der Meinung, dass Unternehmen das Problem längst erkannt hätten. Außerdem resultieren optimale Ergebnisse vor allem durch die Vielfalt aller Teams – und darüber seien sich Firmen im Klaren.

Unternehmen mit hohem Frauenanteil sind erfolgreicher

Zahlreiche internationale Studien, zum Beispiel die McKinsey-Studie "Women Matter" aus 2007, belegen, dass sich Frauen in der Chefetage positiv auf den Erfolg des Unternehmens auswirken. Dabei wurde festgestellt, dass europäische Unternehmen mit dem höchsten Anteil an Frauen eine besonders hohe wirtschaftliche und finanzielle Performance aufweisen. Diese sind zudem deutlich erfolgreicher als Unternehmen, in denen nur wenige Frauen vertreten sind.

So ist es nicht verwunderlich, dass wir in vielen Bereichen bereits einen wachsenden Anteil beobachten können. Auch in unserer Datenbank hat der Prozentsatz von Frauen in Chefpositionen in den letzten Jahren leicht zugenommen. Geschäftsführerinnen in kapitalstarken Branchen wie zum Beispiel im Maschinenbau oder dem IT-Sektor sind jedoch weiterhin unterrepräsentiert – daher konnten wir hier leider keine validen Aussagen treffen.

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