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Lohnungleichheit: Die Entgeltlücke 2017 in Deutschland

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
28.03.2017
©GEHALT.de

Der Weltfrauentag am 8. März und der in einigen Tagen anstehende Equal Pay Day sorgen für ein erneutes Aufflammen der Debatte um eine transparente und vor allem faire Bezahlung. Auch der aktuell im Bundestag vorgetragene Gesetzesentwurf zur Entgelttransparenz trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass das Thema präsent bleibt.

Doch wie steht es denn eigentlich aktuell um die Entgeltlücke in Deutschland? Wo liegen die Lohnunterschiede zwischen männlichen und weiblichen Fachkräften?

Unsere Kollegen von Compensation Partner haben im Entgeltmonitor 2017 die Gender Pay Gap ermittelt. Hierfür wurden 241.987 Gehaltsdatensätze ausgewertet und hinsichtlich verschiedener Parameter – die Branche, das Alter, die Firmengröße – analysiert. Die Daten stammen aus den vergangenen 12 Monaten.

Um keine Äpfel mit Birnen zu vergleichen, sondern stattdessen aussagekräftige Werte zu erhalten, hat Compensation Partner die Daten bereinigt. Wie genau unsere Vergütungsanalysten bei der Untersuchung vorgegangen sind, lesen Sie im Abschnitt Die Methodik.

Zur besseren Vergleichbarkeit wurden zwei Verdienstklassen (VK) gebildet, die unterschiedliche Gehaltssegmente wiederspiegeln.

  • VK1: Beschäftigte mit einem Jahreseinkommen zwischen 30.000 und 35.000 Euro brutto
  • VK2: Beschäftigte mit einem Jahreseinkommen zwischen 55.000 und 60.000 Euro brutto

Unsere Infografik fasst die Ergebnisse unserer Studie zusammen. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Ergebnissen finden Sie unter der Grafik:

 

Entgeltlücke 2017 Infografik

Lohnungleichheit: Der bereinigte Wert

Die von allen Parametern bereinigte Entgeltlücke beträgt in Deutschland 2017 insgesamt 5,2 Prozent. Im Gehaltssegment VK1 liegt die Differenz zwischen Männern und Frauen bei 2,1 Prozent, in der höheren Verdienstklasse VK2 liegt sie mit 8,2 Prozent deutlich darüber. Das Ergebnis ist also: Je höher das Einkommen der Fachkräfte, desto tendenziell größer auch die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen.

Im Vergleich zu den von uns veröffentlichten Werten aus dem Vorjahr klingt das im ersten Moment nicht besonders viel, doch für Beschäftigte in der höheren Verdienstklasse VK2 können 5 Prozent bereits mehrere Tausend Euro im Jahr bedeuten.

 

Weniger Gehalt für Arbeitnehmerinnen bereits in jungen Jahren

Wie verhält sich die Lohnungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen im Laufe des Alters? Werden bereits jüngere Frauen bei der Bezahlung benachteiligt? Laut Studie lautet die Antwort: Ja.

In der unteren Gehaltsklasse VK1 erhalten junge Arbeitnehmerinnen zwischen 20 und 29 Jahren 4,2 Prozent weniger Lohn. Die höchste Lücke in dem Gehaltssegment liegt bei 4,4 Prozent im Alter zwischen 30 und 39 Jahren. Anschließend verkleinert sich die Lohndifferenz wieder zusehends und beträgt im Alter von 60 Jahren nur noch 0,9 Prozent.

Bei den Mehrverdienern in dem Segment VK2 beträgt die Differenz bereits bei 20-29-Jährigen 5,1 Prozent. Sie steigt mit dem Alter weiter an und erreicht bei über 60-jährigen Beschäftigten ihren Höhepunkt bei 9,3 Prozent.

Wer als Frau bereits in jungen Jahren das Gefühl hat, zu wenig Gehalt für die eigene Leistung zu erhalten, sollte sich nicht entmutigen lassen. Hier gilt: Immer wieder beim Chef wegen einer Gehaltserhöhung anklopfen und sich nicht unter Wert verkaufen. Wer beispielsweise zum Berufseinstieg nicht genau seinen Marktwert kennt, kann sich bei uns informieren.

 

In welcher Branche erhalten Frauen vergleichsweise wenig, in welcher Industrie mehr Lohn?

Wir möchten auch wissen, wie es um die Lohnlücke in verschiedenen Branchen steht. Dafür hat Compensation Partner ein Branchenranking hinsichtlich der Gender Pay Gap für die Gehaltssegmente VK1 und VK2 ermittelt.

Im unteren Segment ist die Metallindustrie mit 9,7 Prozent die Branche mit der größten Gehaltsdifferenz. Im Ranking folgen die Medizintechnik und der Maschinenbau (beide 6,4 Prozent). Die größte Lohnlücke mit 12,9 Prozent im Segment VK2 ermittelten die Vergütungsanalysten in der Werbebranche. Dicht gefolgt vom Gesundheitswesen mit 12,4 Prozent und der Logistikbranche mit 10,7 Prozent.

Doch unsere Kollegen von Compensation Partner finden auch Branchen, in denen Frauen mehr verdienen. Im unteren Segment VK1 sind das Öffentliche Verwaltungen (-2,9 Prozent) und die Touristikindustrie (-6,2 Prozent). Selbst in der Verdienstklasse VK2 erhalten Frauen in der Tourismusbranche mit -4,2 Prozent ein höheres Gehalt.

 

Niedrigere Lohnlücke dank Tarifstrukturen in Großunternehmen

Im Entgeltmonitor 2017 haben die Kollegen von Compensation Partner außerdem untersucht, welche Rolle die Unternehmensgröße bei der Lohnlücke spielt.

Im Gehaltssegment VK1 ist keine eindeutige Korrelation zwischen der Firmengröße und der Einkommensstruktur erkennbar.

In der höheren Verdienstklasse dagegen gibt es laut Auswertung ein sehr eindeutiges Verhältnis zwischen Unternehmensgröße und Gender Pay Gap. In Kleinstbetrieben mit weniger als 5 Mitarbeitern ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen am höchsten. Sie liegt bei 10,5 Prozent. Sie sinkt etwas, doch selbst in einer Unternehmensgröße mit bis zu 1.000 Mitarbeitern liegt die Gender Pay Gap bei über 7 Prozent. In einer Höhe von 6,3 Prozent liegt sie auch noch in Konzernen mit über 20.000 Beschäftigten. Dass es in großen Unternehmen eine niedrigere Lohnlücke gibt, liegt vor allem an den vorhandenen Tarifstrukturen.

 

Exemplarische Analyse verschiedener Berufe

Um eine möglichst breite Abdeckung bei der der Vielfalt von Berufen zu gewährleisten, wurden in einer exemplarischen Analyse die Berufe Krankenpfleger, Erzieher, Beschäftigte im Einkauf, im Kundendienst, in der Softwareentwicklung sowie der Vertriebsinnendienst näher betrachtet. Das Ergebnis: In allen dieser Berufe liegt die Gehaltsdifferenz zwischen Männern und Frauen zu Ungunsten der Frau. Die größte Ungleichheit haben in dieser Untersuchung Beschäftigte im Vertriebsinnendienst. Hier beträgt die Lohnlücke 6,5 Prozent. Den geringsten Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Fachkräften herrscht im Beruf des Kundendienstes.

 

Woher kommen andere Werte?

Wenn sich Interessierte zum Thema im Internet informieren, machen sie unterschiedliche Zahlen ausfindig. Zum Beispiel hat das Statistische Bundesamt für 2016 einen Wert von 21 Prozent veröffentlicht. Woher kommt das?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Entgeltlücke zu ermitteln. Auf die übliche Weise werden die Gehälter aller Beschäftigten in einen Topf geworfen, ausschließlich nach dem Geschlecht getrennt und dann miteinander verglichen. Auch unsere Vergütungsanalysten von Compensation Partner haben die Gender Pay Gap 2016 noch auf diese Weise ermittelt. Mit diesem Vergleich erhält Compensation Partner 2017 einen unbereinigten Wert von 25,2 Prozent.

Unbereinigt deshalb, da mit dieser Analyse ganz unterschiedliche Stellenprofile miteinander verglichen werden können. Also zum Beispiel ein Abteilungsleiter mit einer einfachen Fachkraft. Das ist wenig aussagekräftig und verzerrt die Ergebnisse. Daher hat Compensation Partner in diesem Jahr eine weitestgehend bereinigte Untersuchung durchgeführt.

 

Die Methodik

In 2017 hat Compensation Partner die Gehaltsdaten in zwei Verdienstklassen eingeteilt: Das untere Gehaltssegment beschreibt Beschäftigte mit einem Jahreseinkommen zwischen 30.000 und 35.000 Euro brutto. Das obere Gehaltssegment liegt bei 55.000 und 60.000 Euro brutto. Die Daten wurden hinsichtlich der Parameter Branche, Firmengröße und Alter untersucht.

Des Weiteren wurden die Daten bereinigt, indem die Vergütungsanalysten ausschließlich Berufe vergleichen, die sich in Angebot und Nachfrage aktuell ähnlich verhalten. Es handelt sich außerdem nur um Beschäftigte ohne Personalverantwortung, also um einfache Fachkräfte.

Für die einzeln untersuchen Berufe konnten unsere Vergütungsanalysten außerdem sogenannte Berufspaare bilden: Hierbei handelt es sich um Datensätze von Männern und Frauen, die hinsichtlich Ausbildung, Beruf, Berufserfahrung und Alter fast identisch sind.

Compensation Partner bezieht sich in der Auswertung auf den Medianwert. Dieser ist im Vergleich zum Durchschnittwert wirklichkeitsnäher und wird nicht durch Ausreißer beeinflusst. Der Median ist der Wert, der sich in der Mitte aller Daten befindet.

Weitere Informationen sowie die gesamte Studie zum Entgeltmonitor 2017 finden Sie bei Compensation Partner.

 

 

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