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Arbeit ohne Eintrittskarte: die Top und Flop-Berufe für Beschäftigte ohne Lehre 2017

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Kategorie: Berufe & Gehälter
27.06.2017
©GEHALT.de

Heutzutage scheint es, als ob duale Studiengänge, 2-Fach Bachelor und Masterabschlüsse als Mindestanforderung bei der Jobsuche gelten. Natürlich haben Abschlüsse, je nach Branche, einen großen Einfluss auf das Gehalt, aber was ist mit Beschäftigten ohne abgeschlossene Berufsausbildung?

Wir haben anhand von 1.701 Gehaltsdaten ermittelt, wie es um die Beschäftigung ohne Lehre steht und zeigen Ihnen die best- und schlechtbezahltesten Berufe im Überblick.

Wo beginnt der Berufseinstieg?

Den Start ins Berufsleben können angehende Arbeitnehmer oft schon mit Minijobs oder Praktika beginnen, um einen Fuß in die Tür zu kriegen. Eine weitere Möglichkeit ist der Bundesfreiwilligendienst oder eine ehrenamtliche Tätigkeit, um Praxiserfahrung zu sammeln. Gerade wenn eine Lehre fehlt, zählen Eigenschaften wie Persönlichkeit, Motivation, Fleiß und Lernbereitschaft umso mehr.

Die Bereiche, in denen Beschäftigte ohne Lehre arbeiten können, beschränken sich ausschließlich auf Hilfs- oder Servicetätigkeiten im praktischen Bereich wie Verkaufshilfe oder Lagerhelfer. Hier zählen vor allem auch handwerkliches Geschick, körperliche Belastbarkeit und Durchhaltevermögen. Ohne Qualifikation wird jedoch nicht viel Verantwortung übertragen und dementsprechend auch kein allzu hohes Gehalt ausgezahlt.

Top-Berufe trotz fehlender Ausbildung

Montagehelfer/in

Der bestbezahlteste Beruf ohne Ausbildung ist der Montagehelfer, mit einem Jahresgehalt von rund 32.330 Euro. Das Einsatzgebiet ist größtenteils im Metallbau, wo sich die Aufgaben auf einfache handwerkliche Tätigkeiten beschränken.

Produktion und Logistik

Es folgen Berufe als Helfer in der Produktion mit 30.513 Euro und in der Logistik mit 29.340 Euro. Je enger man am Herstellungsprozess beteiligt ist, desto höher das Gehalt. Die Arbeit des Produktionshelfers liegt in der Überwachung von Maschinen, Lagerung oder Verpackung, während sich Logistikhelfer mit Warentransport und -dokumentation beschäftigen.

Eine Übersicht über die Top-Berufe ohne Lehre finden Sie in unserer Tabelle:

Gehalt ohne Lehre: Top-Berufe 2017

Flop-Berufe: knapp über dem Mindestlohn

Pflegehelfer/in

Beschäftigte in einem sozial wertvollen Beruf bekommen laut Auswertung das geringste Gehalt. Pflegehelfer ohne richtige Berufsausbildung erhalten nur rund 21.750 Euro. In ihren Aufgabenbereich fallen körperlich anstrengende Aufgaben wie die komplette hygienische Pflege und Nahrungsaufnahme von Patienten und Altenheimbewohner.

Küchenhelfer, Reinigungskräfte, Call Center Agents

Ein wenig besser gestellt sind die Küchenhelfer, sie verdienen rund 21.820 Euro jährlich. Verkaufsaushilfen erhalten durchschnittlich 24.856 Euro, Reinigungskräfte 24.107 Euro.

Dies sind jedoch alles nur Durchschnittswerte. Auch wenn das Gehalt für ungelernte Call Center Agents durchschnittlich bei 22.555 Euro liegt, erhält ein Viertel der Beschäftigten aber ein Gehalt, das mit weniger als 18.711 Euro nur knapp über dem Mindestlohn liegt.

Eine Übersicht der Flop-Berufe ohne Lehre gibt es in der Übersicht:

Gehalt ohne Lehre: Flop-Berufe 2017

Gehaltsabweichungen im selben Beruf

Es ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass die Vergütung auch stark von anderen Faktoren abhängt und variiert, wie zum Beispiel nach Alter und Branche. Dies zeigt ein Blick in einige Beispieldaten:

Beispiel 1:

Ein Produktionshelfer in der Chemiebranche verdient beispielsweise 34.900 Euro jährlich, während eine 51-Jährige im selben Beruf in der Druck/Papier-Branche nur auf 19.373 Euro kommt. Je komplexer und gefragter der Einsatzort, desto höher das Gehalt. Dies zeigt auch unsere Auswertung zum Branchenvergleich.

Beispiel 2:

Eine oberbayrische Reinigungskraft kann in einem Autohaus mit 6-20 Mitarbeitern auf ein Gehalt von 29.309 Euro kommen. Gleichzeitig kriegt eine Reinigungskraft in München beim Gesundheitswesen in einem Betrieb mit bis zu fünf Mitarbeitern nur 18.862 Euro, deutlich weniger, als der Durchschnitt.

Neben dem Brancheneinfluss macht sich hier auch das Phänomen von Angebot und Nachfrage in den Regionen bemerkbar. In der Metropolregion um München gibt es ein größeres Angebot an ungelernten Reinigungskräften als vergleichsweise in Oberbayern. Davon können Betriebe profitieren und den Lohn drücken.

Der steinige Weg nach oben

Für Beschäftigte, die keine Ausbildung haben oder eine Weiterbildung anstreben, ist der Aufstieg von Hilfs- zur Fachkraft oft nur über praktische langjährige Erfahrung möglich. Dieser oft lange und beschwerliche Weg lässt sich durch Erwerb von Zusatzqualifikationen verkürzen oder zumindest angenehmer gestalten. Ungelernte Kräfte in einem Unternehmen sollten sich deshalb auf jeden Fall bei ihrem Vorgesetzten über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten erkundigen.

Aufpassen bei der Wahl der Weiterbildung

Das Angebot an weiterbildenden Möglichkeiten ist heutzutage enorm vielfältig und einfach zu erreichen, gerade deshalb sollten Interessenten bei der Wahl nach einem geeigneten Kurs genau hinschauen. Es gibt eine große Anzahl an Zertifikaten, auf die sich Anbieter berufen, jedoch sagen diese nur wenig über die Qualität des Kurses aus. Bei Unsicherheiten ist es am besten, sich bei der Bundesseite für Berufliche Weiterbildung (BIBB) oder dem Portal „Kursnet“ informieren. Diese Seiten geben auch Aufschluss darüber, welche Art der Fortbildung am besten zum Beruf und Lebensumstand passt.

Formen der Weiterbildung

Der Weg nach oben ist für alle gleich, ob mit fortbildenden Kursen, Abend- oder Fernschule. Mittlerweile haben sich viele verschiedene Arten der Weiterbildung gebildet, um Arbeitnehmern den Erwerb von Lizenzen zu erleichtern:

  • Abendschule
  • Fernunterricht
  • E-Learning
  • Training on/near/off the job
  • Weiterbildung und Sprachreise im Ausland

Die Kosten für eine Weiterbildung sind unterschiedlich. Von kostenfreien Angeboten von E-Learning-Tools und Training on the Job bis hin zu externen und kostspieligen Seminaren in Höhe von 1.000 Euro. Fortbildungen in einem nicht ausgeübten Beruf können Beschäftigte nicht als Werbungskosten bei der Steuererkläung geltend machen. Viele Weiterbildungsanbieter bieten allerdings die Möglichkeit einer Ratenzahlung an. Wer als ungelernte Kraft in einem Arbeitsverhältnis steht, sollte seinen Vorgesetzten nach Optionen und Angeboten fragen. Dies zeigt Interesse am Job und Ehrgeiz.

Für jede Form von Weiterbildung braucht es viel Selbstdisziplin und Zeitmanagement, da der Feierabend nicht aus gemütlichem Entspannen, sondern konzentriertem Lernen besteht.

Die Zeitarbeit als Alternative

Viele ungelernte Kräfte arbeiten über Zeitarbeitsfirmen in verschiedenen Unternehmen. Die Zeitarbeit ist auf den ersten Blick eine lohnende Sache. Arbeitnehmer bekommen eine Stelle zugewiesen, die ihrem Erfahrungsstand entspricht, meist in der Metall-, Logistik- oder Elektrobranche, und können anfangen, hier Berufserfahrungen zu sammeln.

Leider sind Beschäftigte der Zeitarbeit sehr auf die Gunst des Arbeitgebers angewiesen, der sie nach Belieben einstellen und entlassen kann. Das zieht schlechte Konsequenzen nach sich, da der Übergang in die erhoffte Festanstellung in den meisten Fällen verhindert wird, um die Vergütung gering zu halten. Die Beschäftigten sind zwar finanziell und vertraglich durch die Zeitarbeit abgesichert, jedoch wird dadurch der Aufbau von langjähriger, konstanter Berufserfahrung sowie einem kollegialen Arbeitsumfeld erschwert. Eine Übernahme von der Zeitarbeit in das Unternehmen ist jedoch nicht unmöglich.

Perspektiven für jeden

Es ist definitiv möglich, einen festen Beruf ohne Ausbildung zu kriegen. Oft sind es verschiedene Lebenssituationen, weshalb angehende Arbeitnehmer keine Ausbildung antreten und gezwungen sind, schnellstmöglich Geld zu verdienen. Aufgrund der Art der Arbeit, dem vergleichsweise niedrigen Gehalt und den geringen Karrieremöglichkeiten empfehlen wir, eine Ausbildung anzutreten, wenn die Möglichkeit dazu besteht – auch zu einem späteren Zeitpunkt.

Doch auch Berufstätige, die schon lange im Beruf sind und keine Lehre abschließen konnten, haben Chancen, sich beruflich weiterzuentwickeln. So bieten beispielsweise Personalvermittlungen und -dienstleister eine Reihe von Weiterbildungsmaßnahmen und anschließenden Qualifikationstests für ihre Zeitarbeiter an, um die Optionen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Das Angebot und Entgegenkommen der Arbeitgeber bei diesem Prozess ist heutzutage so groß, dass man mit ein wenig Initiative, Entschlossenheit und Motivation den Stein für steigende Gehaltsschecks schnell ins Rollen bringen kann.

 

Weiterführende Informationen

Ferienjobs 2017 - Was ist erlaubt?

Über 67.000 Euro im Jahr: die Gehälter nach der Ausbildung

Flop-Berufe nach dem Uniabschluss: unter 30.000 Euro im Jahr

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