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In diesen Handwerksberufen lohnt sich der Meistertitel

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Kategorie: Berufe & Gehälter
02.03.2019
Handwerksberufe

Der Mangel an qualifizierten Fachkräften macht sich auch im Handwerkssektor bemerkbar. Trotz einer boomenden Branche geht der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) aktuell von über 250.000 offenen Stellen aus.

Wir haben uns in einer neuen Auswertung den Gehältern im Handwerk gewidmet und 11.474 Datensätze untersucht um herauszufinden, in welchen Berufen eine Weiterbildung zum Meister am lukrativsten ist. Zusätzlich haben wir den Präsidenten des ZDH, Hans Peter Wollseifer, zu verschiedenen Themen rund um die Handwerksbranche befragt.

Das komplette Interview mit Hans Peter Wollseifer (ZDH) gibt es hier.

Wo lohnt sich der Meistertitel am meisten?

Eine Weiterbildung lohnt sich laut unserer aktuellen Auswertung am meisten als Elektroniker. Beschäftigte verdienen hier mit einer Ausbildung rund 36.000 Euro. Mit einem Meistertitel erhöht sich das Einkommen auf 44.800 Euro. Zimmerer (40.100 Euro), Maurer (40.300 Euro) oder Dachdecker (40.300 Euro) erreichen mit dem Titel ebenfalls Gehälter von über 40.000 Euro im Jahr. Goldschmiede und Dachdecker steigen in ihrem Gehalt nach dem Meister um 6.800 Euro beziehungsweise 6.600 Euro.

Den verhältnismäßig größten Gehaltsprung durch den Meistertitel gibt es laut Analyse beim Beruf des Fleischers. Hier verdienen Beschäftigte mit der Weiterbildung 33.800 Euro jährlich und somit 25 Prozent mehr als die Kolleginnen und Kollegen ohne Meistertitel. Diese erhalten nach der Ausbildung rund 27.000 Euro.

Berufe Mit Ausbildung Mit Meistertitel Gehaltssprung Gehaltssprung in %
Elektroniker/-in  36.043 € 44.799 € 8.756 € 24,3%
Fleischer/-in 27.016 € 33.859 € 6.843 € 25,3%
Goldschmied/-in  26.839 € 33.651 € 6.812 € 25,4%
Dachdecker/-in  33.695 € 40.324 € 6.629 € 19,7%
Zimmerer/-in  33.565 € 40.102 € 6.537 € 19,5%
Lackierer/-in  30.169 € 35.665 € 5.496 € 18,2%

Schwache Gehaltsteigerungen bei Kosmetikern und Friseuren

Anders sieht es bei den Kosmetikern aus. Mit einer Ausbildung liegt ihr Gehalt bei rund 22.000 Euro. Nach einer Weiterbildung zum Meister steigt es auf 24.500 Euro – der Gehaltsanstieg von 10 Prozent (2.400 Euro) ist unter allen ausgewerteten Berufen hier am geringsten. Tischler profitieren etwas stärker von einer Weiterbildung. Ihr Gehalt erhöht sich von rund 30.300 Euro auf 34.300 Euro nach dem Meistertitel.

Wichtig: Der Gehaltsanstieg mit Meistertitel kommt nicht direkt nach der bestandenen Prüfung. Die Daten beziehen sich nicht ausschließlich auf die Erstgehälter für Meister, sondern auf alle Einkommen von Beschäftigten mit diesem Titel.

Berufe Mit Ausbildung Mit Meistertitel Gehaltssprung Gehaltssprung in Prozent
Maurer/-in 34.844 € 40.256 € 5.412 € 15,5%
KFZ-Mechatroniker/-in 29.836 € 34.998 € 5.162 € 17,3%
Bäcker/-in 24.629 € 28.929 € 4.300 € 17,5%
Tischler/-in 30.270 € 34.285 € 4.015 € 13,3%
Kosmetiker/-in 22.045 € 24.509 € 2.464 € 11,2%
Friseur/-in 21.813 € 24.191 € 2.378 € 10,9%

Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Gesellenprüfung

Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung nennt Wollseifer in unserem Interview drei Fortbildungsstufen, mit denen Beschäftigte ihre Kompetenzen weiter ausbauen können: „Auf der ersten Fortbildungsstufe nach der Gesellenausbildung kann ein Abschluss als Spezialist erworben werden – zum Beispiel als Kfz-Servicetechniker. Der wichtigste Abschluss auf der zweiten Fortbildungsstufe ist der Meister, der einem Bachelorabschluss der Hochschule gleichwertig ist. Und auf der dritten Fortbildungsstufe kann beispielsweise der Betriebswirt nach der Handwerksordnung draufgesetzt werden; dieser Abschluss ist dem Masterabschluss der Hochschule gleichwertig“.

Nach dem Meister ist damit noch lange nicht Schluss. Vorausgesetzt, die Motivation und Selbstdisziplin sind in genügendem Ausmaß vorhanden. „Berufsbegleitende Weiterbildungen sind kraftraubend. Doch diese Anstrengung wird langfristig nicht nur mit Expertenwissen, sondern auch mit einem höheren Gehalt honoriert“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von GEHALT.de

Für wen lohnt sich der Meister?

 Neben dem zusätzlichen Lernaufwand müssen auch Zeit und Kosten einkalkuliert werden. Die erste Frage, die sich Beschäftigte stellen sollten, lautet: Passt der Meistertitel zu meinen Zielen und Lebensumständen? Hans Peter Wollseifer nennt dazu folgende zentrale Punkte:

  1. Passt das Bildungsangebot zu dem Ziel, das damit erreicht werden soll?
  2. Passt das Bildungsangebot zu den individuellen Rahmenbedingungen und Ressourcen?


„Mit der Meisterqualifikation kann zum Beispiel das Ziel einer Unternehmensgründung oder -übernahme verfolgt werden. Dann sind insbesondere Fragen der Existenzgründung und Betriebsführung relevant. Für andere steht vielleicht eine besondere Technik ihres Gewerks im Mittelpunkt, die in der Meisterausbildung vertieft werden soll“, sagt Wollseifer.

Der Meistertitel lohnt sich damit grundsätzlich für alle, die ihr Fachwissen vertiefen und damit einen eigenen Betrieb eröffnen möchten.

Ein nicht unerheblicher Teil der Ausbildung sind die Kosten. Hier sollten Interessenten Folgendes beachten: „Mit den Kosten für Kursteilnahme, Prüfungen, Material, Lebensunterhalt, Fahrten zur Bildungsstätte und ggf. Übernachtung können auch mal einige Tausend Euro erreicht werden. Der Staat fördert die Meisterqualifizierung mit dem Aufstiegs-Bafög. Und in einigen Bundesländern erhalten frischgebackene Meister für die bestandene Meisterprüfung einen Bonus obendrauf“, erklärt Wollseifer. Zudem gleicht das höhere Einkommen nach dem Titelerwerb die Investitionen mittel- und langfristig wieder aus.

Aussterbende Berufe?

Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung und Automatisierung wachsen auch die Sorgen, dass klassische Handwerksberufe aussterben und durch Maschinen ersetzt werden. Allerdings haben die meistens Ausbildungs- und Fortbildungsberufe eine lange Lebensspanne:

„Das hängt vor allem damit zusammen, dass in der Berufsbildung und bei der Modernisierung von Berufen weniger am Etikett, sprich: der Berufsbezeichnung, sondern mehr am Inhalt gearbeitet wird. So heißt beispielsweise der Tischler immer noch Tischler – oder Schreiner –, macht aber heute vieles anders als noch vor Jahrzehnten. Andere Berufe fusionieren, etwa der Backofenbauer mit dem Ofen- und Luftheizungsbauer. Und aus dem Kfz-Mechaniker und dem Kfz-Elektriker wurde der Kfz-Mechatroniker. Die Berufe und ihre Ausbildung entwickeln sich mit der Veränderung in der Technik und am Markt“, so Wollseifer.

Berufe  Mit Ausbildung Mit Meistertitel Gehaltssprung Gehaltssprung in Prozent
Kfz-Mechatroniker/-in 29.836 € 34.998 € 5.162 € 17,3%

Viele Berufe fügen sich aufgrund von Beschaffenheit und Tradition in das Handwerk ein. Das Elektrohandwerk wird, so Wollseifer, in Zukunft besonders spannend unter dem Gesichtspunkt „Smart Home“ und der Gebäudesystemintegration.

Den deutschen Handwerksbetrieben geht es gut, in einer aktuellen Umfrage des Inkassodienstleisters Creditreform bezeichneten 77 Prozent der Befragten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ oder „sehr gut“. Die Branche boomt, und der Zentralverband des Deutschen Handwerks erwartet ein Umsatzplus von fünf Prozent. Kurz gesagt: Die Auftragsbücher sind voll.

Durch die wachsende Konjunktur stoßen Unternehmen jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen. Fehlendes Personal führt bei Kunden zu längeren Wartezeiten, was für beide Seiten ungünstig ist. „Insbesondere Berufe im Bereich Sanitär, Heizung, Klima, im Bereich Elektro, die Lebensmittelhandwerke wie Fleischer und Bäcker, die Gesundheitshandwerke wie Orthopädietechniker oder auch die Bauberufe etwa im Hochbau sind betroffen“, so Wollseifer.

Beruf Mit Ausbildung Mit Meistertitel Gehaltssprung Gehaltssprung in %
Bäcker/-in 24.629 € 28.929 € 4.300 € 17,5%
Fleischer/-in 27.016 € 33.859 € 6.843 € 25,3%

Doch warum fehlt es gerade jetzt an Nachwuchs? Laut Wollseifer spielt zum einen der demographische Wandel eine Rolle, zum anderen spürt die Handwerksbranche jetzt die Folgen der Überakademisierung. Um das gesellschaftliche Bild der Handwerksberufe aufzubessern, gibt es seit 2010 die Imagekampagne des deutschen Handwerks. Auch in der Politik macht sich der Zentralverband stark und hat etwa neue Ausbildungswege wie das „BerufsAbitur“, das sich vor allem an leistungsstarke Jugendliche richtet, mit initiiert und auf den Weg gebracht. Zudem setzt sich der ZDH für eine gleichwertige Finanzierung der beruflichen und akademischen Bildung ein.

Das komplette Interview mit Hans Peter Wollseifer (ZDH) gibt es hier.

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