News
Hier finden Sie von Markttrends, Experteninterviews bis hin zu Studien alles rund um die Themen Gehalt, Ausbildung und Beruf.
Zur Newsübersicht

Das verdienen Beschäftigte im Alter von 50 Plus

0
Danke für Ihre Bewertung!
Kategorie: Ausbildung & Berufseinstieg
29.07.2020
Arbeitnehmer 50 Plus steht mit verschränkten Armen

Fehlende Flexibilität und Kreativität, ein höheres Gesundheitsrisiko und keine langfristige Perspektive im Unternehmen – Beschäftigte, die 50 Jahre oder älter sind, haben auf dem Arbeitsmarkt mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Mit einer aktuellen Auswertung zeigen wir, wie viel Arbeitnehmer*innen in dieser Altersgruppe verdienen und mit welchen Eigenschaften sie punkten können.

Für die Auswertung haben die Analyst*innen von GEHALT.de 50.829 Datensätze von Beschäftigten untersucht, die mindestens 50 Jahre alt sind. Außerdem wurden Faktoren wie Branche, Unternehmensgröße, Geschlecht, Ausbildung und Position berücksichtigt. Alle Gehaltsangaben liegen im Median und als Bruttojahreseinkommen vor.

Ein Studienabschluss zahlt sich auch im Alter aus

Laut der Analyse beziehen Fachkräfte dieser Altersklasse rund 43.200 Euro im Jahr. Verfügen diese über einen Studienabschluss, beziehen sie 65.200 Euro und mit abgeschlossener Ausbildung 40.700 Euro. Unter Führungskräften ist das Gehalt mit 103.800 Euro deutlich höher. Zudem freuen sich Akademiker*innen über ein lukrativeres Gehalt (118.100 Euro) als Beschäftigte mit abgeschlossener Ausbildung (82.800 Euro).

Gehälter für Fachkräfte

  Gehalt
 Alle Fachkräfte 43.226 €
 mit Studium 65.181 €
 mit Lehre/Fachwirt 40.663 €

Gehälter für Führungskräfte

  Gehalt
 Alle Führungskräfte  103.819 €
 mit Studium  118.054 €
 mit Lehre/Fachwirt  82.796 €

25.000 Euro weniger für Frauen: Gender Pay Gap unter Führungskräften

Berücksichtigen die Analyst*innen das Geschlecht der Beschäftigten, wird der hohe unbereinigte Gender Pay Gap deutlich. Vor allem unter Führungskräften ist er mit einer Differenz von rund 25.000 Euro besonders stark ausgeprägt – Frauen beziehen 81.800 Euro und Männer 107.000 Euro jährlich. Unter Fachkräften beträgt die Differenz rund 13.000 Euro im Jahr: Männer verdienen 50.700 und Frauen 37.200 Euro.

Gehälter für Führungskräfte

  Gehalt
 Männer   107.013 €
 Frauen  81.808 €

Gehälter für Fachkräfte

  Gehalt
 Männer 50.692 €
 Frauen 37.240 €

Der Einfluss von Unternehmensgrößen

In größeren Unternehmen mit mehr als 1.000 Angestellten sind die Einkommen für Fachkräfte am höchsten: Männer beziehen ein Jahreseinkommen von 74.200 und Frauen 47.600 Euro. Zum Vergleich: In kleinen Firmen mit weniger als 100 Beschäftigten erhalten weibliche 34.800 und männliche Fachkräfte 41.900 Euro im Jahr.

Gehälter für Fachkräfte

 Anzahl der Beschäftigten Frauen Männer
 <100  34.750 € 41.860 €
 100-1.000 41.766 € 56.364 €
 >1.000 47.552 € 74.181 €

Ähnliches lässt sich auch unter Führungskräften beobachten: Während Chefinnen rund 102.200 Euro in großen Firmen erhalten, beziehen ihre männlichen Kollegen mit Personalverantwortung rund 122.600 Euro im Jahr. In kleineren Unternehmen sind die Gehälter mit 67.200 (weibliche Führungskräfte) und 90.800 Euro (männliche Führungskräfte) deutlich niedriger.

Gehälter für Führungskräfte

 Anzahl der Beschäftigten Frauen Männer
 <100  67.234 € 90.812 €
 100-1.000 88.940 € 107.602 €
 >1.000 102.176 € 122.639 €

Top- und Flop-Branchen für Fachkräfte 50 Plus

Im Branchenvergleich sind die Halbleiterindustrie (ein spezialisierter Bereich der Elektroindustrie) und die Luftfahrtbranche lukrativ. Hier locken Einkommen zwischen 70.000 und 88.200 Euro im Jahr. Auch Unternehmen aus der Pharmazie (67.800 Euro) oder aus dem Bankwesen (66.000 Euro) sowie Unternehmensberatungen (61.400 Euro) zahlen ihren Fachkräften jenseits der 50 hohe Gehälter. 

Es bleibt allerdings abzuwarten, wie sich die Gehälter langfristig in Branchen entwickeln werden, die von der Corona-Pandemie stark betroffen sind. So leidet beispielweise die Luftfahrtindustrie aktuell immens unter den Folgen der Krise, was zu Regelungen für Kurzarbeit und zu einem Stellenabbau führen könnte.“


Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de

Die geringsten Gehälter liegen in Call Centern (25.300 Euro) oder in Hotels und Gaststätten (28.800 Euro) vor. Auch der Einzelhandel in der Lebensmittelbranche vergütet weniger lukrativ: Beschäftigte beziehen hier nach ihrem 50. Lebensjahr rund 30.100 Euro.

Top-Branchen für Beschäftigte 50 Plus

 Top-Branchen  Gehalt
 Halbleiterindustrie 88.208 €
 Luftfahrt 70.124 €
 Pharmazie 67.806 €
 Bankwesen 66.008 €
 Unternehmensberatung 61.378 €

Flop-Branchen für Beschäftigte 50 Plus

 Flop-Branchen Gehalt
 Call Center 25.271 €
 Hotel und Gaststätten 28.800 €
 Einzelhandel der Lebensmittelindustrie 30.103 €
 Soziale Einrichtungen 33.903 €
 Handwerk 35.307 €

Beschäftigte 50 Plus sind wertvoll für Unternehmen

Doch mit welchen Argumenten können die Golden Ager den eingangs erwähnten Vorurteilen trotzen? Die Studie "Trendreport - Digitalisierung und Arbeitsmarkt 2019" der BWA Akademie in Bonn betont die Bedeutung älterer Arbeitnehmer*innen für das Personalmanagement. So gaben unter 100 Personalexpert*innen 89 Prozent an, dass sie das „langjährige Know-How“ der älteren Generation als klaren Vorteil für Unternehmen sehe. Außerdem schätzen 86 Prozent die Verantwortungsbereitschaft und drei Viertel die bereits abgeschlossene Familienplanung dieser Altersklasse.

Auch eine Analyse der Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey & Company belegt, dass Unternehmen, die sich durch einen hohen Grad an Diversität auszeichnen, mit höherer Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich profitabel sind. Unternehmen wie Bosch oder Daimler haben längst den Wert von gemischten Teams erkannt und fördern die Vielfalt bzw. Diversity in ihrer Belegschaft, sodass Jung und Alt voneinander lernen und profitieren können.

Studien belegen, dass Unternehmen, die Diversität aktiv in ihren Personalstrukturen fördern, auch profitabler sind. Das sogenannte Diversity-Management berücksichtigt allerdings nicht nur Herkunft oder Geschlecht, sondern auch das Alter der Beschäftigten. Ein Faktor, der gerne vergessen wird.
 

Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de

Bewerber*innen und Angestellte, die 50 oder älter sind, haben daher allen Grund dazu, selbstbewusst im Bewerbungsprozess oder im Job aufzutreten. Der Fachkräftemangel – vor allem in Bereichen wie IT oder Pflege – sowie der demografische Wandel in Deutschland sprechen zusätzlich für Beschäftigte der Generation 50 Plus.

Trotz Corona ist der Bedarf an Fachkräften in der Pflege oder in der IT hoch. Arbeitgeber*innen sind somit darauf angewiesen, die Bewerber*innen über 50 Jahren stärker zu berücksichtigen. Und dies bringt gleichzeitig auch viele wichtige und vorteilhafte Erfahrungswerte für das Unternehmen mit sich.

 

Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de

0
Danke für Ihre Bewertung!
Zur Newsübersicht
Wir verwenden Cookies, damit Sie den besten Service genießen können. Details ansehen