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Zurück ins Berufsleben – in diese Berufe steigen Langzeitarbeitslose ein

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Kategorie: Ausbildung & Berufseinstieg
25.02.2020
Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt in Deutschland jährlich. Viele Unbeschäftigte entschließen sich, ihr Leben umzukrempeln und sich einen Beruf suchen. Trotzdem wird es für Langzeitarbeitslose (ein Jahr und länger arbeitslos) immer schwieriger, einen Job zu finden. Hauptproblem dafür sind fehlende Arbeitsplätze, da Langzeitarbeitslose in direkter Konkurrenz mit anderen Jobsuchenden sind. Dies macht sich vor allem in Bereichen deutlich, in denen die Einstellungskriterien besonders hoch sind. Dies geht aus einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes hervor. Im Jahr 2014 haben circa 200.000 Arbeitslose einen Beruf gefunden, im Jahr 2019 waren es laut der Bundesagentur für Arbeit nur noch rund 124.000.

Aber in welche Berufe steigen Unbeschäftigte nach einer längeren Zeit der Arbeitslosigkeit wieder ein? Und wie viel können sie damit verdienen? Um diese Frage zu beantworten, haben wir aus 17.939 Datensätzen die Gehälter von Berufen ermittelt, die Langzeitarbeitslose am häufigsten antreten. Die Daten zu den Langzeitarbeitslosen wurden von der Bundesagentur für Arbeit für GEHALT.de zur Verfügung gestellt.

Im Text liegen alle Gehaltsangaben im Median und als Bruttojahresgehälter vor. Dabei gehen unsere Analysten von einer 40-Stundenwoche und 28 Urlaubstagen aus.

Der Großteil der Arbeitslosen startet als Lagerhelfer oder Reinigungskraft

Langzeitarbeitslose haben im vergangenen Jahr in über 500 unterschiedlichen Berufen ihre Arbeit wiederaufgenommen, am häufigsten als Helfer in der Lagerwirtschaft. Insgesamt haben rund 9.700 Langzeitarbeitslose in diesem Beruf eine Anstellung gefunden –  das sind rund acht Prozent aller ehemaligen Beschäftigungslosen, die im Jahr 2019 einen Job gefunden haben. Das jährliche Bruttoeinkommen für diesen Beruf liegt bei 24.300 Euro.

Auf dem zweiten Platz folgt der Beruf der Reinigungskraft mit einem Anteil von sieben Prozent. Unter den Jobs, in die Langzeitarbeitslose am häufigsten einsteigen, verdienen Reinigungskräfte mitunter jedoch am wenigsten. Sie erhalten ein Jahresgehalt von 23.700 Euro. Verkaufshelfer ohne Produktspezialisierung belegen mit sechs Prozent den dritten Platz und beziehen ein Gehalt von 24.800 Euro im Jahr.

Der Gehaltsunterschied zwischen Hilfs- und Fachkraft

Auch wenn die Helfer-Positionen mit einem schnellen Einstieg locken, sollte der Gehaltsunterschied zu den Fachkräften nicht missachtet werden. So verdienen Verkaufshelfer rund 24.800 Euro im Jahr, während Fachverkäufer auf 29.900 Euro kommen. Noch größer ist die Differenz bei Bürokräften: Eine ungelernte Bürohilfe verdient rund 27.800 Euro – im Vergleich dazu erhält eine Fachkraft im Büro oder Sekretariat circa 36.200 Euro. Der Mehraufwand lohnt sich auf lange Sicht bereits bei kleinen Gehaltsunterschieden.

Die Berufe, in die Langzeitarbeitslose am häufigsten einsteigen sind selten gut bezahlt. Jedoch stellen sie eine deutliche finanzielle Verbesserung für die Beschäftigten dar, wenn man von einer Vollzeitstelle ausgeht.
Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de

Gehalt steigt mit Berufsausbildung

Bei der Höhe des Einkommens zeigt sich, dass der Beruf der Fachkraft im Büro oder Sekretariat nicht nur ein beliebter Einstiegsjob unter Langzeitarbeitslosen ist, sondern auch ein relativ lukrativer. Im Jahr verdienen Beschäftigte hier mit rund 36.200 Euro das höchste Gehalt im Berufsvergleich. Auch Gebäudetechniker kommen auf knapp über 33.000 Euro jährlich. Diese Berufe erfordern eine Berufsausbildung, weshalb das Gehalt hier zwar höher ist, der Einstieg jedoch auch schwerer fällt.

Unkomplizierter Berufsstart bei niedrigem Gehalt

Küchenhilfen und Hilfskräfte für Reinigung beziehen dagegen ein deutlich niedrigeres Einkommen. Mit nur rund 22.300 Euro erhalten Küchenhilfen das geringste Gehalt in unserer Auswertung. Angestellte in der Reinigung verdienen mit 23.700 Euro nur etwas mehr. Trotz des niedrigen Einkommens in diesen Berufen fangen viele Langzeitarbeitslose hier eine Beschäftigung an, da der Einstieg einfach ist und keine spezifische Ausbildung benötigt wird.

Neues Gesetz fördert Langzeitarbeitslose durch Lohnkostenzuschuss

Anfang 2019 trat in Deutschland ein neues Gesetz für Langzeitarbeitslose in Kraft. Mit dem sogenannten "Teilhabenchancengesetz" erhalten Arbeitgeber Förderungen und Lohnkostenzuschüsse, wenn sie Personen nach bestimmten Kriterien einstellen. Die oder der Beschäftigte muss mindestens 25 Jahre alt sein und in den letzten sieben Jahren mindestens sechs Jahre lang Arbeitslosengeld II bezogen haben. Zudem darf sie oder er in dieser Zeit nicht oder nur kurzfristig beschäftigt gewesen sein. Die Bundesregierung zahlt an Unternehmen, die diese Personen einstellen in den ersten beiden Jahren 100 Prozent des Mindestlohns. Es wird eine Ausnahme gemacht, wenn die Gehälter im Unternehmen tarifgebunden sind. Nach dieser Zeit wird das tatsächlich gezahlte Arbeitsentgelt berücksichtigt.

Um zusätzlich eine langfristige Beschäftigten zu ermöglichen, unterstützen „Coaches“ die ehemaligen Langzeitarbeitslosen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben. Sie helfen bei Problemen am neuen Arbeitsplatz oder bei Schwierigkeiten hinsichtlich der Organisation des Alltags. (Quelle)

Resonanz nach einem Jahr
Nach einem Jahr haben bereits 44.000 Menschen durch das Teilhabeschancengesetz Arbeit gefunden. Jedoch erhalten viele nur befristete Verträge, da die Vorbehalte seitens der Arbeitgeber noch relativ groß sind. (Quelle) Oft haben Arbeitgeber überzogene Anforderungen an die ehemaligen Langzeitarbeitslosen, die sie nicht erfüllen können. Fremdsprachenkenntnisse und Mobilität sind besonders nach einer längeren Beschäftigungslosigkeit bei vielen Neuangestellen ein Problem. Der Einstieg in ein festes, geregeltes Berufsleben kann nur nach und nach erfolgen, jedoch zahlt sich die Mühe allemal aus.

Beruf Q1 Median Q3 Anzahl der Langzeitarbeitslosen Anteil in Prozent
Helfer in der Lagerwirtschaft 22.881 € 24.321 € 26.923 € 9.662 8%
Reinigungskraft 21.559 € 23.695 € 27.745 € 8.814 7%
Verkaufshelfer 23.136 € 24.825 € 27.599 € 7.578 6%
Fachkraft Büro/
Sekretariat
30.496 € 36.162 € 43.819 € 5.176 4%
Küchenhilfe 20.129 € 22.318 € 25.427 € 4.923 4%
Fachverkäufer 25.185 € 29.869 € 36.892 € 3.738 3%
Bürohilfe 25.178 € 27.750 € 32.932 € 3.463 3%
Objektschutz 24.484 € 29.733 € 37.406 € 3.190 3%
Gebäude-
techniker 
29.060 € 33.120 € 38.649 € 2.674 2%
Gastronomie-
service-Fachkraft
22.800 € 26.276 € 31.480 € 1.565 1%
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