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Fordere ich als Taxi-Fahrer den Mindestlohn bei meinem Chef, droht Kündigung…

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Kategorie: Berufe & Gehälter
27.05.2015

Mein Chef droht mit Kündigung, wenn ich den Mindestlohn fordere. Ich bin Thorsten, 52 Jahre alt und arbeite als Taxi-Fahrer. Vom Mindestlohn kann ich nur träumen, denn mein Chef sagt ganz klar, dass er mich entlassen muss, wenn ich die 8,50 Euro haben will. Taxifahrer Mindestlohn

Mindestlohn in der Taxibranche

8,50 Euro Mindestlohn – das klingt sehr gut und diesen Stundenlohn hätte ich als Taxifahrer auch gerne. Ich bekomme weniger, habe mich aber im Internet schlau gemacht, weil ich wissen wollte, ob dieser Stundenlohn auch für die Taxibranche gilt und falls das der Fall ist wie ich diesen Mindestlohn einfordern kann.

So sieht die Realität für Taxifahrer aus

Über den Mindestlohn wird viel diskutiert und angeblich soll diese Regelung ganz toll und gerecht sein. Die Realität sieht aber anders aus und viele Unternehmen müssen ihre Angestellten entlassen, sobald sie auf den Mindestlohn pochen. Nicht jede Firma kann es sich leisten, ihren Mitarbeitern 8,50 Euro Stundenlohn zu zahlen.

Ich kann zwar meinen Chef verstehen, denn wir haben Zeiten, in denen wir keinen Leerlauf haben und wir haben Zeiten, in denen wir auf Kundschaft warten müssen. Der Umsatz ist somit nicht immer gleich. Würde er uns allen nun 8,50 Euro bezahlen, müsste er einen Teil seiner Belegschaft entlassen. Auf der anderen Seite hat mir mein Chef sehr deutlich gesagt, dass er genug Leute findet, die für 5,20 Euro die Stunde arbeiten. Ich weiß genau, wen er damit meint, denn die Leute vom Ostblock arbeiten für so wenig Geld und machen uns somit die Löhne kaputt.

Verständnis für meinen Chef hin und her – ich muss zusehen, dass ich über die Runden komme und das schaffe ich zur Zeit einfach nicht. Genau das macht mich so sauer und ich kann das Gerede über den Mindestlohn kaum noch hören. Ich lebe von meiner Frau und meinen beiden Kindern getrennt und muss Unterhalt zahlen. Meine Ex versucht auch ständig mich auszunehmen. Ich habe einfach keine Wahl und keine Möglichkeit, aus diesem finanziellen Dilemma herauszukommen. Entweder arbeite ich weiterhin unter dem Mindestlohn oder ich poche auf die 8,50 Euro und bin arbeitslos.

Immer mehr Druck für Taxi-Fahrer

Wenn ich mit Kollegen anderer Taxi-Unternehmen rede, sieht es überall gleich schlecht aus. Pausenzeiten werden nicht bezahlt und die Fahrer bekommen nur für die tatsächlichen Fahrtzeiten Geld. Das ist für die Taxi-Fahrer mehr als übel, denn sie können nichts dafür, wenn es Tage gibt, an denen Fahrgäste auf sich warten lassen und einfach nicht viel los ist. Die Fahrer arbeiten statt acht Stunden zehn oder zwölf Stunden, weil die Standzeiten als Pausen gelten und somit nicht berechnet werden. In Taxi-Unternehmen, die den Mindestlohn zahlen, werden die Fahrer entlassen, die nicht einen bestimmen Mindestumsatz einfahren. Wer nun morgens fährt, hat oftmals kurze Fahrten, beispielsweise ältere Menschen, die zum Arzt gebracht werden müssen. Wer am Wochenende und dann vor allem abends fährt, wird den Mindestumsatz schaffen – allerdings nur in Orten mit regem Nachtleben. Viele der entlassenen Taxi-Fahrer haben sich selbstständig gemacht. Diese Option kann ich mir aber momentan nicht leisten.

Taxi-Unternehmer die ihren Fahrern 8,50 Euro zahlen, müssen mit den Mehrkosten zurechtkommen und somit mussten Vollzeitkräfte und Minijobber entlassen werden. Viele Chefs setzen sich wieder selbst ans Steuer, weil sie sonst ihren übrig gebliebenen Fahrern keinen Mindestlohn zahlen könnten. Ich bin somit gezwungen weiterhin für ein Gehalt unterhalb des Mindestlohns arbeiten zu gehen. Der Druck in dieser Branche plus mein privater Druck aufgrund der Unterhaltszahlungen und dem ständigen Stress mit meiner Ex-Frau wirken sich allmählich auf meine Gesundheit aus. In meinem Alter habe ich auch keine Chancen mehr auf eine andere Arbeitsstelle und einen anderen Job, denn mit 52 Jahren kann ich mir das Schreiben von Bewerbungen sparen.

Weiterführende Infos zum Thema:

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