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Gehaltsvergleich Niederlande: Einkommen und Verdienst in Holland & Co.

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Kategorie: Lohngerechtigkeit & Transparenz
07.06.2022
Amsterdam, die Hauptstadt der Niederlande, Kanal mit Brücke und Schiffen

Windmühlen, Tulpenfelder, Käsemärkte und moderne Architektur – als Urlaubsort haben die Niederlande für jeden etwas zu bieten. Doch wer in den Niederlanden leben will, für den sind ganz andere Aspekte wichtig. Neben einer geeigneten Unterkunft müssen Auswandernde darauf achten, dass sie die Lebenshaltungskosten decken können.

Das fällt insbesondere leicht, wenn man in einem profitablen Sektor arbeiten kann. Doch welche sind das? Wie viel Gehalt verdienen die Niederländerinnen und Niederländer im Durchschnitt und kann man auch mit dem niederländischen Mindestlohn ohne Probleme seine Miete zahlen?

Kultur und Leben in den Niederlanden

Die Niederlande, von vielen noch immer liebevoll Holland genannt, bauten bereits zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert ein umfassendes europäisches Handelsnetz aus. Wichtiger Erfolgsfaktor: die sprichwörtlichen Tulpen. Noch heute stammen rund 80 Prozent der Blumenzwiebeln aus den Niederlanden. Der Übergang von einer erfolgreichen Handelsnation zu einer Industrienation erfolgte in den Niederlanden erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Während des Ersten Weltkrieges verhielten sich die Niederlande neutral, diese Vorgehensweise funktionierte während des Zweiten Weltkrieges jedoch nicht. Daher betrieb Holland nach dem Zweiten Weltkrieg eine aktive Bündnispolitik. Die Niederlande sind sowohl ein Gründungsmitglied der NATO als auch der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.

Mit 17,5 Millionen Menschen auf einer Fläche von 41.543 km² vereinen die Niederlande mittlerweile verschiedenste Kulturen und Glaubensrichtungen von Buddhismus über Islam zum Christentum. Die Niederlande gelten daher als sehr liberal und die multikulturelle Nation beweist auch in Krisensituation einen starken Zusammenhalt.

In vielen Unternehmen in den Niederlanden ist es Tradition, am Freitagmittag ein Borrel abzuhalten. Das ist ein zwangloses Treffen, um gemeinsam etwas zu trinken. Für dieses Treffen kann es sein, dass alle einen Betrag dazugeben oder jede Woche jemand anderes die Rechnung übernimmt. Neben dem Netzwerken sind solche Treffen, insbesondere für die Gezelligheid wichtig. Bei diesem Wort handelt es sich in diesem Fall nicht etwa um die niederländische Version von Geselligkeit, sondern beschreibt viel mehr einen gemütlichen, sozialen, unterhaltsamen und gleichzeitig entspannten Zustand. Übersetzten könnte man diesen mit “sich wie zu Hause fühlen”.

Während es für Deutsche nicht schwer sein wird, sich an die Pünktlichkeit der Niederländerinnen und Niederländer zu gewöhnen, könnte der eine oder andere die Meinungsäußerung dieser jedoch für unhöflich halten. Das liegt daran, dass es in den Niederlanden ganz normal ist, geradlinig und ehrlich zu sein. Oder wie die Niederländer sagen: „Doe maar normaal, dan doe je al gek genoeg“ (Verhalte dich einfach normal, dann bist du schon verrückt genug).

Wohnen und Lebenshaltungskosten in den Niederlanden

Wer eine Wohnung in einem anderen Land sucht, sollte dies im besten Fall mithilfe eines Maklers bzw. einer Maklerin tun. In den Niederlanden kann die Suche jedoch auch über eine Wohnungsgenossenschaft laufen. Basierend auf dem Einkommen können sich Interessierte auf eine Wohnung bewerben. Personen mit einem hohen Einkommen erhalten so jedoch auch nur teurere Wohnungen in den Niederlanden. Zudem sind insbesondere bei den günstigen Wohnungen die Wartelisten sehr lang. Wer Interesse daran hat, direkt in die Hauptstadt Amsterdam zu ziehen, der muss für eine Einzimmerwohnung durchschnittlich mit einer Miete von 1.000 Euro im Monat rechnen. Strom und Wasser sind hierbei nicht inklusive. In anderen Städten fällt die Miete jedoch günstiger aus. Vornehmlich in Rotterdam, welche nicht so ein Touristenmagnet ist, lässt sich bereits mit 600 Euro im Monat eine passable Einzimmerwohnung finden. Wer es lieber ländlich mag, kann bei einem Wohnhaus mit vier Zimmern mit ungefähr 1.500 Euro Miete rechnen.

Mietverträge sind in den Niederlanden entweder unbefristet oder haben eine Laufzeit von sechs bis zwölf Monaten. Obwohl die Vermietenden für die Instandhaltung zuständig sind, laufen Nebenkosten wie Wasser, Strom und Heizung komplett über die Mieterinnen und Mieter.

Die Lebenshaltungskosten in den Niederlanden sind in der Regel höher als in Deutschland. Je nach Lebensumstand und eigenem Geschmack benötigt ein Singlehaushalt um die 900 Euro. In der folgenden Tabelle sind einige ausgewählte Lebensmittel und ihre niederländischen sowie deutschen Durchschnittspreise:

Produkt

Niederlande

Deutschland

Milch, 1 Liter

0,99 Euro

0,92 Euro

Wasser, 1,5 Liter

0,66 Euro

0,53 Euro

Reis, 1 kg

1,92 Euro

1,94 Euro

Kartoffeln, 1 kg

0,97 Euro

1,48 Euro

Äpfel, 1 kg

2,65 Euro

2,41 Euro

Rindfleisch, 1 kg

27,36 Euro

13,61 Euro

Bier, 0,5 Liter

1,19 Euro

0,58 Euro

Auch die Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel fallen in den Niederlanden in der Regel höher aus als in Deutschland. Dafür ist das Netzwerk der öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut organisiert und aufgrund der eher geringen Größe des Landes jeder Ort in wenigen Stunden erreichbar. Mit Bussen, Trams, U-Bahnen und Fähren wird die Bewegung innerhalb einer Stadt ebenfalls zu einem Kinderspiel. Besonders praktisch ist dabei die OV-chipkaart, die überall in den Niederlanden genutzt wird und nach eigenem Bedarf aufgeladen werden kann. Dabei muss man jedoch daran denken, sich bei jedem öffentlichen Verkehrsmittel wieder auszuchecken, ansonsten könnten die Reisekosten ganz schnell ins Unermessliche gehen. Wer keine Lust auf Bus und Bahn hat, profitiert in den Niederlanden von vielen und gut ausgebauten Fahrradstraßen. Wer sich in den Niederlanden lieber mit einem Auto fortbewegen möchte, profitiert zwar von einem gut ausgebauten Straßennetz, muss jedoch mit höheren Benzinpreisen als in Deutschland rechnen und auch das Parken ist in den Niederlanden oft kostenpflichtig. Jemand, der sich nicht an die Straßenverkehrsordnung hält, insbesondere an das Tempolimit, bekommt außerdem deutlich schneller ein Bußgeld von der Polizei verpasst. Übrigens darf seit einigen Jahren auf den Autobahnen zwischen 6:00 und 19:00 Uhr nur noch maximal 100 km/h gefahren werden.

Arbeiten und Gehalt in den Niederlanden

Das Lohnniveau in den Niederlanden ist mit dem in Deutschland in der Regel vergleichbar. In einzelnen Berufen und Branchen kann es jedoch zu größeren Unterschieden bei den Gehältern kommen. Eine Besonderheit ist zudem, dass die Krankenversicherung von dem Arbeitnehmer alleine getragen wird. Eine verpflichtende Grundversicherung in den Niederlanden kann zwischen 115 und 400 Euro betragen.

Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch in den Niederlanden einen Mindestlohn. Der sogenannte Minimumloon gilt für alle Arbeitnehmer*innen ab 21 Jahren. Der monatliche Mindestlohn beträgt 1.725 Euro, bei einer 40-Stunden-Woche ist das ein Stundenlohn von 9,96 Euro. Für Personen mit einer 36-Stunden-Woche gilt der gleiche monatliche Mindestlohn, wodurch der Stundenlohn auf rund 11 Euro steigt. Zudem hat jede*r Arbeitnehmer*in einen Anspruch auf Urlaubsgeld. Dieses wird im Mai ausgezahlt und beträgt 8 Prozent des Jahresbruttogehalts. Zusätzlich kann der Arbeitgeber freiwillig auch noch ein 13. Monatsgehalt zahlen. Beide Zusatzleistungen werden in den Niederlanden versteuert. Steuerfrei hingegen ist eine nicht selten gezahlte Reisekostenvergütung, ähnlich der deutschen Pendlerpauschale. Pro gefahrenem Kilometer zur Arbeitsstelle zahlen Arbeitgeber ein Kilometergeld von 0,19 Euro pro Kilometer, unabhängig vom Fahrzeug. Fahrradfahrer profitieren daher in den Niederlanden doppelt.

Das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt liegt in den Niederlanden bei ungefähr 3.720 Euro. Die höchsten Gehälter werden in der Energieversorgung mit ungefähr 5.330 Euro im Monat und in der Finanzbranche mit circa monatlich 5.420 Euro gezahlt. Weniger profitabel ist die Landwirtschaft mit einem durchschnittlichen Bruttomonatsgehalt von 2.180 Euro. In der Gastronomie liegt der Durchschnitt sogar nur bei rund 1.250 Euro. In der folgenden Liste einige ausgewählte Berufe mit ihren monatlichen Gehältern in den Niederlanden nach drei Jahren Berufserfahrung:

 

Der Arbeitsmarkt in den Niederlanden ist generell etwas liberaler und arbeitgeberfreundlicher als in Deutschland. So sind in den Niederlanden die Arbeitsverträge am Anfang immer befristet. Die Dauer der Probezeit richtet sich daher nach der Befristungsdauer des Arbeitsvertrages. Läuft dieser zwei Jahre, beträgt die Probezeit normalerweise einen Monat. Die Kündigungsfrist in den Niederlanden beträgt ebenfalls einen Monat, solange ein*e Arbeitnehmer*in weniger als fünf Jahre in einem Unternehmen arbeitet. Erst bei einer Betriebszugehörigkeit von 10 Jahren gilt die hier übliche dreimonatige Kündigungsfrist.

Krankheit, Elternzeit und Rente in den Niederlanden

Im Krankheitsfall bezahlt der Arbeitgeber bis zu 104 Wochen 70 Prozent des Bruttogehalts weiter. In einigen Tarifverträgen sind sogar 100 Prozent Lohnfortzahlung im Krankheitsfall festgelegt. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es allerdings kein Krankengeld von der Krankenkasse und auch keinen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Dafür darf der Arbeitgeber bei längerer Krankheit Kontrollen durchführen, um mit dem Arbeitnehmer und einem Betriebsarzt gemeinsam an einer Wiedereingliederung zu arbeiten.

In den Niederlanden haben Schwangere ab der sechsten Woche vor der Geburt eines Kindes das Recht auf Schwangerschaftsurlaub. Nach der Geburt dürfen sie zehn Wochen Entbindungsurlaub nehmen. In dieser Zeit erhalten die Mütter weiterhin ihren Lohn vom Arbeitgeber. Sowohl während der Schwangerschaft als auch vier Monate nach der Geburt darf eine Mutter nicht gekündigt werden. Ebenso besteht während der Elternzeit Kündigungsschutz. Recht auf Elternzeit und damit auch auf Elterngeld haben in den Niederlanden Arbeitnehmer*innen, die mit einem Kind zusammenleben, das jünger als acht Jahre ist, und die sich selbst um dessen Betreuung und Erziehung kümmern und daher nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten können. Der Höchstsatz des monatlichen Elterngeldes beträgt 1.800 Euro und ist abhängig vom vorherigen Nettoeinkommen.

Das niederländische Rentensystem beruht auf drei Säulen: Die erste Säule, das Allgemeine Rentenversicherungsgesetz (AOW), gilt für alle, die in den Niederlanden wohnen oder arbeiten, und dient nach dem Eintritt in das gesetzliche Rentenalter als Grundeinkommen. Das gesetzliche Rentenalter liegt im Jahr 2022 bei 66 Jahren und 7 Monaten. Neben der staatlichen Allgemeinen Rentenversicherung kann jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin als zweite Säule eine Zusatzrente abschließen. Die dritte Säule des Rentensystems besteht aus individuellen Versicherungen wie Leibrente und Lebensversicherung. Im Schnitt bekommen Rentner*innen in den Niederlanden aktuell monatlich ungefähr 1.218 Euro ausgezahlt.

Fazit: Arbeiten in Holland

Alle mit einer Staatsangehörigkeit eines Landes, das der Europäischen Union (EU), dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder der Schweiz angehört, können theoretisch in den Niederlanden arbeiten und wohnen. Obwohl die niederländische Arbeitskultur der deutschen nicht unähnlich ist, gibt es auch hier einige Knigge-Regeln, die man sich vorher aneignen sollte. Zudem lohnt es sich, neben englischen Sprachkenntnissen auch Erfahrungen in der niederländischen Sprache mitzubringen. Und auch wenn in den Niederlanden die deutsche Sprache sehr gut verstanden wird, sollte man nicht glauben, sich nicht um die eigene Sprachkompetenz bemühen zu müssen.

Quellen:

Auswandern-info.com

Grenzinfo.eu

Gtai.de

Loonwijzer.nl

Numbeo.com

Workwide.de

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